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Gott & die Welt

Rezension: Hier stehe ich, es war ganz anders – Irrtümer über Luther

Vieles wissen wir über Luther, vieles wissen wir nicht. Das Buch räumt mit unserem Halbwissen über Luther auf.

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Autor Andreas Malessa hat mit seinem Buchtitel bei mir die Neugier geweckt, mich mit den bekanntesten Aussprüchen des großen Reformators Dr. Martin Luther (1483 – 1546) zu befassen sowie mit den weit verbreiteten Ansichten über ihn. Der Autor und Theologe Malessa nimmt in seinem Buch die bekanntesten Zitate der zentralen Persönlichkeit der Reformation genau unter die Lupe, sauber recherchiert und unterhaltsam dargebracht. Wer einen theologischen Hintergrund hat und ein Fachbuch erwartet, der wird hier allerdings enttäuscht.

Martin Luther, der nicht nur eine neue Congregation im engeren Sinn, sondern eine komplett neue Kirche gründete, wird den Lesern von seiner menschlichen Seite nahe gebracht, als Mann, als Ehepartner, als Bibelübersetzer, der Ablässe definitiv aussprach, nur aber den florierenden Handel damit – um den Bau des Petersdomes in Rom zu finanzieren – nicht gutheißen konnte.

Das Büchlein enthält nicht nur eine kurze Bibliographie im Anhang, den Hauptteil bilden die 24 Kapitel, wovon jedes unter einem separaten Thema steht und mit jeweils einem Irrtum bzw. Ausspruch von dem Theologieprofessor gründlich aufräumt.

Pflanzte Luther ein Apfelbäumchen…

…wenn morgen die Welt unterginge? Mitnichten. Wie der Autor anmerkte, kann nicht ausgeschlossen werden, ob Luther jemals im Garten beim Pflanzen von Obstbäumen seiner Ehefrau Katharina geholfen hat. Jedoch ist weder in der Ansammlung von Marthin Luthers 7000 Tischreden noch in der „Weimarer Gesamtausgabe“ aller Schriften von Martin Luthers dieser Ausspruch zu finden.

War Luther abergläubisch?

Der im 19. Jahrhundert lebende deutsche Schriftsteller Emanuel Geibel äußerte seinerzeit folgenden Ausspruch: „Glaube, dem die Tür versagt, steigt als Aberglaub‘ ins Fenster.“ Davon war Martin Luther weit entfernt. Jedoch war das Weltbild des Menschen im Mittelalter voller Magie und mystischer Bedrohungen. Luther war mit schlechtem Gewissen abergläubisch, im Alter bekam er jedoch einen kritischen Abstand zum Aberglauben, welcher Gott ein Gräuel ist. Während seines Aufenthaltes von 8 Monaten auf der Wartburg bei Eisenach wohnte der doch recht einsame „Junker Jörg“ in einem weitläufigen Teil des Gebäudes, welchen er nur über eine Zug- bzw. Bodentreppe erreichen konnte und wo er sich in Gesellschaft eines Poltergeistes wähnte. Luther befahl sich desnachts zwar des Schutzes durch unseren Herrn Jesus Christus an, nahm sich aber als Kronzeugin für den Poltergeist die Frau des Schlosshauptmannes der Wartburg auf sein Zimmer. Unwahrscheinlich, dass man hohen Besuch, noch dazu den einer Dame, in einem weit entfernten Zimmer mit Poltergeistern wohnen lässt, vor allem, wenn die Gemächer ihres – zeitweilig getrennt lebenden – Ehemannes im Vergleich dazu luxuriös sind. Wie er selbst zitierte, wollte Luther nicht nur brünstig im Geist sein, sondern war es auch im Fleisch. So hatte das Gepolter des nachts in seiner Kammer keine mystische, dafür wohl einen rein menschlichen Hintergrund?

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Gab Luther seinen Anhängern den Namen Protestanten?

Niemals. Die Fürsten und Städte, welche im März 1529 dagegen protestierten, dass über ihren Glauben abgestimmt werde, die, und auch nur diese, nannte man Protestanten. Und warum wehrten sich die Fürsten? Weil Kaiser Karl V. nach dem Reichstag von Worms 1521 dem Bannfluch über Luther so rückdatierte, als sei dies ein Beschluss aller Wormser Reichtagsteilnehmer gewesen. Die Fürsten interessierten sich daher nicht für das Lutherverbot. Nein, nicht von Luther selbst stammt das Wort Protestanten, sondern es ergab sich letztendlich aus der Protestschrift der inzwischen evangelischen Städte und Fürsten an den Kaiservertreter Ferdinand.

