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Liebe & Sex

Über das Heiraten und den Wunsch, Kinder zu bekommen

Unsere Autorin hat über ihren Kinderwunsch geschrieben

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Ich wurde, wie könnte es anders sein, linksliberal, feministisch und politisch korrekt erzogen. Nicht von meinen Eltern, vielmehr von der Gesellschaft. Besonders von der Schule, der es sehr, sehr wichtig war, feministische und links-progressive Werte zu vermitteln. Inzwischen weiß ich, dass diese Erziehung familien- und kinderfeindlich ist, doch irgendetwas scheint bei mir schiefgegangen zu sein: Denn obwohl ich mir alles andere als sicher war, ob ich jemals heiraten würde, wusste ich genau, dass ich Kinder haben würde. Ich nahm es nicht als Zwang wahr, sondern als schlichten Fakt. Mein persönlicher Plan war, mit 28 mein erstes Kind zu bekommen. Ich rechnete mir aus, dass ich zu dem Zeitpunkt mit meiner Ausbildung fertig sein und auch Reife, Erfahrung sowie den nötigen finanziellen Status besitzen würde. Die Notwendigkeit einer stabilen Beziehung wurde von mir zu keinem Zeitpunkt berücksichtigt, aber auch nicht infrage gestellt.

Mit 19 traf ich meinen jetzigen Ehemann und stellte kurz darauf fest, dass es ein ganz bestimmtes Gefühl gibt: das Gefühl der Gewissheit, jemanden heiraten zu wollen. Ich wusste vorher nicht, dass es das gibt, erkannte es aber sofort. Nach einem Jahr Beziehung gaben wir uns das Ja-Wort, waren uns aber einig, dass ich zunächst mein Studium beenden und ungefähr zwei Jahr arbeiten würde, bevor wir unseren Kinderwunsch in die Tat umsetzen.

An dieser Stelle ist mir wichtig klarzustellen, dass mein Mann und ich nie zu jenen gehörten, die das Kinderkriegen unter den vorgeschobenen Gründen der Ausbildung oder Karriere nach hinten schieben. Wir hatten einfach einen klaren Plan gefasst, den wir verfolgten. Da ich besser ausgebildet sein würde als mein Mann und aus verschiedenen Gründen nicht so gerne den Haushalt mache, entschieden wir uns gemeinsam für eine konservative, aber vertauschte Rollenverteilung.

 

Als ich etwa ein Jahr lang gearbeitet hatte, befanden wir, dass es nun an der Zeit wäre, die Übung zu beenden und die Umsetzung des Kinderwunsches ernsthaft zu betreiben. Ich informierte mich darüber, worauf frau achten sollte, wenn sie schwanger werden möchte und war erschlagen von den tausenden teilweise hanebüchenen Tipps und Produkten, die den Kinderwunsch verwirklichen sollen. Man solle zum Beispiel den Zyklus genau beobachten, damit man den Eisprung auch ja nicht verpasse, am besten, man nutze gleich einen Test, der für beeindruckend viel Geld ermittelt, ob es gerade so weit ist oder nicht. Oder: jene Körperhaltung solle man haben, jene Produkte essen, Nahrungsergänzungsmittel einwerfen und so weiter. Es ist erstaunlich, wie viel (Pseudo-)Wissenschaft man in den schlichten Akt der Fortpflanzung stecken kann.

 

Letztlich entschieden wir uns für eine gemüsereiche Ernährung für mich und dafür, dass der Kinderwunsch selbst ein hinreichendes Aphrodisiakum darstelle und wir keine weiteren Hilfsmittel bräuchten. Schließlich sieht die Natur vor, dass Kindermachen an sich schon eine Belohnung ist und mit der nötigen Portion Liebe, Hingabe und Kreativität braucht es keine Disziplin, um am Ball zu bleiben. Das einzige, was ich als belastend empfand, war, dass ich mich genötigt sah, in vielen Bereichen Stillschweigen über unser Vorhaben zu bewahren: In unserer Gesellschaft hat sich irgendwie der Irrglaube festgesetzt, man müsse so und so viel Geld haben, um einem Kind „etwas bieten zu können“. Ein Kinderwunsch bei einer Frau als Alleinverdienerin wird da sehr, sehr kritisch betrachtet; meine Eltern, Großeltern, Geschwister wären jedenfalls gleich zutiefst besorgt gewesen. Gegenüber dem Arbeitgeber und somit sämtlichen Kollegen musste selbstverständlich geschwiegen werden, kann so etwas doch zu immensen Problemen bei der Weiterbeschäftigung führen. Sicher, sobald man erst einmal schwanger ist, kann man nicht mehr gekündigt werden, aber ein paar Monate kann es bis dahin schon dauern – genug Zeit, um einen plötzlichen Kündigungsgrund zu finden.

