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Quo vadis, Bundeswehr? – DMZ-Sonderheft „Bundeswehr und Wehrmacht“

Quelle: Bundeswehr/Jana Neumann, Bundeswehr/Sebastian Wilke, Verlag

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Schlagzeilen hat die Bundeswehr zuletzt ja genug produziert: Nach dem Skandal um Franco A., einen vermeintlich rechtsextremen Bundeswehr-Offizier, der angeblich mit Anschlagsplänen hantierte, hat die Bundeswehr den Fall zum Anlaß genommen, ihr Traditionsverständnis ein weiteres Mal gründlich zu überholen. Endgültig sollte mit unterstellten rechten Tendenzen in den deutschen Streitkräften aufgeräumt werden. Kürzlich wurde deswegen ein Entwurf des neues Traditionserlaß’ vorgestellt, der Klarheit bringen soll: Dort steht, was jeder, der die Bundeswehr in den letzten zehn Jahren von innen kennengelernt hat, schon wußte: Das Verteidigungsministerium möchte sich in keiner Traditionslinie mit den deutschen Vorgängerarmeen, am wenigsten mit der Wehrmacht, wissen. Diese Entwicklung hat die „Deutsche Militärzeitschrift“ (DMZ) aufgegriffen und in einem Sonderheft verpackt, das der Bundeswehr, ihren Traditionslinien und der Wehrmacht auf den Zahn fühlt.

Auch wenn es Ursula von der Leyen wohl nicht paßt, ist es dennoch unbestritten, daß die Bundeswehr hauptsächlich von ehemaligen Wehrmachtsoldaten aufgebaut wurde, die wiederrum ihre Erfahrungen in die neue Armee einfließen ließen. Einen entsprechend großen Themenblock widmet die Redaktion deshalb den Gründungsvätern der Bundeswehr. Vor dem Hintergrund einer drohenden Eskalation des Kalten Krieges hatten die Initiatoren der Wiederbewaffnung 1955 gar keine andere Wahl, als auf ehemalige Wehrmachtsoldaten zurückzugreifen. Schließlich ging der Dienst an der Waffe im Zweiten Weltkrieg auch nicht zwangsläufig mit einer nationalsozialistischen Gesinnung einher. Diesen Umstand führt Generalmajor a.D. Hanno Graf von Kielmansegg im Gespräch mit der Zeitschrift aus. Kielmansegg war selbst quasi von der ersten Stunde an bei der Bundeswehr dabei, sein Vater – Frontoffizier und später Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus – kann guten Gewissens als eine der prägendsten Personen für die junge Bundeswehr bezeichnet werden. Im Interview erklärt der Adelige, welches Selbstverständnis die Soldaten „mit Berufserfahrung“ vertraten und was die Motivation seines Vaters war, nach der desaströsen Kriegserfahrung erneut eine Uniform anzuziehen.

Ein Blick in die Medienlandschaft zum Thema Bundeswehr zeigt: Rummeckern kann man natürlich immer viel, ein konstruktiver Ansatz sollte jedoch nicht zu kurz kommen. An diese Aufgabe wagen sich im Heft drei junge Offiziere der gegenwärtigen Soldatengeneration heran und versuchen unter dem treffenden Titel „Eine Korrektur zurück!“ die Bedingungen für eine wirkliche Neuausrichtung der deutschen Streitkräfte auszuloten. Bei dem Gespräch mit Martin Böcker, Felix Springer und Larsen Kempf handelt es sich tatsächlich um einen der wenigen Beiträge in der Presselandschaft, der sich um einen Blick über den Tellerrand bemüht und nicht nur bloßes „Uschi-Bashing“ betreibt.

Auf den 114 Seiten ist genügend Platz für eine breitgefächerte Themenauswahl, womit für Abwechslung gesorgt ist und auch Randnotizen gewürdigt werden. Beispiel für letzteres ist etwa ein Artikel über die „Preußen Südamerikas“. Denn, was wenig bekannt ist: Die Streitkräfte Chiles wurden von deutschen Militärgesandten aufgebaut, deren Werk bis heute sichtbar bleibt. Die preußisch-deutsche Traditionslinie ist nämlich wesentlich ehrlicher konserviert worden als im Herkunftsland.

Ein anderer Beitrag hat in Form eines Interviews mit dem israelischen Militärhistoriker Prof. Dr. Martin van Crefeld (siehe arcadi Nr. 1) seinen Weg ins Heft gefunden. Der durch sein Buch „Kampfkraft“ bekanntgewordene Schriftsteller erklärt hier, warum Traditionen so wichtig für die Schlagkraft einer Armee sind und zieht Vergleiche zwischen den Erfolgen der deutschen Wehrmacht und den israelischen Streitkräften in den Konflikten der 60er und 70er Jahre.

Mit unkonventionellem Stoff beschäftigt sich Martin Lichtmesz: Er schreibt über die Darstellung der deutschen Soldaten in der Filmwelt und begründet nochmal genau, warum „Inglorious Basterds“ kein per se deutschenfeindlicher Film ist.

Damit soll nur angedeutet werden, wie umfangreich die Themenspanne ist. Über die Bundeswehr wird derzeit viel geredet, aber wenig Handfestes und Fundiertes präsentiert. Das DMZ-Sonderheft „Bundeswehr und Wehrmacht“ schafft Abhilfe und faßt die aktuelle Diskussion um die Traditionspflege der Bundeswehr zusammen und bietet dabei auch konstruktive Ansätze, die man sonst vergebens sucht. Militärhistorisch Interessierte sollten ohnehin zugreifen, ein Kauf lohnt sich hier aber auch – oder gerade – für Leute, die bisher gar keinen Überblick über den Mikrokosmos Bundeswehr hatten, und das nun beheben wollen.

Das Sonderheft könnt ihr hier direkt bei den Kollegen erwerben.

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