Hatten Luther und seine Ehefrau Zuschauer im Schlafzimmer?

Nein, es waren keine Voyeure im Schlafzimmer der Luthers. Doch ein einziges Mal gab es Trauzeugen im eigentlichen Sinne, nämlich in der Hochzeitsnacht. Nach den Gesetzen des Mittelalters ging die Vorwundschaft des Vaters über seine Tochter erst dann an den Herrn Schwiegersohn über, wenn sie in dessen Bett liegt und mit ihm den Geschlechtsakt vollzieht. Und dieser musste notariell beurkundet werden. Dafür waren Zeugen notwendig. Ob Ehemann und nun Ehefrau sich wirklich ver-trauen, dies bewies sich in damaligen Vorstellungen nicht in der Kirche, sondern im Ehebett. Das Paar wurde nach einer Ansprache entkleidet und „unter ihre erste gemeinsame Decke gesteckt“. Dieser Sitte verdanken wir die heute übliche Redewendung „unter einer Decke stecken“.

Dieser Überblick über zwei der vierundzwanzig Kapitel zeigt dem Leser, wie leicht und kurzweilig das Büchlein zu lesen ist. Es ist kein theologisches Fachbuch, keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern es ist ein Buch für die an Luther interessierte Bevölkerung.

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Gott & die Welt

Rezension: Mein Gott, Kirche!

Warum das Buch durchaus schwere Kost ist, erfahrt ihr hier:

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Leere Kirchen…

 

…nicht nur am Sonntag; Kirchenbänke, die verwaist sind; immer mehr Kirchenaustritte in den beiden großen Amtskirchen; nicht nur in der römisch-katholischen Kirche. Nein, und gerade auch in den evangelischen bzw. lutherischen Landeskirchen. Was sind die Gründe, warum kehren so viele Menschen den Gotteshäusern die Rücken zu? Wo liegen die Ursachen, was bewegt Christen dazu, ihre Plätze im Haus des Herrn zu verlassen?

Ute Pfeiffer hat in ihrem im Ullstein-Verlag 2017 herausgegebenen Buch „Mein Gott, Kirche!“ versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden. Sie ist Pastorin bzw. Pfarrerin in der Berlin-Brandenburgischen Landeskirche, zuvor war sie in gleicher Funktion in einer evangelischen Freikirche ausgebildet und auch tätig. Frau Pfeiffer plädiert dafür, dass die Kirche wieder für „uns“ da sein muss. Sie fragt sich, ob die Leute nicht mehr an Gott interesiert sind. Durch, für sie unzählige Begegnungen mit Menschen innerhalb und vor allem außerhalb der Kirche kommt sie zu der Einsicht, dass die Menschen die Kirche als lebensfern empfinden, weit weg von den Lebenswirklichkeiten der gefragten Personen. Da die Bewohner ihres „Kiezes“ nicht in die Kirche kommen, geht Frau Pfeiffer hinaus in die Welt, verlässt das Gotteshaus, sucht die Frauen und Männer und die „Pänz“ an den unterschiedlichsten Örtlichkeiten auf. Sehr anschaulich berichtet sie von den Geschehnissen mit diesen Leuten, deren jeweiligen Lebensumständen und Wirklichkeiten. Dabei stellt sich mir die Frage, was ist wirklich, was ist Wahrheit? Nehmen wir nicht alles durch verschiedene Filter wahr? Wir betrachten nicht neutral, wir bringen uns selbst mit hinein.

Dieses Buch erinnert mich an die Berichte verschiedenster linker Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und ähnlicher Berufsgruppen, NICHT aber an Erzählungen eines Hirten, also die einzig wirkliche Aufgabe eines Pfarrers. Dieses Werk hier lässt so sehr den eigentlichen Auftrag der Kirchen vermissen. In Gotteshäusern soll das Evangelium (Altgriechisch: euangelion = die frohe Botschaft) verkündigt werden. Pastoren fast aller Kirchen werden auf verschiedene Bekenntnisse und doch stets im Kern ähnliche hin vereidigt. Davon ist in diesem Buch nichts zu spüren.

