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Politik

Özil tritt aus der „Mannschaft“ aus und kritisiert den DFB

Mesut Özil ist aus der Nationalelf zurückgetreten. Jetzt greift er den DFB an.

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Quelle: Twitter

Als sich Özil und Gündogan mit dem türkischen Präsidenten und Autokraten Erdogan ablichten ließen, löste das zu Recht einen Skandal aus. Jetzt zieht einer von ihnen die Konsequenz und tritt aus „der Mannschaft“ aus. In einer auf englisch verfassten Erklärung gab Özil seinen Rücktritt bekannt, weil er „ein Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit“ verspüre.

 

Ein Rückblick

 

Wir können uns noch gut erinnern wie sich die „deutschen“ Nationalspieler Mesut Özil und Gündogan mit Erdogan, dem Präsidenten der Türkei, getoffen haben. Gündogan ging sogar so weit, dass er den Autokraten als seinen Präsidenten bezeichnete. Das zog zu Recht scharfe Kritik mit sich, denn abgesehen davon, dass Erdogan einen autokratischen Regierungsstil hat, zeugt es von einer misslungenen Integration, wenn sich Migranten die den deutschen Pass haben, nicht dem deutschen, sondern sich einem ganz anderen Volk zugehörig fühlen. Neu ist das nicht! Die wenigsten Migranten bezeichnen sich als Deutsche. Sie sind ja auch keine, weil sie nicht die deutsche Kultur leben, geschweige denn unsere Werte und Normen überhaupt respektieren. Dass sich zwei „Deutschtürken“ zu dem ausländischen Präsidenten einer zumindestens halben Diktatur und damit zu diesem Land und seiner Kultur, so wie seinen Werten bekennen, ist erstmal kein Skandal. Dass beide einen deutschen Pass haben ist zwar ein Skandal, trotzdem nichts ungewöhnliches, das irgendwen verwundern müsste. Der Skandal bei der Sache war, dass diese Männer zu diesem Zeitpunkt für die deutsche Nationalmannschaft spielten und damit unser Land ein Stück weit repräsentierten. Die logische Schlussfolgerung aus dem Verhalten der beiden Spieler wäre natürlich gewesen, beide aus der Mannschaft zu schmeißen. Das geschah allerdings nicht, was ein weiterer Skandal war. Am Ende der Geschichte hat „die Mannschaft“ in der für sie kurzen WM lustlos gespielt und eine schwache Leistung dargebracht, was dazu geführt hat, dass „wir“ in der Vorrunde ausgeschieden sind und Özil zusammen mit seinem Freund Gündogan einen vorzeitigen Luxusurlaub bei ihrem Präsidenten in der Türkei machen konnten.

 

Özil sieht sich als Opfer

 

Während er mit Erdogan Schisha geraucht hat, scheint nun Özil die Einsicht gekommen zu sein, dass er doch nicht so gut zur deutschen Nationalmannschaft passt und ist als Spieler zurückgetreten. Er habe ein „Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit“ verspürt, was auch immer das bedeuten soll. Laut seinem Verständnis ist es also rassistisch, von einem Nationalspieler zu verlangen, dass er sich dem Land für das er spielt zugehörig zu fühlen und sich nicht mit ausländischen Autokraten ablichten zu lassen. Kritik an Erdogan ist respektlos? Das sieht der türkische Präsident wahrscheinlich auch so, weswegen er Kritiker wegsperren lässt.

 

Das Who is Who des Gutmenschentums meldet sich zu Wort

 

