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Comics

Zwiespalt im Herzen – der Besuch der German Comic Con Berlin

Wir waren für Euch vor Ort.

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Die Comicmesse und German Comic Con Berlin fanden diesmal gleichzeitig statt. Carsten Laqua, Organisator der Comicmesse, erklärte gegenüber dem Tagesspiegel eindeutig die Zielsetzung dahinter: „Film, Fernsehserien, Fantasy – all das sind natürlich massenkompatiblere Bereiche.“ Man wollte eine größere Massen an zahlenden Konsumenten ansprechen. Damit bewegt sich der Fokus immer weiter weg vom klassischen Comic, ohnehin ein anhaltender Trend – Leute, welche die Filme schauen, greifen nicht zwingend zum Comic, trotz Cross-Marketing – hin zum US-amerikanisch dominierten Hollywood, aber auch zum Cosplay und allgemeinen Merchandising.

Man wollte also ein größeres Publikum erreichen, was auch für die unzähligen kleiner Künstler durchaus erfolgreich sein könnte. Viele der abgehalfterten Schauspieler, deren Zeit schon lange vorbei ist oder deren Filme systematisch durch stillose Kritiker die fernab jedes Feuilletons stehen überbewertet werden, interessieren den Verfasser nur bedingt bis gar nicht. Sie können ihren Platz haben, selbiges gilt auch für die Cosplayer. Diese Leute leben teilweise in ihrer eigenen Welt und schaffen es – so der Vorwurf – ihre Vermarktung ins Positive zu wandeln, während zum Beispiel europäische Probleme (Masseneinwanderung und die damit verbundene Ausbeutung durch Großkonzerne, welche die hypermoralische Instrumentalisierung gegen die europäischen Arbeiter richten) ausgeblendet werden. Dies kann ohne Frage befreiend sein, weil man einfach mal abschalten kann und seiner Kreativität und seiner Detailverliebtheit freien Lauf lassen kann. Denn natürlich geben sich manche Cosplayer richtig viel Mühe, dies verdient Anerkennung, da steckt Herzblut dahinter, die man aber auch sicherlich anders einsetzen könnte. Doch es macht sich irgendwie dieses innere Rumoren breit, welches Caroline Sommerfeld mit folgenden Worten beschrieb: „Ich leide unter der tiefen Diskrepanz zwischen der verkommenen Gegenwart und einem überzeitlichen höheren Gedanken des deutschen Volkes.“ Wer es literarischer beschreiben haben will, greift zu Henry de Montherlant „Nutzloses Dienen“: „Ares und Aphrodite sind im gleichen Netz vereint und ihrer beider Tochter heißt Harmonie.“

Im Grunde befreit sich die Neunte Kunst aus der Nische und geht einen Weg, der für die Massen einfacher ist. So sehr man sich auch Comics in den Massenmarkt wünscht, der Weg der großen amerikanischen Comicgiganten, mit ihren immer wieder selben Geschichten und ihrer langweiligen politischen Agenda, im Stile der unifarbenen Diversity, oder das krampfhafte Überstülpen des Etiketts Graphic Novel, zeigen, es kann der Tod des kreativen, provokanten Schaffenden sein. Ganz grob skizziert: Wer auf der neoliberalen Welle des Zeitgeistes ganz oben surft, ist keineswegs provokant, sondern bedient nur die herrschende und führende Klasse (ein extremes Beispiel). Keiner sagt, dass es einfach werden würde, weil man schnell in plumpe Klischees verfallen kann oder eben eine aufgeladene bunte Welt kreiert, die mit hypermoralischen Erklärungen aufwartet.

Trotzdem gönnt man vielen kleinen Künstlern einen Erfolg. Die einfach nur ihre Ideen, die nicht alle austauschbar sind, an den Kunden bringen wollen und die eventuell auf den Richtigen treffen, der ihre Zeichnungen einmal zu einem Comic zusammensetzt oder vielleicht eine Variantcovergalerie ermöglicht. Dabei sprechen die Bilder einiger Künstler schon für sich und es bedarf auch nicht zwingend vieler Worte, was auch das Erstlingswerk Myre von Claudya – AlectorFencer – Schmidt beweist, indem sie die inszenierten weiten Landschaften ihrer Geschichte ihre ganz eigene Sprache erzählen lässt, die somit wiederum über ihre ganz eigenen „Worte“ verfügen (vgl. Arcadi Heft 3/2018). Von ansprechender Ästhetik über interessante Entdeckungen bis hin zu Provokantem war vieles dabei.

Eine asiatische Künstlerin zeichnete zum Beispiel einen Krieger bzw. Samurai, der sein Handwerk versteht und von Sorgen entbunden werden kann, um „dem Vaterland gegenüber seine Pflicht zu erfüllen“ (Henry de Montherlant). Was manche sicherlich in diesem Fall fälschlicherweise als Klischee bezeichnen würden, ist für die Künstlerin ein Selbstverständnis ihrer Tradition und Geschichte. Auch wenn sie dies sicherlich nicht so drastisch herüberbringen würde.

Inwiefern jedoch jene kleinen Illustratoren bereits mutig jener positiven Entwicklung folgen werden, was die Zusammenarbeit mit bestimmten Verlagen und auch dem Arcadi Magazin selbst angeht, wird die Zukunft zeigen. Zumindest muss sich die Rubrik Comics im Magazin, nicht nur was den kontrakulturellen Ansatz in den Rezensionen angeht, sondern auch bei den hervorragenden Comics keinesfalls vor dem Angebot auf der Messe und dem Mainstream verstecken, ganz im Gegenteil (vgl. Karl Martell in Arcadi 2/20181984 & AfD in Arcadi 3/2018).

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