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Praktisch

Sling-Bag – Die praktische Tasche, die kaum einer kennt

Was man nicht so alles bei Videospielen entdecken kann…

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Die Geschichte begann, als ich eines Abends eine Runde „Splinter Cell: Conviction“ spielte. Wer Splinter Cell nicht kennt: Das ist ein Taktik-, bzw. Schleich-Shooter. Es geht um Infiltration. Man steuert aus der 3rd-Person-Perspektive den Agenten Sam Fisher, der meistens unbemerkt in irgendwelche Gebäude eindringen muss, um z. B. Akten zu stehlen oder um eine Bombe zu legen. Das Besondere und auch Sympathische an diesem Spiel ist, dass sich der Score des Spielers reziprok zu den getöteten Gegnern verhält. Je blutiger man vorgeht, desto schlechter schneidet man ab. Echte Profis spielen das Spiel, ohne einer Fliege ein Haar zu krümmen. Zu letzteren Spielern zähle ich nicht, denn Schießen in Computerspielen macht mir einfach viel zu viel Spaß. Genauso wie das Werfen von Handgranaten. Letztere holt Sam immer aus einem Beutelchen auf seinem Rücken. Bei diesem Beutel handelt es sich nicht um einen Rucksack – denn wer bewahrt schon in einem Rucksack Dinge auf, die man notfalls blitzschnell zur Hand haben muss? Obwohl, eigentlich ist es schon ein Rucksack. Bloß eben einer, der nur an einem einzigen Riemen hängt. Ein Riemen, der Sam wie eine Schärpe quer über den Rücken und quer über die Bust geht. Wirft Sam eine Granate, zieht er vorher kurz an diesem Riemen, und der Beutel gelangt in Sekundenbruchteilen von seinem Rücken vor seinen Bauch. Granate rausholen, Stift ziehen, werfen, ein Ruck am Gurt, und schon befindet sich das Beutelchen wieder auf seinem Rücken, wo es ihn bei seinen diversen Kriech-, Kletter-, Schleich- und Bombenlegaktionen nicht stört.

 

„Das ist mit Abstand das praktischste Beutelchen, das ich je gesehen habe!“, dachte ich mir damals, „Das erlaubt dieselbe Bewegungsfreiheit wie ein Rucksack, lässt sich aber während man steht oder läuft mit beiden Händen bedienen, ohne dass man es abschultern muss. Schade, dass es sowas nicht in Wirklichkeit gibt!“

 

Au contraire. Ich täuschte mich, denn diese Taschen existieren, wie mir kurze Zeit später Onkel Google klarifizierte. Und sie heißen „sling bag“. Beziehungsweise im Deutschen „Cross Body Bag“, „Bodybag“, „Brusttasche“ oder „Triangel-Rucksack“. Man konnte sich anscheinend noch auf keinen Begriff einigen.

 

Der Sling-Bag, soweit ich es herausfinden konnte, ist seit den 90er Jahren im Umlauf und noch immer relativ unbekannt, obwohl er sich langsam steigender Beliebtheit erfreut. Er stammt höchstwahrscheinlich von der Fahrradkuriertasche ab. Die Fahrradkuriere kamen nämlich irgendwann auf den Trichter, dass für ihre Profession weder der Rucksack die ideale Tasche ist, noch die Umhängetasche. Ersterer ist zwar beim Radfahren komfortabel zu tragen, aber unpraktisch zu öffnen und zu schließen, da er dafür abgeschultert werden muss. Bei zweiterer ist es genau andersherum: gut und schnell zu bedienen, aber total unpraktisch beim Fahrradfahren, da sie ständig irgendwo herumbaumelt und beim Strampeln stört. Also kamen die Fahrradkuriere auf die Idee, ihre Umhängetaschen mit einem zusätzlichen Gurt zu versehen, der diese während der Fahrt auf dem Rücken fixiert, wo sie nicht beim Treten und Lenken interferiert. Dieser zusätzliche Gurt muss, wenn man etwas aus der Tasche benötigen sollte, nur schnell mittels Steckschnalle gelöst werden und voilà – schon wird aus einer rucksackähnlichen Tasche wieder eine leicht zu öffnende und zu schließende Schultertasche.