Eher wird der geneigte Leser (Oder wird das Buch eher Leserinnen haben?) zwangsweise den Eindruck gewinnen, dass eine ganz weltoffene, politisch links außen denkende Person ihre Ergüsse unter das deutsche Volk bringen möchte. Nicht nur die Sprache, die umgangssprachlichen bis zum Teil vulgären Ausdrücke, in ihren Äußerungen hat das Lesen des Bandes zu einer Qual werden lassen. Wer politische Statements hören oder lesen möchte, die ganz weit nach links gerückt sind, für den stehen entspreche Blätter im Zeitungsdschungel zur Verfügung, wenn man denn sein Geld dafür ausgeben mag.

Einer Pastorin -dieses Wort kommt mir nur zu schwer über die Lippen-, da es absolut unbiblisch ist, die ein Buch über ihre Arbeit schreibt und sich in diesem abfällig über die zu Recht erstarkende AfD äußert, kann kaum noch ernst genommen werden. Von einem Amtsträger einer Kirche, egal welcher, kann und darf, ja sogar muss jeder Christ die Verkündigung biblischer Worte erwarten, doch keinesfalls eine Einmischung in die Politik. Von der Kanzel herab -und nichts anderes ist dieser Band- haben politische Meinungsergüsse nichts zu suchen. Das ist nicht die Aufgabe eines Hirten.

Da wundert es nicht, dass die Kirchen leer bleiben. Wer von seinem Auftrag ganz und gar abweicht, sich der Welt anbiedert, sie sich zu eigen macht, in scheinbar völlige Beliebigkeit anstatt klarer Verkündigung vefällt, der (oder die …) wird weiterhin immer mehr leere Kirchen oder schrumpfende Gemeinden erleben, bis die Kirchen ganz geschlossen werden. Die Leute verlassen die Kirchen, wenn man sie politisch beeinflussen will, aber nicht mehr über’s Evangelium predigt.

Karl Barth tätigte einmal folgenden Ausspruch: „Die Leere in der Kirche kommt von der herrschenden Lehre!“ Möchte die Kirche eine echte Chance haben, dann muss sie zu ihrem eigentlichen Auftrag, also zu den Ursprüngen zurückkehren, eine völlige Kehrtwende vollziehen. Nicht die ordinierten Amtsträger müssen in die Welt hinaus wie Frau Pfeiffer, sondern nur eine klare Verkündigung bringt die Menschen zurück in die Gotteshäuser  -die keine Parteizentralen sind-.

Was macht man nach dem Lesen mit diesen 203 Seiten? Ein Verschenken ist mir nicht möglich, die Empfänger könnten sonst leicht die Freundschaft kündigen, entweder weil sie als ernsthafte Christen nur enttäuscht von den Ergüssen sind oder an dem Schenker zweifeln bzw. weil sie vom Mainstream schon im GEZ-Funk reichlich eingenebelt werden. Eher stellt sich die Frage, ob es einen Friedhof fürAfD-feindliche Bücher gibt. Es gilt: Das Evangelium war noch nie politisch korrekt! Dieses Buch ist keinesfalls seine 18 Euro wert. Wie sagte es Jesus selbst: Hinweg mit dir! Und ich ergänze, ich halte das Buch für grottenschlecht.

 

Wer das Buch selbst austesten mag, kann diesen Link hier nutzen und damit Arcadi unterstützen:

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Gott & die Welt

Die Religion des Christen

Wer hat mehr Chancen auf ein gelungenes Leben? Christ oder Atheist?

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art-1703880_1920Im ersten Teil hatten wir die Religion Ottos, des Durchschnittsdeutschen unter die Lupe genommen. Einige Dinge sind jedem auf den ersten Blick klar: Der Christ hat ein Verhältnis zu seiner heiligen Schrift, der Bibel. Er pflegt es, an Sonntagen die heilige Messe zu besuchen. Der Christ betet. Er hält sich außerdem an die Vorschriften, die ihm seine Kirche vorgibt. Damit verzichtet er auf gewisse Annehmlichkeiten, die ihm die Welt bietet; so investiert der Christ möglicherweise mehr Geld in seine im Durchschnitt zahlreicheren Kinder als in die Vergnügungen und Zerstreuungen, die sich der Durchschnittsdeutsche hin und wieder leistet.

