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Rezension: Heilige des Alltags – Putins Beichtvater packt aus

Wir haben das Buch von Putins Beichtvater gelesen.

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In seinem autobiografisch gefärbten Buch erzählt der russisch-orthodoxe Bischof Tichon Schewkunow (bürgerlich: Georgij Alexandrowitsch Schewkunow) wie er vom Student der staatlichen Filmhochschule zum Mönch und Bischof der russisch-orthodoxen Kirche wurde und heute als Beichtvater von Wladimir Putin gilt.

Das Buch ist gespickt mit Anekdoten aus dem Leben verschiedener Mönche des Höhlenklosters von Petschory an der russisch-estnischen Grenze, in die Tichon als junger Mann, der in der ausgehenden Sowjetzeit auf diffuse Weise zum Glauben gefunden hatte, eingetreten war.

In kurzweiligen Kapiteln schildert Tichon kleine Wunder durch die sich Gott offenbart.

Meist spirituell sehr erbaulich, aber häufig auch lustig nimmt Bischof Tichon den Leser auf eine kurze Reise durch die Geschichte der orthodoxen Kirche im sowjetischen Russland mit. Dabei wird kein Zahlen- oder Faktenwissen vermittelt, sondern anhand von Menschen, häufig später wichtige Personen der Zeitgeschichte, aber auch einfache Gläubige, erzählt, wie der Glaube auch in der kirchenfeindlichen Sowjetunion überleben konnte.

Besonders amüsant sind dabei diverse Geschichten darüber, wie die Kirchenvertreter den Sowjet-Bürokraten mit List und Dreistigkeit immer wieder ein Schnippchen schlagen. Beispielhaft sei hier die Geschichte erzählt, wie die Sowjetbehörden wieder einmal versuchten das Höhlenkloster von Petschory zu schließen, das übrigens dank des Einsatzes der Mönche das einzige, während der Sowjetzeit nicht geschlossene Kloster war:

Zur damaligen Zeit waren logischerweise viele der Mönche Kriegsveteranen, die häufig ihre Auszeichnungen aus dem Zweiten Weltkrieg an der Mönchskutte trugen. Auch der damalige Klostervorsteher Archimandrit Alipij (bürgerlich: Iwan Woronow) hatte sich von Moskau bis Berlin durchgekämpft und war nach dem Krieg ins Kloster eingetreten. Er hatte Wert darauf gelegt das Kloster zu renovieren und auch die mittelalterlichen Klostermauern wieder aufzubauen.

Als dann die sowjetischen Beamten kamen verkündete er ihnen offen und direkt:

„Die Hälfte meiner Bruderschaft hat an der Front gekämpft. Wir sind bewaffnet und werden bis zur letzten Patrone kämpfen. Sehen Sie sich die Lage des Klosters an: Panzer kommen da nicht durch. Sie können und von oben einnehmen, per Flugzeug. Doch sobald das erste Flugzeug über dem Kloster auftaucht wird die ganze Welt über die ,Stimme Amerikas´ darüber informiert.“

Daraufhin zogen die Beamten ab und das Kloster blieb geöffnet.

Die Heiligen des Alltags sind also ein sehr kurzweiliges Buch, das jeder lesen kann, der sich dafür interessiert, wie der Glaube in unserem atheistischen Jahrhundert überlebte und in welcher Form er heute lebt. Das Buch bietet rührende Einblicke in die oft gerühmte russische Volksfrömmigkeit und das Geistesleben der russisch-orthodoxen Kirche. An vielen Stellen wird die Liturigie bzw. der Katechismus der orthodoxen Kirche erläutert, aber es werden keine langwierigen theologischen Erklärungen ausgeführt, sodass auch ein deutscher Katholik sich gut zurecht findet, ohne sich vorher intensiv mit den Grundsätzen der orthodoxen Kirche auseinander gesetzt zu haben.

Besonders für zeitgeschichtlich interessierte Leser sind die Anekdoten über berühmte Persönlichkeiten ein Genuss. Manche der Kapitel tragen Elemente eines Krimis, andere die eines Abenteuerromans, andere spielen im Tschetschenienkrieg, doch am Ende wendet sich mit Gottes Hilfe alles zum Guten. Es ist also für jeden Lesergeschmack etwas dabei.

Kurzum: Das Buch „Heilige des Alltags“ ist ein sehr lesenswertes, sympathisch geschriebenes Buch für jeden Menschen, der heutzutage noch nicht ganz den Glauben an Gott verloren hat.

