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Leben

Wir haben ein Problem mit unserem Frauenbild

Warum wir ein falsches Frauenbild pflegen und damit Konflikte produzieren.

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„Wo ist denn die nächste Tankstelle?“ Meine Mutter sitzt hinter dem Steuer ihres Wagens. „In den Kreisel, dritte Ausfahrt. Dann kommt gleich eine.“ Ich, leicht genervt, weil das Tankstellenzeichen groß und deutlich auf dem Navi zu sehen ist. Angehalten, getankt und dann noch schnell einen Kaffee – zweimal Milch und ein halbes Päckchen Zucker – man will ja schließlich nicht am Steuer einschlafen. Dann, beim rausgehen bleibt mein Blick an der Zeitschriftauslage kleben. Seltsam, denn eigentlich interessieren mich Klatschblätter nicht. Jedoch heute: mir fällt eine BILD der Frau ins Auge. Ich muss lachen.

Es vergeht doch kaum eine Woche, in der nicht ein neuer „Sexismus-Skandal“ die Öffentlichkeit erschüttert. Googelt man „Sexismus“ oder „Sexismus im Alltag“, wird man schnell fündig. Allein dieses Jahr gab es haufenweise Artikel, Kolumnen und Kommentare zu dem Gespenst, das umgeht. O-Ton: Mann sagt irgendetwas zu einer Frau. Diese reagiert pikiert, weil sexistisch. So ein Artikel auf Spiegel Online vom 04.11.2017. Die Autorin war im Zuge ihrer Arbeit mit einem Mann im Gespräch. Dieser sagte zu ihr: „Sie sollten mehr lächeln. Dann sehen Sie viel hübscher aus.“ Zack! Der männliche Sexist hat mal wieder zugeschlagen. Was fällt diesem Lustmolch auch ein, dieser armen Frau ein Kompliment zu machen?

Frau Komplimente machen ist für Mann heute eine gefährliche Sache. Das geht so weit, dass man wütend angefahren wird, wenn man einer Mitstudentin die Tür aufhält. Damit würde man ihr nämlich signalisieren wollen, sie würde das nicht allein hinbekommen. Auch sollte Mann Themen, wie kochen, Haushalt oder Kinder tunlichst aussparen, wenn man mit Frau redet. Es sei denn, man hat Todessehnsucht.

All das geht mir durch den Kopf, während ich vor dem Zeitschriftenregal in der Tankstelle im bayerischen Oberland stehe und das Cover der BILD der Frau mustere. Zu sehen ist eine attraktive blonde Dame, schätzungsweise in den Vierzigern. Sie lacht. Den Inhalt könnte man wie folgt zusammenfassen: Diäten, Rezepte, Beauty-Tipps und Ratgeber für die Balance von Körper und Seele von Europas größter Frauenzeitschrift.

Verrückte Gesellschaft. Auf der einen Seite haben wir die Vollblutemanzen, die in jedem Mann ein Täter sehen und in Fragen, wie „Willst du keine Kinder?“ oder Aussagen, wie „wenn sie lächeln, sind sie hübscher“ einen Angriff auf ihre Selbstbestimmung sehen und in jedem Herd ein Symbol der Unterdrückung der Frau per se. Auch finden diese Damen es überhaupt nicht toll, wenn man ihnen Komplimente macht. Schließlich würde sie das nur auf ihr Äußeres reduzieren. Auf der anderen Seite jedoch steht dieses Frauenmagazin, das offenbar so beliebt ist, dass es an jeder Tankstelle und jedem Zeitschriftenladen zum Verkauf angeboten wird. Wie passt das zusammen? Denn streng genommen wäre dieses Blatt doch Sexismus pur. Hier werden Kochrezepte vorgestellt, Tipps gegeben, wie man sich gegen Fältchen schützt und mit welcher Gemüsemaske. Also all das, was Frau angeblich doch nicht hören wollen und verabscheuen.

Wieso darf ein Frauenmagazin das sagen, was uns Männern verboten ist? Wenn Mann sagt, er finde ihr Lächeln hübsch, dann ist das Sexismus. Aber wenn der Frauenratgeber Tipps für ein ansprechendes Äußeres gibt, geht das in Ordnung? Auf Anhieb fallen mir da nur zwei Erklärungen ein. Entweder ist diese ganze Sexismus-Debatte zum Großteil auf Heuchelei und Schizophrenie aufgebaut oder irgendjemand in den Schreibstuben dieser Nation hat ganz entschieden was gegen Männer.