Dieses Schicksal bleibt uns zum Glück erspart, schließlich leben wir noch in so etwas ähnlichem wie einer Demokratie. Dafür haben wir unsere Gutmenschen und Moralapostel. Grünen-Chef Robert Habeck sagte zum Beispiel der Süddeutschen Zeitung: „Wie der DFB sich mit Grindel noch mal als weltoffen und lautstark gegen Rassismus präsentieren will, ist fraglich.“ Abgesehen davon, dass ich mir nicht sicher bin, ob das die Aufgabe einer Nationalmannschaft sein sollte, bleibt mir der Zusammenhang zwischen dieser Aussage und der Kritik an dem bereits beschriebenen Verhalten Özil’s verborgen. Cem Özdemir musste sich als Özils Landsmann natürlich auch zu Wort melden und sagte der Berliner Zeitung: „Es ist fatal, wenn junge Deutschtürken jetzt den Eindruck bekommen, sie hätten keinen Platz in der deutschen Nationalelf.“ Wenn er mit „Deutschtürken“ türkische Migranten oder Kinder türkischer Migranten meint, an denen nichts außer ihrem Pass deutsch ist, sollten sie sehr wohl keinen Platz in der Nationalelf haben. Denn Fußballspieler repräsentieren auch ihr Team und diesem Fall, ist es die Nationalmannschaft Deutschlands, womit er automatisch auch das Land in dessen Namen er spielt, repräsentiert. Wer für unsere Mannschaft spielt, sollte sich mindestens diesem Land verbunden fühlen und unsere Werte der Gleichberechtigung, der Freiheit und der Demokratie teilen. Alles Werte, für die Erdogan nicht steht. Gerade von Özdemir als integrierter Sohn von türkischen Migranten, erwarte ich, dass er andere Migranten dazu motiviert, sich auch zu integrieren und, dass er sich besonders für unser Land und unsere Werte einsetzt. Immerhin hat er das Foto mit Erdogan als „falsch“ bezeichnet.

Die Kanzlerin bemühte sich derweil um Zurückhaltung in dieser Sache und lies über eine Sprecherin verkünde, dass sie den zurückgetretenen Nationalspieler sehr schätze. Zum Handeln des DFB wollte sie sich nicht äußern und verwies darauf, dass dieser autonom handele. Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass sich der DFB mit zahlreichen Projekten für Integration engagiere – Nun, bei den eigenen Spielern scheint es mit der Integration nicht so zu klappen. Im Rest der Union hört man schon verhältnismäßig kritischere Töne. So verkündete die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Anette Widmann-Mauz (CDU) über Twitter: „Bei allem Verständnis für die familiären Wurzeln müssen sich Spieler der Fußballnationalmannschaft Kritik gefallen lassen, wenn Sie sich für Wahlkampfzwecke hergeben.“ Die türkischstämmige CDU-Politikerin Serap Güler, Staatssekretärin für Integration in NRW, sagte der Süddeutschen Zeitung: „Um Verbundenheit mit der Heimat seiner Eltern zu zeigen, muss man nicht jemanden mit einem Foto ehren, der den Rechtsstaat mit Füßen tritt“, dennoch ergänzte sie: „Du musst nur einen Fehler machen, und schon bist du wieder der Türke.“  Sie scheint wohl vergessen zu haben oder einfach nicht zu wissen, dass sich die meisten türkischen Migranten, als Türken sehen und das ist das Problem: Das fehlende Zugehörigkeitsgefühl unserer Migranten zum deutschen Volk, zur Kultur und zum Bewusstsein, Teil dieses Landes und seiner Gesellschaft zu sein. Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach verteidigte DFB-Präsident Grindel und sagte dem Inforadio vom rbb: „Özil versucht sich aufgrund der massiven Kritik wegen seines Treffens (…) und der Huldigung für Erdogan, als Opfer des DFB darzustellen – oder der gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland.“

 

Die türkische Gemeinde Deutschlands fordert den Rücktritt der DFB- Führung

 

Die „türkische Gemeinde Deutschlands“ (die bestimmt repräsentativ für die in Deutschland lebenden Türken ist) fordert den Rücktritt der gesamten DFB-Führung. Damit soll ein Neuanfang für die deutsche Nationalmannschaft denkbar sein, wie Gökay Sofuoglu der Bundesvorsitzende dieser „Gemeinde“, der Heilbronner Stimme mitteilte. Ich fordere auch den Rücktritt der DFB-Führung, allerdings wahrscheinlich aus anderen Gründen. Man hätte Gündogan und Özil nach dieser Aktion nämlich sofort aus der Mannschaft schmeißen sollen.

 

Die türkische Politik meldet sich auch zu Wort

 

Natürlich müssen sich Erdogans Lakaien in Özils Lieblingsland auch zu Wort melden. Der türkische Sportminister Mehmet Kasapoglu twitterte: „Wir unterstützen die ehrenhafte Haltung unseres Bruders Mesut Özil von Herzen.“ Abdulhamit Gül, der türkische Justizminister gratulierte dem Fußballspieler sogar für sein „schönstes Tor gegen den faschistischen Virus.“ Özil möchte übrigens den türkischen Präsidenten wiedertreffen, was Ibrahim Kalin, der Sprecher Erdogans begrüßte.

