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Kunst

Paula Modersohn-Becker Ausstellung in Wuppertal

Nach Jankel Adler nun Modersohn-Becker. Lohnt sich das?

Hans am Ende, Das Kornfeld im Hochsommer mit Worpsweder Zionskirche am Horizont 1897 Öl auf Leinwand 150 x 145 x 13 cm Privatsammlung via Kulturstiftung Landkreis Osterholz

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Seit dem 09.09.2018 findet im Von der Heydt-Museum in Wuppertal eine viermonatige Ausstellung „Paula Modersohn-Becker – Zwischen Worpswede und Paris“ über das Schaffen der Künstlerin Paula Modersohn-Becker statt.

Geboren wurde Modersohn-Becker am 08.02.1876 in Dresden als drittes von sieben Kindern, als Tochter eines Bahn-Betriebsinspektoren und einer der thüringischen Adelsfamilie Bültzingslöwen entstammenden Mutter. Dabei besuchte sie ab 1888 in Bremen nach einem Umzug die Höhere Tächter-Bürgerschule, wo sie auch Französisch lernte. Sie nahm an diversen Zeichenkursen teil, unter anderem führte sie dies auch an die Londoner St. John’s Wood Art School. Nach einem zweijährigen Zeichenkurs bei Bernd Wiegandt, während sie ein Lehrerseminar besuchte, sah sie zum ersten Mal eine Ausstellung einer worbsweder Künstlerkolonie in der Kunsthalle in Barmen. Die eingefangenen Stimmungen der worbsweder Landschaft, welche düster mit Mooren durchzogen und von schwarzweißen Birken gezeichnet ist, sprach sie an und sie besuchte allerdings vorerst die Zeichen- und Malschule des „Vereins Berliner Künstlerinnen“.

Bisweilen war die Anwesenheit von Frauen an Akademien eher die Seltenheit und es galt für eine Dame als unschick, sich mit Farbe zu „besudeln“, insbesondere die Aktmalerei, welcher sie hier weiter verfeinerte, war bisher eher den Männern vorbehalten (siehe „Stehender weiblicher Akt nach rechts“).

Paula Modersohn-Becker,
Stehender weiblicher Akt nach rechts
1899
Kohle
169 x 87 cm
Paula-Modersohn-Becker-Stiftung,
Bremen

Erst seit 1890 waren Frauen regulär in das universitäre Studium eingebunden. Doch anders als andere Künstlerinnen, sah sie sich nicht als Feministin und lehnt deren legeres Auftreten ab; dabei ist sie eine Frau, die sich selbst emanzipiert, indem sie aktiv ihrer Vorliebe der Malerei nachgeht. Es fand keine Anklage einer Männerwelt statt, die ihr Steine in den Weg gelegt hätte, sie ging ihren Weg –  sie war somit keine Aktivistin, sondern eher ein Pionier. In der Worbsweder Künstlerkolonie erlebte sie im Gegensatz zu anderen Künstlern die motivbietende Natur zur Inspiration, nicht aber zur Vorlage. Auch entstand hier z.B. das Portrait „Sitzendes Bauernmädchen im Profil nach links“, dieses wie auch alle ihre anderen Modelle entstammten dem örtlichen Armenhaus und dem niederen Gesellschaftsstand, was ihr in ihrem Künstlerumfeld große Kritik einbrachte, aber sie wollte die einfachen Menschen zeichnen. So wirkt insbesondere auch diese Zeichnung leicht karrikaturesk mit ihrem eingefallenen, hängenden Gesicht wirkt das Mädchen eher schlicht, doch liebevoll in Szene gesetzt. Auch hier fällt bereits auf, wie wenig die Künstlerin Wert auf einen klaren Hintergrund legte – der Mensch soll im Portrait isoliert im Vordergrund stehen. Ihre Werke sind farblich berührt von der Mooratmosphäre der Landschaft.

Paula Modersohn-Becker, Sitzendes Bauernmädchen im Profil nach links 1899 Kohle, Rötel und Farbkreiden 49,4 x 36,2 cm Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen Leihgabe aus Privatbesitz

Jedoch wollte sie von Worbswede fort, ihr Zeichenlehrer fiel mehr dadurch auf, ihre durchaus vorzeigbare Kunst zu verreißen, als sie zu bestärken und so brach sie am Neujahrstag des Jahres 1900 nach Paris auf – dem Puls der damaligen Zeit und Inbegriff künstlerischer Moderne. Sie nahm Unterricht am Institut Rodin sowie der Académie Colarossi und studiert die Werke moderner Künstler. Besonders Paul Cézanne tat es ihr an. Ihren Stil veränderte sie weiter und malte nun insbesondere große Augen, große Münder und möchte fortan das Erscheinen des Modells auf seine charakteristischen Merkmale reduziert ohne großen perspektivischen Einfluss darstellen, wie unter anderem die „Alte Armenhäuslerin“ – wieder ein Modell aus einfachen Verhältnissen, ganz im Sinne des frühen Expressionismus, wie auch ihre Stillleben. Als Beispiel sei hier ihr „Stillleben mit Äpfeln und Bananen“ gegeben. Sie war allerdings hin und her gerissen zwischen einem Leben in der Ferne und dem Wunsch nach Mutterglück daheim, allerdings beschreibt sie ihre Ehe mit Otto Modersohn nicht als glücklich, möchte diese sogar ab ihrem letzten Frankreichaufenthalt auflöschen.

Paula Modersohn-Becker, Alte Armenhäuslerin um 1905 Öl auf Leinwand 126 x 95 cm Von der Heydt-Museum Wuppertal

Ihre einzige Tochter Mathilde erblickte am 02. November 1907 das Tageslicht, nur 18 Tage später stirbt Paula Modersohn-Becker an einer Embolie – sie ist nur 31 Jahre Alt geworden. Ihr Nachlass beläuft sich auf ca. 700 Gemälde und etwa 1000 Zeichnungen – das Werk einer sehr beschäftigten Künstlerin, die allerdings nur vereinzelt Bilder aus der Hand gab. Tatsächlich spielt sich ihre größte Schaffensphase nur zwei Jahre vor ihrer Schwangerschaft ab. Verkauft hat sie hiervon wohl nur wenige und nur von einer Hand voll ist bekannt, dass sie diese speziell für Personen gezeichnet hatte, so blieb sie zeitlebens finanziell von ihrem Mann und ihrer Verwandtschaft abhängig. Teilweise wurden ihre Bilder im Rahmen des Flächenbombardements des zweiten Weltkrieges zerstört oder wurden im Rahmen der Klassifizierung als entartete Kunst im Nationalsozialismus entwendet. Doch weiterhin existiert ein reichhaltiger Fundus weltweit, wovon die zweitgrößte Sammlung derzeit in Wuppertal zu sehen ist.

Die Ausstellung selbst ist in der Tradition des Von der Heydt-Museums chronologisch aufgebaut und zeigt ihr Schaffen vom Beginn an der Berliner Zeichen- und Malschule bis hin zu späten Pariser Tagen. Diese Ausstellung ist allerdings nicht auf Modersohn-Becker reduziert, sondern zeigt weitere Künstler ihres jeweiligen Umfeldes.

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