 

Diese beiden Positionen: auf dem Rücken zum Transport, vor der Brust zum Bedienen, haben die Fahrradkuriertasche und der Sling-Bag gemeinsam. Trotzdem ist die Kuriertasche eben nur dies: Eine große Umhängetasche mit zusätzlichem Gurt. Ohne diesen Gurt wäre sie unspektakulär.

 

Ein Sling-Bag hingegen ist mehr. Er ist kein Notbehelf wie die Fahrradkuriertasche, sondern wurde originär für diese spezifische Aufgabe designt: nämlich ein Rucksack zu sein, den man zum Bedienen vor die Brust holen kann, ohne ihn abzunehmen. Sling-Bags sind nicht einfach Umhängetaschen, die man auf dem Rücken festmachen kann, sondern wurden für das Tragen am Rücken optimiert. Sie sind wie Rucksäcke gepolstert, schmiegen sich angenehm an und sind oft oben schmal und unten breit, um den Schwerpunkt möglichst tief zu halten (das ergibt eine Dreiecksform, daher „Triangel-Rucksack“). Durch Antirutschbeschichtungen, den tiefen Schwerpunkt und den asymmetrisch angebrachten Gurt (ein Ende des Gurtes ist oben angenäht, eines an der Seite), hält sich der Sling-Bag, anders als die Kuriertasche, von alleine auf dem Rücken. Also ohne diesen speziellen zusätzlichen Gurt.

 

Ich war schwer begeistert von dem Konzept des Sling-Bags. Sowas wollte ich haben. Also begutachtete ich erst mal sämtliche damals auf dem Markt befindlichen Modelle. Es gab teure aus dem militärischen Bereich, es gab billige zivile Modelle (kleine Nylonbeutel, die man manchmal bei Touristen sieht) und es gab hochwertige Taschen für Fotografen, mit Fächern für Kameras und Objektive. Mittlerweile gibt es die Sling-Bags in viel mehr Varianten als damals. Sogar solche aus Leder.

 

Ich fand natürlich die militärischen am besten, die es auch in nicht-militärischen Farben gab. Erst liebäugelte ich mit einem ultrarobusten „Gearslinger“ der Firma Maxpedition (lebenslange Garantie!), der mir dann aber doch etwas zu sehr nach Survival aussah – mit Wasserflaschenhaltern und Unmengen an Schnüren und anderem Gebaumel an der Außenseite. Ich wollte mit meinen Sling-Bag aber lediglich den städtischen Alltag überleben. Nicht die Zombie-Apokalypse.

 

Schließlich wurde ich mit dem „MOAB 10“ von dem US-Militärausstatter „5.11“ fündig. Ein relativ dezenter, in zivilen Farben erhältlicher Sling-Bag. Mit übersichtlichen innenliegenden Netztaschen und einer sogenannten „Concealed Carry“-Tasche (eigentlich für ne Knarre gedacht, nun aber geheimer Aufbewahrungsort für meine Geldbörse). Und … was soll ich sagen? Der MOAB 10 ist seitdem mein ständiger Begleiter und ich staune noch heute, wie unendlich praktisch das Ding ist und wie sehr es meine zuvor benutzten Rucksäcke, Beutel und Schultertaschen in den Schatten stellt! Ehrlich, das Geld für den MOAB waren die besten 100 Euro, die ich jemals investiert habe.

 

Mal ein Anwendungsbeispiel: Man geht in den Kiosk, kauft ein Sixpack Bier, zieht den Sling-Bag vom Rücken nach vorne, holt das Portemonnaie raus, bezahlt, packt Bier und Geld in die Tasche und zieht sie wieder auf den Rücken. Einen Rucksack hätte man erst mal abnehmen und auf den Boden stellen müssen, bevor man ihn hätte beladen können. Dann steigt man aufs Rad und der Sling-Bag bleibt schön auf dem Rücken, wo er nicht stört. Später in der U-Bahn kann man ihn dann wieder nach vorne ziehen, damit man ein Auge auf ihn haben und ihn vor Diebstahl schützen kann. Oder damit man sich hinsetzen kann, ohne ihn ablegen zu müssen.