Dir gefällt unsere Arbeit? Dann kaufe das Buch unter diesem Link:

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„Schwarze Wut“ – Spannend oder doch langweilig?

Wir haben „Schwarze Wut“ von Karin Slaughter gelesen.

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Der Thriller „Schwarze Wut“ von Karin Slaughter handelt von einem Drogenkonflikt im Bundesstaat Georgia. Die Autorin schickt den als Kriminellen getarnten Will Trent nach Macon, um das Polizeiteam von Lena Adams undercover zu unterstützen. Das Polizistenpärchen Jared und Lena Adams werden zu Beginn des Buches von Drogenbossen überfallen und Jared schwer verletzt. Seine Stiefmutter, Sara Linton, fährt direkt nach Macon. Neben der Sache, dass sie Lena zur Rede stellen will, kommt die Gefahr hinzu, dass Wills Tarnung dadurch aufliegen könnte. Er muss alles daran setzen, dass sie keine Gefahr für die Mission darstellt. Es könnte passieren, dass Sara und Will dieses Mal auf gegnerischen Seiten stehen…

Wer steht wo?

Welche Rolle spielt die Polizei dabei? Schnell wird klar, dass nicht alle Polizisten aufrecht unterwegs sind. Die Drogenbosse bekommen anscheinend ausreichend Hilfe von hoher Stelle. Diese Fragen begleiten den Leser durch das Buch. Hinter jeder Ecke, hinter jeder Person könnte eine falsche Fassade stecken. Soweit so spannend, könnte man meinen: Die immer wieder aufkeimenden zeitlichen Sprünge in den Kapiteln verwirren etwas. Die Kapitel sind sehr ausführlich und lang. Wer hier keinen langen Atem beweist, wird wenig Freude am Werk von Karin Slaughter haben. In meinen Augen verliert sich Karin Slaughter in „Schwarze Wut“ an einigen Stellen im Detail. Das schadet dem Lesespaß, bzw. der Spannung. Die Charaktere sind zwar dadurch ausführlich beschrieben und ausreichend dargestellt, aber das kann schon auf den ersten 150 Seiten nerven. Öfters hat man das Gefühl, dass hier kein Krimi, sondern eher ein Beziehungsroman zwischen Will und Sara sowie Jared und Lena aufgebaut werden soll. Das muss man erstmal mögen.

Fazit

Für wen ist das Buch denn dann eigentlich geeignet? Wer sollte es kaufen? In erster Linie dürfte das Buch für Fans von Karin Slaughter interessant sein. Natürlich werden auch eingefleischte Krimifans einen Blick darauf werfen. Immerhin ist Karin Slaughter im Genre keine Unbekannte, sondern innig geliebte Autorin. Für mich stellt das Buch allerdings keine Überraschung dar und war sogar stellenweise durch nicht vorhandene Chronologie verwirrend.

Hier könnt ihr das Buch erwerben und Arcadi unterstützen:

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Können Magie und Medizin heilen? Hirschhausen klärt auf!

Wir haben sein Buch „Wunder wirken Wunder. Wie Medizin und Magie uns heilen.“ gelesen.

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Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Eckart_von_Hirschhausen_at_214._Wetten,_dass.._show_in_Graz,_8._Nov._2014.jpg CC BY-SA 3.0

Dreimal täglich…

 

…oder doch besser 5 Tage hintereinander jeweils 15 Minuten lang die Anweisungen durchführen? In seinem im Rowohlt-Verlag bei Hamburg erschienen Buch „Wunder wirken Wunder“ (Wie Medizin und Magie uns heilen) ist Dr. med. Eckart von Hirschhausen auf sehr humorvolle und unspektakuläre Weise eine Reise durch die Welten der Schulmedizin und der alternativen Medizin angetreten und lässt den Leser sehr entspannt und immer mit einem zwinkernden Auge sein Reisebegleiter sein.

