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Mate-Limonade ist Deutsch

Vice, wir haben da etwas zu klären!

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Club-Mate Bildrecht www.clubmate.de

Der Arcadi-Artikel „Mate als rechtes Szenegetränk?“ ist inzwischen ein Klassiker aus der ersten Ausgabe unseres Magazins im Jahre 2017. Der Beitrag hat viel Staub aufgewirbelt und auch die etablierte Presse wach gemacht, wie es sich für Mate gehört.

Das linke „Vice“-Magazin hat unseren Artikel zum Anlass genommen auch im Jahre 2019 den „Rechten Griff nach der Mate“ zu thematisieren. Wir lassen das Getränk natürlich nicht los. Mate gehört in all seinen Sorten inzwischen zu den alkoholfreien Standardgetränken bei vielen Kongressen der „Jungen Alternative“ und sie ist im Kühlschrank der Initiative „Ein-Prozent“ zu finden. Auch bei anderen konservativ bis rechten Veranstaltungen sind Mate-Erfrischungsgetränke in verschiedenen Formen im Angebot und begleiten die Aktivisten im Kampf für ein besseres Deutschland. Manche Burschenschaft soll es bereits seit langem für die Fahrer ausschenken.

Mate-Erfrischungsgetränke sind und bleiben Tradition(alismus)

„Vice“ behauptet in seinem Artikel steif und fest, das Mate-Erfrischungsgetränk wäre kein deutsches Getränk. Inzwischen ist die deutsche Marke „Club-Mate aus Bayern sogar bis nach Chile, in die Heimat der Mate-Pflanze, vorgedrungen. Auf ihrer „Instagram“-Seite für das Land Chile schreibt „Club Mate“ ganz klar „Deutschlands reichhaltigstes Getränk – Bayern“ und fügt heimatverbunden ein Symbol für die Deutschlandfahne an.

Club-Mate stellt den Bezug zu Deutschland klar

In der internationalen Vermarktung bekennt sich die Marke ganz klar zu ihrer Herkunft. Dass die Mate-Pflanze selbst auch in Chile angebaut wird, spielt insofern keine Rolle. Schließlich kommt auch das Kokablatt, mit dem „Coca Cola“ ursprünglich hergestellt wurde, aus Kolumbien und Venezuela und nicht aus den Vereinigten Staaten. Das Gleiche gilt für die ebenfalls namensgebende Kolanuss. Diese ist westafrikanischer Herkunft und wird besonders in Nigeria angebaut. Auch ein Mercedes ist kein Produkt aus Guinea, nur weil das Aluminium des Autos aus Guinea kommt oder kommen könnte.

 

Doch das alles passt nicht in das Weltbild der „Vice“, vor allem weil das Deutsche Kaiserreich und sein Kolonialwarenhandel nicht gerade eine linke Hochburg waren. Im Kaiserreich wurde der Vorgänger von Club Mate entwickelt. Mate-Erfrischungsgetränke sind ein Ur-Produkt des kreativen Kaiserreichs und ein Muster des fortschrittlichen Traditionalismus und haben einen Umweg über die linke Szene des zwanzigsten Jahrhunderts genommen um zuhause anzukommen – beim Traditionalismus.

Mate – eine späte deutsche Erfolgsgeschichte

Doch auch die Geschichte der Mate des 20. Jahrhunderts ist eine deutsche. Inzwischen gibt es tiefergehende Darstellungen zur Geschichte der Mate, als sich in unserem letzten Artikel im ersten Arcadi-Heft von 2017 dargestellt hat.

Im Juni 2017 kam es zu einem „Mate in Berlin“-Symposium in der brasilianischen Botschaft. Laut dem Autor Achim Zubke gab es 2017 mehr als 30 Hersteller von Mate-Erfrischungsgetränken und ähnlichen Produkten. Der Redner erwähnt Mate als wohltuende Abwechslung zu übersüßten Colas und Energiegetränken beschrieben. Der Redner sprach von einer Ausbreitung der Mate-Welle aus dem deutschgeprägten brasilianischen Staat Parana am Anfang des 19. Jahrhunderts. Es ist also wahrscheinlich, dass die Mate-Blätter, die für die erste Erfrischungsgetränke-Mate verwendet wurden, sogar von deutschen Siedlern gepflanzt und eigenhändig geerntet wurden. Auch ein Artikel von 1904 in der Zeitschrift „Der Tropenpflanzer“ weist darauf hin, dass eine Deutsche Yermeth-Gesellschaft gegründet wurde, um die Mate-Pflanze im deutschen Raum zu verbreiten. Der Fabrikant Hugo Obst aus Bayreuth stellte seit 1903 ein Mate-Erfrischungsgetränk auf Basis der Yerba-Mate hergestellt. Der Original-Name war „Yermeth“. Nach einem Konkurs soll Obst die Marke „Yermeth“ an eine Firma Dr. Graf verkauft haben. Es gibt Hinweise, dass schon 1901 unter dem Namen „Hactormin“ in Dresden Mate-Erfrischungsgetränke hergestellt wurden. Doch die Forschungen verlaufen bisher im Sande.

Der deutsche Consul Heinze kämpfte als Lobbyist für die deutsche Mate-Produktion schon 1910 für die weitere Ausbreitung der Mate in Deutschland, von seinem Sitz in Brasilien aus. Hugo Obst gründete 1908 ein neues Unternehmen in Bad-Köstriz und nannte das Getränk dieses Mal „Bronte“. Mit Kohlensäure verkaufte er das Getränk als „Sekt-Bronte“. Dieses Unternehmen musste aufgrund der ausbleibenden Lieferungen im Ersten Weltkrieg erneut Pleite anmelden. Nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahre 1926 begannen die Zersch-Brüder, die Geschäftspartner von Obst, erneut mit der Produktion von Mate-Erfrischungsgetränken. Dabei muss man bereits schon den Namen „Club Mate“ benutzt haben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, konnte die „Club Mate“-Produktion nur in Dietenhofen, in Franken fortgesetzt werden. Der damalige Besitzer verkaufte die Club Mate danach aus Altergründen an den heutigen Hersteller, die Brauerei Loscher.

Mate-Erfrischungsgetränke sind also Spätentwickler. Sie sind mehr als 110 Jahre alt, haben aber diese 100 Jahre gebraucht um erfolgreich zu werden, wurden in einem national orientierten Kaiserreich erfunden und spät von einer heimatverbundenen Bewegung entdeckt und haben hier ihre Heimat gefunden. Im Jahr 1904 hat man dem Mate-Erfrischungsgetränk vorhergesagt, „schon bald allen Limonaden, Sodawassern und dergleichen den Rang streitig zu machen.“ Wer hätte gedacht, dass „bald“ 110 Jahre bedeuten würde?

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