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Kabarett

Max Uthoff: „Gegendarstellung“ – Kabarett im Elfenbeinturm

Wir haben uns Max Uthoffs Programm „Gegendarstellung“ gegeben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Uthoff#/media/File:2016101181851_2016-04-10_Max_Uthoff_-_Gegendarstellung_-_Sven_-_1D_X_-_031_-_DV3P6414_mod.jpg

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Max Uthoff, aus dem ZDF-Format „Die Anstalt“ bekannt, hat seinen Charme. Er teilt scheinbar ohne Scheu in alle politischen Richtungen aus, vor allem gegen die Herrschenden. So kommt es, dass Uthoff durch seine Kritik an der deutschen und europäischen Russlandpolitik, sowie bei den Fehlern der „Agenda 2010“, auch im konservativen, rechten, Spektrum punkten kann. Seine Ausfälle gegen die bürgerlichen Kräfte und die radikale Abneigung gegenüber dem Kapitalismus kann man so auch leichter verkraften, man hat schließlich den Eindruck, dass dieser Mann niemanden ungeschoren davonlässt.

Dieser Eindruck führte schließlich dazu, dass ich mir eine Karte für sein Bühnenprogramm „Gegendarstellung“ in der Stadthalle meines 6.000-Einwohner Ortes kaufte. Ich ahnte nicht wie dieser Kabarettist ohne Kameras agieren würde…

Als ich eine Stunde vor Beginn der Aufführung Platz nehme, kann ich ein interessantes Schauspiel beobachten. Ich sehe viele bekannte Gesichter, die ich sonst nur von AfD-Veranstaltungen kenne, als Störer und Gegendemonstranten. Die Personen im Raum scheinen sich größtenteils zu kennen, aber es gibt einige, die wie ich isoliert auf ihren Plätzen sitzen und auch optisch aus dem Bild fallen, wofür ein ordentlicher Haarschnitt und ein Kragen reicht. 

Die Veranstaltung beginnt, der Saal wird dunkel und von hinten schreitet Max Uthoff mit einem kleinen Megafon bewaffnet in Richtung Bühne, dabei verkündet er Ökonomie-Weisheiten wie „Kapital ist scheuer als ein Reh“, welche mit höhnischen Gelächter quittiert werden. Auf der Bühne angekommen legt er nach einem kurzen und intensiven Applaus im Rampenlicht auch schon mit seiner Kritik an den G20-Protestlern los, die angeblich übermotiviert die Tat statt dem Gespräch suchten, um dann doch die Schuld bei der Polizei zu suchen, welche ihre „nagelneuen Unterdrückungsgerätschaften“ an den Demonstranten ausprobieren wollten. Angeblich seien in Wirklichkeit nur sieben Polizisten ernsthaft verletzt worden und die Medien würden alles nur dramatisieren. Ich ahne nicht,dass diese kleine Kritik am G20-Mob die einzige in Richtung linken Rand sein sollte. Auf diesen erträglichen Einstieg folgt die Thematisierung der Bundestagswahl, wobei jede Partei zerpflückt wird, außer die Linkspartei. Ich beginne stutzig zu werden: Die Grünen sind eine Partei für die Wohlhabenden geworden. Die SPD hat die Arbeiter verraten. Die CSU ist der rechtsextreme Kampfhund einer entpolitisierten CDU. Die FDP die soziale Ungerechtigkeit in Person. Und die AfD ist mit der „sympathischen KZ-Aufseherin Weidel“ natürlich rechtsextrem. Aber bei der Linkspartei gibt es kein humoristisches Potenzial?

Es zeigt sich ein Uthoff, der seinen umstürzlerischen Ideen freien Lauf lässt und sich beklagt, dass man sich vor einer Planwirtschaft fürchte, aber den freien Markt als tauglich empfinde. Die Ausfälle gegen die AfD sind vor allem faszinierend, denn auf der einen Seite beschwört er, dass nicht alle AfD-Wähler Nazis sind, um dann eine Studie, welche behauptet 11% der Deutschen seien Antisemiten, als Erklärung für das Ergebnis der AfD heranzuziehen. Auch behauptet er zum einen, dass man die AfD nicht als Partei der sozialen Verlierer rühmen soll, um dann den AfD-Erfolg als Ergebnis des Neoliberalismus der FDP zu bezeichnen. Zur Pause stand die Stoßrichtung fest: Die FDP und AfD sind das vereinigte Böse und der Gegenspieler alleinig „Die Linke“. Ich verbringe die Pause im Foyer und schaue mir die Zuschauer nun genauer an, den meisten scheint es finanziell recht gut zu gehen Die isolierten Zuschauer vom Anfang, welche ich schon eher im Bundesdurchschnitt verbuchen würde, sind schon teilweise gegangen, sie scheinen wie ich aufgebracht zu sein.