 

Auf den vor mir liegenden 496 Seiten deckt Dr. von Hirschhausen nicht nur unseriöse Angebote aus Spammails und Zeitungen auf (zum Beipiel addierte er alle Angebote eines einzigen Tages zur Penisvergrößerung und kam auf sehr unpraktische zwei Meter …), er behandelt auch sogenannte Frauenthemen.  Wollen Sie Ihr Gewicht annehmen oder doch lieber abnehmen?  Bei der Geburt wiegt jeder Mensch um die 3 Kilogramm, manche etwas mehr, andere weniger. Seither hat jeder Leser hier reichlich zugenommen und würde doch gern DIE eine Pille kaufen zum Abnehmen, wäre Frau oder Mann doch gern 10 Kilo oder mehr leichter. Doch wir Menschen sind total unterschiedlich, es gibt kein Idealgewicht, auch wenn der Kopf weiß, dass weniger Bauchumfang manchmal gut ist und die Kniegelenke sich auch darüber freuen würden. Eckart von Hirschhausens Placebo Light als stilvolle Anzeige eines neuen „Medikamentes“ ist täuschend echt den üblichen Werbeblöcken der Pharmaindustrie nachempfunden, enthält dafür aber sinnfreie Aussagen: „ Wer inhaltsleere, aber wie die „echten“ aussehende  Medikamente in den Verkehrt bringt, darf sich nicht wundern, wenn diese so gut wirken wie die echten.“ „Überzogene Tabletten zu überzogenen Preisen. Wirkstoff: Glaube, Liebe, Hoffnung. Nur mit viel Zuwendung und positiver Erwartung einnehmen“. „Einzunehmen mit 3 Litern Wasser anstelle der Mahlzeiten. Depottabletten für Bauch, Beine, Po. Hilft sicher beim Abnehmen.“ Und ein erschrockenes Gesicht eines potentiellen Patienten auf der „Anzeige“ tut ihr übriges. Weniger wiegen mit nichts. Die Pharmaindustrie auf die Schippe nehmen, Hirschhausen tut es hier humorvoll.

 

Kollege Hirschhausen nimmt mit viel Witz auch gängige, volkläufige Redensarten unter die Lupe, z.B. „Kann man sich zweimal halbtot lachen?“ Mit viel Feingefühl erzählt er von Patienten, die aufgrund ihres Glaubens starben. Ein  Herr glaubte an eine Krebsdiagnose und war am nächsten Tag tot. Die Diagnose stellte sich bei der Obduktion als falsch heraus. Ein depressiver Kollege wollte sich das Leben nehmen und schluckte alle seine Medikamente auf einmal, bereute und wählte schweißtreibend die Notrufnummer. Im Spital wurde er über seine Placebos aufgeklärt, und schlagartig ging es ihm viel besser.  Zwei Beispiele nur von den vielen, mit denen Hirschhausen zeigt, was der Glaube an eine Sache bewirken kann.

 

Hirschhausen entmündigt die Patienten, Entschuldigung: die Leser, nicht, sondern gibt jedem praktische und durchaus lesenswerte Tipps an die Hand, wie Frau bzw. Mann als Wissender oder gut Informierter in ein Arztgespräch einsteigen kann. Nachdenkenswerte Gedanken, die vor einer Behandlung oder Medikation mit dem medizinischen Personal zu klären sind, z. B. was passiert, wenn man einfach abwartet und gar nichts tut? Nicht immer ist eine teure Medizin notwendig. Sinnvoll ist sie meistens nur für den Kontostand des behandelnden Arztes.

 

Sehr zahlreiche und lustige Bildchen und Fotos sowie Bastelbögen durchstreifen das gesamte Buch Hirschhausens hier. Ein Beispiel: Im Stil der Paperdolls bzw. Ankleidepuppen aus Papier, welche die Generation 50+ noch aus ihrer Kindheit kennt, findet der Ratsuchende auf Seite 293 ein Heiler zum selber Basteln.  Natürlich trägt dieser Hirschhausens Gesichtszüge und enthält einen Weißkittel sowie im Stil asiatischer Kleidung einen Anzug eines dortigen chinesischen Wunderheilers sowie notwendige Arztutensilien, diverse Kettchen mit verschiedenen Symbolen. So ist es möglich, sich den Arzt oder Wunderheiler zusammenzustellen mit den Dingen, an die man selbst glaubt. Mit dem so eigenen Bild eines potentiellen Behandlers kann die Bastelratte sich hernach  einen Arzt oder Heiler suchen, der diesem selbst erstellten mit Erfolg entspricht.  Viel Glück. Einen positiven Effekt hat das Ganze: Man macht sich mehr oder weniger spielerisch Gedanken, was einem wichtig ist und geht nicht unvorbereitet in die nächste Arztpraxis.

 

Wenn Du bis jetzt noch nicht geheilt bist, dann nimm doch dieses Buch in die Hand und bereite Dir ein paar vergnügliche Stunden. Es wirkt.

 

 

 

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Unsere Gelesen-Reihe bei YouTube – Hauptmann Pax

Nur bei uns.

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Hier das erste Video. Die restlichen Videos findet ihr in der Playlist.

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