 

Als es letztlich geklappt hatte, wusste mein Mann noch vor mir, dass ich guter Hoffnung war. Er beobachtete mich ein paar Tage mit einem wissenden Blick und empfahl mir dann, mal wieder einen Schwangerschaftstest zu machen. Es war interessant zu beobachten, dass Drogerieverkäuferinnen einem offensichtlich ansehen, mit welcher Intention man einen Schwangerschaftstest kauft und entsprechend agieren. An solchen Kleinigkeiten bemerkte ich, dass unsere Gesellschaft mitnichten kinderfeindlich ist. Viele scheinen nur Angst zu haben, selbst den Schritt zu wagen.

 

Gemäß der Anwendungsempfehlung führte ich den Test direkt morgens durch. Noch vor der Arbeit, morgens um halb sechs. Ich versuchte, meine Aufregung während der drei Minuten Wartezeit zu zügeln und nicht permanent auf den Streifen zu starren. Schon nach einer Minute entstand der vielversprechende zweite Strich und dennoch wartete ich geduldig ab – kann sich ja noch was ändern, vielleicht. Schließlich waren schon ein paar Schwangerschaftstests negativ gewesen und das war tatsächlich immer wieder ein Stich ins Herz. Also: Freude zügeln zum Schutze vor Enttäuschung.

 

Doch der Test zeigte zwei klare, unverkennbare Striche und sagte somit aus, dass eine„sehr hohe Wahrscheinlichkeit“ bestünde, schwanger zu sein. Ich quietschte vor Entzückung und rannte direkt zu meinem Mann, der zu so früher Stunde noch schlief, und rief schon auf dem Weg dorthin immer wieder: „Er ist positiv! Er ist positiv!“ Mein Mann war besonders vorsichtig mit seiner Freude. Erst, als ich ihm versicherte, dass ich zuvor noch nie zwei Striche auf einem Test gehabt hatte (es ist beeindruckend, was zwei Striche auf einem Pappstreifen für eine Bedeutung gewinnen können), löste sich seine Skepsis und die Freude brach sich Bahn.

 

Auf den bestätigenden Termin beim Frauenarzt musste ich acht lange Tage warten, obwohl ich mich eigentlich nicht beschweren will, weil ich mit dem Anliegen Neupatientin war und sie alles getan hatten, um mich erfolgreich in die Kartei und den Terminplan zu quetschen. Ich hatte auch Glück: Die gesamte Frauenarztpraxis war ausgesprochen kinderfreundlich und ich fühlte mich umgehend gut aufgehoben. Ich war zu dem Zeitpunkt lediglich in der sechsten Woche, in der die Stabilität einer Schwangerschaft noch nicht gewährleistet ist, weshalb es noch mal sechs Wochen warten hieß mit der Angst, dass der Körper doch noch befinden könnte, dass die Genkombination für ein Kind noch mal neu verhandelt werden müsse. Aber trotz dieser kleinen Stimme der Angst war ich mir sicher, dass dies mein Erstgeborener würde. Ich lief wie auf Wolken.

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Matthias Rahrbach
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In der Tat müssen die Auswüchse des Feminismus und die Genderideologie/Gender Mainstreaming auf den Prüfstand. Es geht so nicht mehr weiter. In sozialen Netzwerken wird mittlerweile sogar zugunsten der Genderei zensiert, und zwar rein sachliche Kommentare. Selbst im öffentlich-rechtlichen TV kommt Genderpropaganda, geschickt untergebracht in Wissenschaftsendungen.

Wer Lust auf ein „Gedankenverbrechen“ hat und sich einmal eine genderfreie, verhaltensbiologische Analyse der beiden Geschlechter angucken will, möge bei Bedarf auf meinen Namen klicken!

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