Zu ersterem: Es kann doch nicht sein, dass sich die jungen Damen heutzutage im Sommer kaum mehr als Unterwäsche anziehen und Männer damit geradezu auffordern, überall hinzuschauen, bloß nicht in ihr Gesicht und gleichzeitig soll man als Mann Frauen nicht sagen dürfen, dass sie attraktiv aussehen? Man soll sie nur nach ihren „inneren Werten“ beurteilen? Warum ziehen sich Frauen dann so an? Wieso kann dann der Ausschnitt bei diesen jungen Dingern nicht tief und der Rock nicht kurz genug sein? Wenn doch nur Intelligenz, Beruf und Charakter zählen? Will man etwa behaupten, Frauen und Mädchen ziehen sich nur so an, weil es ihnen gefällt? Ohne Hintergedanken? Kann es nicht sein, dass der Rock immer kürzer und der Ausschnitt immer tiefer wird, ihre Ursachen darin haben, Aufmerksamkeit von Männern zu bekommen?

Wie kann eine Frau, die in solch einem Aufzug mit einem Mann redet, von diesem erwarten, dass er ihre geistreichen Bemerkungen wertschätzt, wenn er doch vollauf damit beschäftigt ist, in ihren Ausschnitt zu starren oder krampfhaft versucht, es eben nicht zu tun? Ist es so verwunderlich, wenn Frauen heute oft das Gefühl haben, sie werden angestarrt und sich dadurch belästigt fühlen? Da muss ich fast schon zwangsläufig an das Buch „Dann mach doch die Bluse zu“ von Birgit Kelle denken. Der Titel sagt schon alles.

An was liegt es also, wenn es einerseits total in Ordnung scheint, dass vor allem junge Frauen sich entsprechend anziehen und der Rock jedes Jahr noch ein bisschen kürzer sein muss, gleichzeitig aber der Ton in der Sexismusdebatte immer schriller wird? Frauen kommen anscheinend nicht darauf klar, dass die Frau als Sinnbild der Erotik in dieser Gesellschaft immer omnipräsenter werden. An jeder Bushaltestelle hängen Bilder von weiblichen Unterwäschemodels, die mit lasziven Blicken von ihren Plakaten aus nur so um sich werfen. Die Klatschpresse ist voll von Sex-Skandalen und Bildern halbnackter oder nackter Promis und der Weg zum nächsten Porno ist nur ein paar Mausklicks entfernt. Das wohl unbewusste Unwohlsein über diese Entwicklung bricht sich nun eben Bahn in einer Generalanschuldigung an die Adresse des Mannes und dem überall beschriebenen „Sexismus“.

Zweitens: Feministen hassen den Mann. Das ganze Geschrei von einer patriarchalen Gesellschaft und der Unterdrückung der Frau durch den Mann. Egal, welche Absonderung des Feminismus man anschaut: immer ist der Mann schuld. Stellvertretend sei hier Simone de Beauvoir genannt, die Urmutter des heutigen Feminismus. Sie prägte den Satz, nachdem Frauen nicht als solche geboren werden, sondern von der Gesellschaft (also den Männern) dazu gemacht wird. Eine Frau könne daher nur glücklich und selbstbestimmt leben, wenn sie zuvor das „Männerproblem“ löst. In die gleiche Sparte ist auch das ganze Geschwätz der Gender Studies zu rechnen. „Anatomie ist ein Konstrukt“ (Judith Butler). Auch das ein Versuch, sich von den Fesseln der gesellschaftlichen Unterdrückung zu befreien. Irgendwie traurig, dass diese Damen den einzigen Weg zu ihrer „Befreiung“ darin sehen, sich selbst kurzerhand abzuschaffen. Denn offensichtlich sind die Geschlechter nur ein soziales Konstrukt, zumindest das weibliche. Der Umstand, dass eigentlich nur unter Linken und Grünen Feministen zu finden sind und deutsche Journalisten mehrheitlich links, beziehungsweise grün wählen, scheint ein Teil des Rätsels Lösung zu sein.

Ungeachtet dessen, besteht immer noch das Problem, dass Zeitschriften, wie die BILD der Frau offensichtlich gekauft und gelesen werden. Von Frauen. Man kann wohl daher davon ausgehen, dass es auch in Deutschland viele Frauen gibt, die es nicht ganz so eng sehen mit der scheinbaren Unterdrückung der Frau durch die Gesellschaft. Denn schließlich interessieren sie sich nach wie vor für dasjenige, was doch eigentlich erst zu ihrer Unterdrückung geführt habe: Mode, Kochen, und Gurkenmasken. Sind Frauen etwa masochistisch veranlagt? Oder einfach nur Frauen? Dieser Gedanke kommt mir, als die Tankstelle schon hinter mir liegt.

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GreyHusky

Mal die ganze Pathologie des heutigen Feminismus beiseite gelassen, es gibt doch Unterschiede zwischen einem direkten und ehrlichen Kompliment und einem zweifelhaften ‚backhanded‘ Kompliment. „Du hast ein schönes Lachen“ statt „Lach doch mal, dann wärst du viel hübscher“. Du hältst mir die Tür auf? Gerne, danke. Und ja, der kurze Rock da drüben fällt mir auch auf. Völlig okay.

Aber ich sag ja auch nicht „Du solltest mehr trainieren, dann wärst du voll attraktiv“ und halte dir dann vor, du könntest keine „Komplimente“ annehmen.

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