 

Özil’s Fall ist Beispielhaft für die türkischen Migranten in Deutschland.

 

Es ist wichtig, dass über diesen Fall gesprochen wird, denn er ist beispielhaft für das, was in den viele Jahren Einwanderung, die bereits vergangen sind, schief gelaufen ist.

Die meisten türkischen Migranten und ihre Kinder, auch noch in der dritten Generation, fühlen sich nämlich nicht dem deutschen Volk zugehörig und leben in ihrer eigenen Parallelgesellschaft. Ich kann es auch verstehen! Wer möchte einem Volk angehören, dessen Selbstwertgefühl so negatib geprägt ist? Wer möchte einem Volk angehören, dass als schwach gilt, weil man als Migrant in diesem Land kriminell sein kann wie man will, ohne abgeschoben zu werden? Im Gegenteil: Migranten welche Straftaten begangen haben, werden von der deutschen Justiz noch mit Samthandschuhen angefasst.

Die Schuld liegt hier eindeutig bei der Politik. Sie hätte sich schon vor Jahrzehnten um die Integration der muslimischen Migranten kümmern müssen, wenn sie schon da sind und sie hätte ein positives Selbstwertgefühl der Deutschen unterstützen müssen. Die Sache mit Özil ist schade, denn ich hatte zuvor immer eine gewissen Sympathie mit ihm. Diese hat er durch seine Aktion vor der WM verspielt.

 

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Teil 1: „Er [Mesut Özil] habe ein ‚Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit‘ verspürt, was auch immer das bedeuten soll. Laut seinem Verständnis ist es also rassistisch, von einem Nationalspieler zu verlangen, dass er sich dem Land für das er spielt zugehörig zu fühlen und sich nicht mit ausländischen Autokraten ablichten zu lassen. Kritik an Erdogan ist respektlos? Das sieht der türkische Präsident wahrscheinlich auch so, weswegen er Kritiker wegsperren lässt.“ Ähm, nein… Für Özil ist es NICHT rassistisch, von einem Nationalspieler zu verlangen, sich dem Land, für das er spielt, zugehörig zu fühlen; dass dem nicht so ist, geht aus… Read more »

Robert Wagner
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Robert Wagner

Teil 2: Man kann Özils mangelnder Selbstkritik angesichts des Erdogan-Fotos, weiß Gott, kritisch gegenüber stehen; aber an seiner Vermutung, dass gerade er an den Pranger gestellt wird, weil er muslimischer Deutschtürke ist, ist unbestreitbar etwas dran. Auch wie wenig Rückendeckung er vom DFB und seinen Teamkollegen bekommen hat, verglichen etwa mit der Affäre um die rassistische Anfeindung Gaulands gegen Boateng, ist schon auffällig. Als Autor eines neurechten, völkisch orientierten Jugendmagazins, das u. a. von ethnisch homogenen weißen Postkolonialgesellschaften schwärmt („Orania – ein Kulturbollwerk der Buren“, vom 5.2.2018); das vulgären Rassismus eines AfD-Rechtsaußen relativiert, indem es absurderweise dem Opfer dieser rassistischen… Read more »

Robert Wagner
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Robert Wagner

Teil 3: Dass ausgerechnet solche Leute, die aktiv rassistischer Ausgrenzung Vorschub leisten, Özil vorwerfen, sich nicht dazugehörig zu fühlen, ist schon fast amüsant… Wenn es nicht so verlogen wäre. Vielleicht wäre an dieser Stelle also auch etwas Selbstkritik angebracht, statt sich völlig ahnungslos und unschuldig zu geben („… was auch immer das bedeuten soll“) – aber ich verstehe, dass man das an dieser Stelle nicht eingesteht, würde man damit doch die eigene politische Agenda hintertreiben. Das macht die ganze Sache allerdings nicht weniger unaufrichtig, genauso wie die Unterstellung, Özil hätte seinen Urlaub mit Erdogan verbracht und mit ihm Shisha geraucht.… Read more »

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