Die zweite Hälfte beginnt, nun mit dem Hauptaugenmerk auf die Europolitik und die Religion. Das Ableben Meisners wird zelebriert, als eine gerechte Strafe. Der Kapitalismus wird als religiöse Geißel der Weltbevölkerung gesehen. Uthoff beklagt, dass eine aktive Umverteilungspolitik tabuisiert wird. Zu diesen linken Standardthemen kommt immer wieder eine Deutsche Schuld an einfach allem. Die Eurokrise würde Deutschland nutzen um Griechenland fertig zu machen, denn „die Protestanten in Berlin“ seien Spielverderber, da sie die „Lebenslust der Griechen“ beneiden würden. In den letzten Minuten knallt nun die Peitsche immer häufiger auf den Rücken des deutschen Michel und der Saal beginnt zu kochen. Nicht, weil man den Komiker von der Bühne holen wollte, sondern weil er dem Publikum scheinbar aus der Seele spricht. Dieses sozialistische Spaß-Fest endet mit einem stehenden Applaus und einer schnellen Flucht meinerseits.

Ich denke noch lange über diese „Wahlkampfveranstaltung“ nach und wie es in dieser CDU-Hochburg dazu kommen konnte. Der größte Teil des Publikum steht fest in der Gesellschaft, doch zeugt das hohe Durchschnittsalter, ausgenommen den paar Jugendlichen, von der Perspektive dieser „Bewegung“. Pünktlich zum 50.-Jubiläum des großen „Kulturbruchs“ von 1968 ist sie am Ende. Diese Episode, diese Generation, ist auf dem Weg zum Schrottplatz der Geschichte und der konservative „Rollback“ steht vor der Tür.

Ich beginne Mitleid mit dem Publikum zu bekommen, schließlich ist das hier vielleicht für manche von denen das letzte Mal gewesen, dass sie mit so vielen Gleichgesinnten noch einmal die geistigen Verwirrungen ihrer Jugend nacherleben konnten.

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torben
Gast
torben

Mir fällt gar kein Kabarettist, den ich nicht im mehr oder weniger linksextrem Lager verorten würde. Volker Pispers ist doch auch so ein Kandidat

Xerorx
Gast
Xerorx

Das sind genau die richtigen, sich fett von der GEZ Steuer pampern und dann den großen Antikap raus hängen lassen. Kann mir gut vorstellen, wie der mit dem Augstein und einem Glas Rotwein in der Toskana sitzt und linke Phrasen drischt. Ekelhaftes Pack!

TeutoBurk
Gast
TeutoBurk

Menschen aus dem rechten Spektrum sucht man wirklich vergeblich unter den Kabarettisten. Als einzige nicht explizit Linke fällt mir eigentlich nur Lisa Fitz ein. Und selbst dafür gerät man inzwischen ja unter Beschuss. Alfons Proebstl kommt dem „rechten“ Kabarettisten noch am nächsten, aber er hat leider aufgehört und war auch eher ein Youtube-Künstler, nix für die analoge Öffentlichkeit. So bedauernswert das alles ist, kann ich Menschen wie den Leuten von der Anstalt und Konsorten nicht wirklich böse sein. Sie dienen zwar einerseits als Druckventil, damit der Laden noch eine Weile weiter sein zerstörerisches Werk verrichten kann, schicken allerdings für kritisches… Read more »

torben
Gast
torben

Liegt vielleicht auch daran, dass rechte Menschen per se nicht sehr politisch sind. Wir regen uns politisch ja erst dann, wenn die Linken gerade kurz davor stehen, unsere Heimat zu zerstören. Ein rechter Komiker würde eher ein normaler Humorist werden mit dem Ziel, Leute zu unterhalten und Geld zu verdienen, statt ins klassisch linke Kabarett zu gehen, um Agitprop zu betreiben.

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