Hat der Christ den Weitblick?

Der Christ denkt in Generationen, während Otto überwiegend im Jetzt verhaftet ist,  er erkennt, dass sein Handeln auch Auswirkungen auf sein ewiges Leben besitzt. Der Christ ist folglich von einem jenseitigen Denken her bestimmt, während Otto ein diesseitiges Denken bevorzugt. Weil sich die Dinge, die im Jenseits stattfinden, nicht im eigentlichen Sinne beweisen lassen, spielt an dieser Stelle der „Glaube“ eine Rolle und der Christ glaubt an die Verheißung, die Christus selbst hinterlassen hat, dass es nämlich möglich sei, nach dem weltlichen Tode in ein ewiges Leben im Himmelreich oder in die Verdammnis einzutreten. Auch Otto hat in diesem Sinne einen „Glauben“. Er kann nämlich ebensowenig beweisen, dass nach dem Tode das große Nichts kommt und dass durch den Tod seine Seele quasi ausgelöscht wird.

Glauben und Vertrauen

Anstatt des Begriffes „Glauben“ kann auch das Wort „Vertrauen“ benutzt werden. Der Christ vertraut auf die Verheißungen des Jesus von Nazareth. Otto vertraut darauf, dass nach dem Tode nichts mehr ist. Die spannende Frage, welche der beiden Alternativen glaubwürdiger bzw. vertrauenswürdiger ist, muss jeder für sich entscheiden.

Was glaubt der Christ?

Der Christ hat Vertrauen in Gott und seine Gebote. Gott ist allmächtig und allwissend. Gott hat seine eine, heilige, apostolische und katholische Kirche gestiftet und ihr den heiligen Petrus als ersten Papst vorgesetzt. Die Kirche wacht über die Auslegung der heiligen Schrift und über die Bewahrung der Tradition. Der Christ, der an Gott glaubt, nimmt also die Aussagen der heiligen Schrift und des unfehlbaren Lehramtes der Kirche ernst; er kann gar nicht anders, denn es ist der wahre Gott, der die Gebote erlässt. Wenn der Christ anfängt, gewisse Gebote zu akzeptieren, während er andere Gebote für unnötig hält, macht er sich in diesem Augenblick selbst zu Gott, der bestimmt, was richtig und was falsch ist – daher ist die Demut des Christen gegenüber dem göttlichen Willen eine zentrale Tugend.

Das Kreuz steht im Vordergrund

Der Hochmut Adams gegenüber dem göttlichen Willen war der Grund des Sündenfalles des Menschengeschlechtes. Eine weitere zentrale Einstellung des Christen hängt mit dem Kreuzestod Christi zusammen: Christus ist für die vielen am Kreuz gestorben; er hat sich gleichsam als Opfer zur Sühne für die Sünden der Menschen dargebracht. Mit der Christusnachfolge geht daher einher, dass ein jeder sein Kreuz genauso wie Christus auf sich nehme und dem Herrn nachfolge. Das Leben des Christen ist ein Leben der Entbehrung, während das Leben Ottos ein Leben des Genusses ist. Die Entbehrung (bzw. dass jeder sein eigenes Kreuz trägt) zeigt sich im Leben des Christen an vielen Stellen. Der Christ betet zu seinem Herrn und kommuniziert dadurch mit dem Jenseits, während Otto dies für reine Zeitverschwendung hält. Der Christ gibt sein Hab und Gut für die Armen und Kranken hin, während Otto sein Geld lieber für sich behält, denn er lebt ja nur einmal und will dieses eine Leben genießen, wozu er das Geld braucht.

Es geht auch um Wertschätzung

Vielleicht gibt Otto, um sein Gewissen zu besänftigen, doch den einen oder anderen Euro einer Spendenorganisation. Außerdem zahlt Otto brav seine Steuern, und der Staat tut ja auch nur Gutes mit dem Geld. Der Christ, der Keuschheit für eine Tugend hält, erscheint einer Welt voller Ottos als „radikal“, während Otto gar nicht merkt, dass er sich in einem Sumpf von moralischer Dekadenz bewegt und daher ein völlig verzerrtes Bild von der Realität hat. Der Christ, der fastet, wird von Otto nur deshalb wertgeschätzt, weil er dadurch seiner Gesundheit etwas Gutes tut, womit er indirekt wieder dem Genussstreben dient. Wenn ein Kartäusermönch sein ganzes Leben lang fastet, dann kann Otto das ganz und gar nicht verstehen. Dass viele Christen ihr Leben für ihren Glauben hingegeben haben, ist für Otto der Gipfel der Dummheit, weil es doch in Ottos Augen genau dieses eine Leben ist, woran er sich klammert und welches er in vollen Zügen genießen möchte.

