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Warum Kinder und Jugendliche mehr Videospiele spielen sollten

„Kinder, die Videospiele spielen, sind schlechter in der Schule“

Ein klassischer Satz, welchen man oft hört. Medienpädagogen sind sich jedoch heute einig, dass dieser Satz keine Handfestigkeit besitzt. Teilweise kann man sogar einen Gegenstrom vernehmen, welcher dem von den Eltern gern verwendten Totschlagargument, widerspricht. Auch Eltern, welche sich als äußerst liberal in der Hinsicht geben und dem Kind immerhin 30 Minuten Spielzeit am Tag erlauben, sind nicht besser. Aber warum ist das so?

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Spielen ist ein Hauptbestandteil der Kindheit, im Kindergarten bereits wird sich in diverse Rollen hineinversetzt. Kinder übernehmen dabei spielerisch andere Rollenverhältnisse und versuchen dabei, das Erwachsenenleben oder ihre Fantasiewelt nachzuspielen. Das Spielen wird im laufe des Älterwerdens ein immer kleinerer Bestandteil der Freizeit. Schule, Hausaufgaben und viele Freizeitaktivitäten wie Klavierunterricht oder Sport verdrängen die Möglichkeiten, dem Spieltrieb nachzugeben.

„Computerspiele lenken ab, Bücherlesen ist viel besser für mein Kind“

Im Mittelalter in der Rolle eines Ritters den Kreuzzug miterleben; Rätsel lösen, um Informationen zu erhalten, die eine Entführung aufdecken; Als Landherr ein Dorf aufbauen und lernen, mit Ressourcen umzugehen – Rollenspiel und Strategiespiel ist mehr, als nur Zeitvertreib. Was Eltern häufig als Schwachsinn empfinden, ist in der heutigen medienpädagogischen Debatte, längst auf der Agenda. Spiele befreien die Kinder und Jugendlichen nicht nur aus ihrem stressigen Alltag – ihr Potential steckt in der Förderung, auch wenn Jugendliche und Kinder es oftmals nicht merken. In Spielen wie „Die Siedler“ lernen Kinder spielend, wie Wirtschaft vor über 100 Jahren aussah, in diversen sogenannten „Point-And-Click-Adventures“ müssen Rätsel gelöst werden um eine Hintergrundstory zu verstehen. All das ist die Aneignung von Wissen und Erfahrung, welche nicht nur im Spiel hilft, sondern auch in der Realität des Kindes oftmals gefordert ist.

„Also mein Kind darf Computerspiele spielen, aber nur eine halbe Stunde am Tag!“

Restriktion ist Doppelmoral. Eltern, die ihren Kindern eine Zeit vorgeben, in der sie Computerspiele spielen dürfen, müssten ihren Kindern auch eine Zeit vorgeben, in denen sie Bücher lesen dürfen. Bis Kinder und Jugendliche in einer Welt angekommen sind, bedarf es erstmal Zeit. Zeit, die nicht entspannen lässt und den Spieler unter Druck setzt. Die Devise: möglichst abgehetzt Spielen, um einen großen Fortschritt zu erreichen, ehe Mama kommt und das Spiel ausmacht, weil man ja nicht zu lang vor der Flimmerkiste sitzen soll. Das ist wie gezwungen werden, an einer sehr spannenden Stelle eines Buches, Filmes o.Ä. aufzuhören und erst am nächsten Tag erfahren zu dürfen, wie es ausgeht. Moralisch natürlich ein Sieg, das Kind im Griff zu haben, sodass Verbote eingehalten werden – der Preis ist jedoch, dass ein Potential nicht ausgeschöpft wird und das Kind aus einer Welt herausgerissen wird, pädagogisch und sozial genau das, was man eigentlich verhindern möchte.

„Du sitzt jeden Tag am Computer, mach mal mehr mit deinen Freunden“

Besonders bei Jugendlichen in der Pubertät, ist dies ein klassischer Satz der Eltern.
Verabredet wird sich heutzutage in Spielen wie „World of Warcraft“, „Guild Wars“, „Age of Conan“ oder „League of Legends“, in welchen man mit Freunden online Quests und Gefechte austragen muss. Diese Gefechte und Aufgaben, sorgen innerhalb eines Teams für Zusammenhalt und man lernt, sich auf andere Mitspieler zu verlassen. Onlinerollenspiele versetzen die Jugendlichen in Welten, in denen sie mit mehreren Hunderttausend anderen Mitspielern kommunizieren müssen. Hier steckt ein weiteres Förderungspotential: Der Fremdsprachenerwerb. In Onlinespielen mit Tausenden von Mitspielern wird zwangsläufig nicht auf Deutsch kommuniziert, sondern es Bedarf der Anpassung. Der kleinste gemeinsame Nenner ist dabei, wie soll es auch anders sein, Englisch. Floskeln, Vokabeln, Grammatik und Syntax, werden in diesen Spielen vermittelt – auch hier ohne das die Spieler es mitkriegen. Darüber hinaus muss man Taktieren, eine Gruppe anführen und viele weitere Softskills der Kommunikation anweden um erfolgreich zu sein. Im Schleier einer von den Eltern angeprangerten „Desozialisierung“ entsteht für die Jugendlichen jedoch ein neues Inventar an Fähigkeiten, welche sich optimal in der Realität umsetzen lassen.

 

Die Resultate sind deutlich, Computerspiele haben ein großes Potential. In einer Zeit der Debatten über Bildungspläne und Digitalisierung ein Faktor, welcher oftmals vergessen, gar ignoriert wird. Vermeintliche Fakten von Lehrern und Eltern sind nicht tragbar. Moderne medienpädagogische Forschung liefert Ergebnisse, welche das meiste entkräftet. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, aber liebe Eltern: Seid doch einfach ein bisschen lockerer auf dem Gebiet, wenn euer Kind nach den Hausaufgaben Videospiele spielen möchte, lasst es doch einfach mal machen, was könnt ihr schon verlieren?

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