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Kunst

Rezension: Arno Breker in Paris 1942

Auch Heute beschäftigt uns die Frage, ob man mittlerweile ohne Vorbehalte über Brekers Kunst reden kann

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Arno Breker gilt heute vielen als der NS-Bildhauer schlechthin. Doch wer sich ernsthaft mit der Schaffensgeschichte Brekers auseinandersetzt, kommt um die Breker-Ausstellung in der Pariser Orangerie im Jahr 1942 nicht herum. Mit dieser Ausstellung mitten im Krieg beschäftigt sich nun erstmals der Berliner Historiker Patrick Neuhaus in einer Monographie.

Breker in der Orangerie

Das Buch ordnet die Ausstellung im besetzten Frankreich zunächst in die Werkgeschichte Brekers und dann in den kulturellen und politischen Kontext Anfang der 1940er Jahre ein. Detailliert werden Schriftwechsel der beteiligten Personen und organisatorische Abläufe bis hin zu Eintrittskarten und Werbeplakaten dargestellt. Dem schließt sich eine Auswertung der zeitgenössischen Rezeption an. Viele französische Quellen sind im Original abgedruckt, sodass auch jene auf ihre Kosten kommen, die vielleicht ihr Schulfranzösisch einmal wieder anwenden wollen.

Kulturpolitik und Kollaboration

Immer wieder wird anhand der dargestellten Quellen deutlich, wie wichtig es der deutschen Führung war, die Ausstellung nicht als Teil des Besatzungsregimes, sondern als Ergebnis des Engagements deutsch-freundlicher französischer Künstlerkreise und der Vichy-Regierung zu proklamieren. Das dies nicht nur Propaganda ist, zeigt besonders Brekers tiefe Verbundenheit zu Frankreich. Breker lebte von 1927-34 in Frankreich und knüpfte dort vielen Freundschaften zu Französischen Künstlern, Beziehungen, die sich im Rahmen der Orangerie-Ausstellung als nützlich erwiesen.

Kunst -Identität – Europa

Die Orangerie-Ausstellung ist exemplarisch für die auswärtige Kulturpolitik des deutschen Reiches. Insbesondere das Tauziehen zwischen deutschen politischen und militärischen Stellen im besetzen Frankreich wird ausführlich und aufschlussreich dargestellt. Auch wenn es sich um ein Nischenthema handelt: Das Buch liest sich nicht nur aus kunsthistorischer Sicht gut und offenbart viel Interessantes über das kulturelle Selbstverständnis der französischen Kollaboration. Angesichts der Konjunktur einer „Europaidee von rechts“ lohnt es sich, einen Blick in diese Darstellung deutsch-französischer Identitätspolitik zu werfen.

Das Buch kann direkt beim Verlag bestellt oder bei Amazon erworben werden.

 

Neuhaus, Patrick: Die Arno Breker-Ausstellung in der Orangerie Paris 1942 – Auswärtige Kulturpolitik, Kunst und Kollaboration im besetzten Frankreich; Neuhaus Verlag 2018, Taschenbuch, 150 Seiten, 28 €.

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