 

Mein Sling-Bag nimmt aber nicht nur die Funktion eines kleinen Rucksacks für dieses und jenes ein, sondern auch die einer Damenhandtasche. Ähem, bzw. des männlichen Äquivalents zu einer Damenhandtasche. Also ein Behältnis, um diverse Gegenstände des täglichen Bedarfs ständig mit sich herumzuschleppen, auch genannt EDC (=everyday carry). Eine Handtasche für den Herren, mit der man aber nicht aussieht wie eine Dame oder wie ein Hipster, sondern vielmehr wie ein … abgebrühter Kommandosoldat! Jawohl. Wie Sam Fisher eben. Das bilde ich mir jedenfalls ein. Mein MOAB hat übrigens nur wenige außenliegende Taschen, dafür aber das sogenannte „MOLLE-System“ (MOLLE=Modular Lightweight Load-carrying Equipment). MOLLE bedeutet: Überall auf der Tasche sind Nylon-Gurte abgesteppt, an denen man noch alle möglichen Zusatztaschen befestigen kann. Ich habe mir z. B. nach dem Vorbild Sam Fishers ein MOLLE-Holster für mein Handy an den MOAB gebastelt. Tolle Erfindung, dieses MOLLE. Ideales Männerspielzeug.

 

So, erst mal genug der Euphorie. Trotz seiner zahlreichen Vorzüge hat der Sling-Bag nämlich auch Nachteile. Hohe Gewichte sollte man mit ihm besser nicht transportieren. Alles unter 5 Kilo ist in Ordnung. Ab 5 Kilo ist es schon recht deutlich spürbar, dass sein ganzes Gewicht nur an einer Schulter hängt. Diese asymmetrische Belastung des Rückens ist nicht gerade das Angenehmste. Einen großen Rucksack ersetzt der Sling Bag also nicht – obwohl es durchaus Sling Bags im Treckingrucksackformat gibt (z. B. den „Gearslinger Pecos“). Ich empfehle also nur die kleinen bis mittleren Sling-Bags für den kleinen Alltagsgebrauch. Für schwere Lasten ist ein normaler Rucksack nach wie vor die bessere Wahl.

 

Beim Kauf sollte man darauf achten, dass man nicht als Rechtshänder eine Version für Linkshänder erwischt oder andersherum. Tatsächlich unterscheiden sich Sling-Bags, je nachdem, ob sie für Links- oder für Rechtshänder sind. Das ist auch logisch, denn Rechtshänder tragen den Sling-Bag über der linken Schulter, Linkshänder über der rechten. Auch sitzt der Sling-Bag nicht so festgetackert am Körper, wie es bei Sam Fisher scheinbar der Fall ist. Sitzt man beim Fahrradfahren stark vornübergebeugt im Sattel, kann es durchaus passieren, dass einem der Beutel plötzlich unter den Bauch rutscht. Für solche Situationen haben viele Sling-Bags dann doch einen ähnlichen Sicherungsriemen wie die oben erwähnten Fahrradkuriertaschen.

 

Für mich bleibt abschließend nur die Frage, warum der Sling-Bag so wenig verbreitet ist, obwohl er doch so enorm praktisch ist. Liegt es daran, dass er nur von wenig bekannten Marken wie „5.11“ vertrieben wird, und nicht von hippen Modemarken wie der vergleichsweise unpraktische und altmodische Fjällräven Kånken? Oder ist er einfach zu unbekannt? Wenn ja, dann leistet dieser Artikel vielleicht ein kleines bisschen Abhilfe. Ich glaube jedenfalls: dem Sling-Bag gehört die Zukunft. Sam Fisher kann sich eigentlich nicht irren.

 

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