Vorbild Jesus

Der Vorteil des Christen ist, dass alle negativen Dinge, die er erlebt – bspw. Krankheit, Schicksalsschläge oder den bevorstehenden Tod – in etwas Positives umwandeln kann. Je mehr der Christ erleiden muss, desto ähnlicher wird er seinem Vorbild Jesus Christus, der maximal gelitten hat, und desto wahrscheinlicher ist es, dass er am Ende seines Lebens in den Himmel kommt oder die Zeit im Fegefeuer verkürzt. Dadurch, dass der Christ auf viele Annehmlichkeiten verzichtet, kann er ein entspanntes Leben führen, denn er muss nicht im Hamsterrad der Ottos mitlaufen, um Geld zu verdienen und allen gerade angesagten Genuss-Trends zu folgen. Außerdem kann es sich der Christ erlauben, sich eine eigene Meinung zu bilden und er folgt nicht blind der Massenmeinung.

Fazit

Das Risiko des Christen ist es, einer zweitausendjährigen Lüge aufgesessen zu sein und es verpasst zu haben, sein Leben zu genießen. Der Christ erkauft sich aber die Chance auf ein ewiges Leben . Sollte der Christ falsch liegen, und sollte die Seele tatsächlich sterben, ist es dann nicht egal, ob er sein Leben genossen hat oder nicht? Wenn die Seele sowieso stirbt, dann braucht sich der Christ auch nicht über die versäumten Möglichkeiten zu ärgern. Der Christ spekuliert auf ein ewiges Leben bei Gott und Otto spekuliert auf den Genuss im diesseitigen Leben. Otto kann zweimal daneben liegen: Einmal, wenn er im Diesseits Pech hat und ihm der Genuss verwehrt bleibt und das andere Mal, wenn er im ewigen Leben von Gott getrennt ist. Der Christ kann zwar daneben liegen, er stirbt mit Leib und Seele, aber wenn er die Tugend der Hoffnung hat, dann kümmert ihn das nicht. Es bleibt spannend, die Menschen zu beobachten und zu sehen, wie sich die Einzelnen zwischen den beiden Polen – dem Otto auf der einen und dem Christ auf der anderen Seite – entscheiden werden.

Foto: CC0

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Gott & die Welt

Die Religion des Durchschnittsdeutschen

Der Einstieg zum Thema: Glauben. Wieso?

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139838_original_R_by_Thomas Max Müller_pixelio.deWagen wir ein Gedankenexperiment! Jeder Mensch hat eine Religion. „Religio“ bedeutet im ursprünglichen Sinn unter anderem „Bindung an etwas; Befestigung“. Das Leben eines jeden Menschen ist an irgendetwas gebunden. Der Mensch richtet sein Handeln an irgendetwas aus – ob bewusst oder unbewusst. Manche Menschen richten ihr Leben nach einem Gott aus, während andere die Existenz eines Gottes leugnen oder ihn nicht für erkennbar halten. Bei den Gläubigen ist es klar, wonach sie ihr Leben ausrichten – es ist Gott, wie dieser Gott auch immer heißen mag. Wie sieht es mit den „Ungläubigen“ aus? Das soll uns im Weiteren am meisten interessieren. Wir stellen den Durchschnittsmenschen (der in der Regel mit Gott nicht allzu viel zu tun hat) in den Fokus und untersuchen, wie er sich verhält. Danach versuchen wir, auf Basis seines beobachteten Handelns seine „Religion“ zu rekonstruieren. Es sollen damit die Werte aufgedeckt werden, nach denen der Durchschnittsdeutsche letztlich strebt. Diese Werte sind dann der „Gott“ der Ungläubigen.

Das gemütliche Leben

Im Fokus steht Otto. Es gibt eine Sache, die ihn, aber auch viele andere Menschen auf der Erde, am stärksten antreibt. Es ist das liebe Geld. Wir sehen, wie sich der Otto bemüht, Geld zu verdienen. Er geht zur Schule, lernt einen Beruf und verbringt den Rest seines Lebens mit dieser Tätigkeit, die er erlernt hat. Er verdient ein durchschnittliches Gehalt, wobei er – und das gefällt ihm nicht so sehr – einen großen Teil seines Verdienstes über Steuern an den Staat abführen muss. Naja, es wäre zu anstrengend, sich mit dem Staat anzulegen, daher nimmt der Otto dieses Manko in Kauf. So wie er auch sonst viele andere Dinge in Kauf nimmt, mit denen er zwar nicht einverstanden ist, er aber seine Anstellung und sein Ansehen bei den anderen Leuten nicht riskieren möchte. Daher schweigt er im Zweifel lieber. Wir stellen fest: Otto verbringt einen großen Anteil seiner Lebenszeit damit, sein täglich Brot zu verdienen. Was tut Otto in seiner Freizeit? Er hat Hobbys, die er pflegt, zum Beispiel schaut er jeden Samstagabend die Sportschau und er interessiert sich auch sonst sehr für Fußball. Gerade dann, wenn die Nationalelf spielt, zieht er sich sein weißes Trikot über und er fährt auch gerne mal ins Stadion zu seiner Lieblingsmannschaft. Otto schaut prinzipiell viel Fernsehen, denn dabei kann er die Gedanken baumeln lassen und mal richtig entspannen. Ein kühles Bier genehmigt er sich dabei auch ganz gerne. Was sagt uns Ottos Verhalten, wenn wir dies in einem Allgemeinbegriff zusammenfassen wollen? Er nutzt sein verdientes Geld, um es für bestimmte Annehmlichkeiten des Lebens auszugeben. Geld ist also bei ihm nur Mittel zum Zweck, um seine Konsumwünsche zu erfüllen. Im Prinzip findet es Otto gut, wenn man Spaß im Leben hat, denn man lebt ja offensichtlich nur einmal und da sollte es man sich ja mal was gönnen – wofür arbeitet man?

Das Leben im Hier und Jetzt

Ein Leben nach dem Tod ist dem Otto völlig gleichgültig. Er lebt im Diesseits und er ist auf die Erlösung im Hier und Jetzt fixiert. Genau in diesem Hier und Jetzt befindet sich auch sein Gott. Otto erhofft sich ein möglichst schmerz- und anstrengungsfreies Leben, um seinem Lustempfinden nachgeben zu können. Warum andere Leute an Gott glauben, versteht Otto nicht – soll doch jeder nach seiner Façon glücklich werden. Otto ist zufrieden und mit sich im Reinen, solange alles planmäßig läuft. Otto hat aber ein Problem, wenn das nicht der Fall ist: Vielleicht gibt es auch bei Otto die sogenannten „Wechselfälle des Lebens“. Im Extremfall können diese seine ganze Existenz in Frage stellen. Was passiert, wenn Ottos Gesundheit schwächelt? Er ist dann auf Hilfe von anderen angewiesen. Hat er gesunde Beziehungen zu seinen Mitmenschen aufgebaut, sollte das kein Problem sein. Wenn er aber den anderen – die genauso denken wie er – eine Last ist, dann kann sowohl er nicht das Leben führen, was er eigentlich führen möchte. Und auch diejenigen, die bereit sind, ihn zu unterstützen, müssen sich einschränken. Sind sie dazu bereit? Was macht Otto überhaupt im Alter? Wenn ihm alles schwerer fällt als sonst in der Jugend, dann wird das Leben gar nicht mehr so angenehm sein. Ist er zum Altern bereit, oder spielt er mit dem Gedanken eines sozialverträglichen Ablebens, indem er sich „erlösen“ lässt, wenn er keine Aussicht mehr auf Besserung seiner Lebensumstände hat? Ansonsten müsste er ja bis zum natürlichen Tod hin ein unerträgliches Leiden aushalten. Ist es ihm klar, auf welches Risiko er sich mit diesem Lebensstil einlässt? Über die Risiken des Glaubens schreibe ich im nächsten Artikel.

 

Bild: Thomas Max Müller / pixelio

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