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Bücher

Literaturhinweis: Kafka lesen? – Zeitloser „Prozess“

Hier stellen wir euch Bücher der Weltliteratur vor!

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Antitotalitäre Klassiker wie „1984“ oder „Fahrenheit 451“ gehören, zumal in patriotischen Kreisen, zum allgegenwärtigen Literaturkanon und erfreuen sich auch in neurechter Bildsprache einiger Beliebtheit. Franz Kafkas „Der Prozess“ hat Generationen von Schülern als Lektüre gedient und ist seitdem vielfältig interpretiert worden. Gelesen im Jahr 2018 ist das Buch des deutsch-jüdisch-böhmischen Schriftstellers vor allem eine Kritik an einem bürokratischen, undurchschaubaren und ungerechten Rechtssystem.

Plötzlich verhaftet

Kafkas Werk folgt dem Weg des Protagonisten Josef K., der im gesamten Roman nur – wie in einem Zeitungsbericht –  abgekürzt genannt wird. Dieser führt ein bürgerliches Leben, bis er eines morgens ohne Angabe von Gründen verhaftet wird. Was folgt, ist ein Kampf gegen ein sich ständig verdichtendes Geflecht von Verdächtigungen, Andeutungen und juristischen Winkelzügen. Während sich die Schlinge um K. immer enger zieht, fiebert der Leser der Auflösung, oder zumindest einer Art Erklärung zurück. Doch ganz so einfach ist es nicht. Bei den Figuren, die K. im Laufe der Handlung begegnen ist Misstrauen angebracht. Seien sie Advokaten, Frauen oder (vermeintliche) Helfer.

Kafka bleibt aktuell

Über der Handlung liegt ein düsterer Schleier, der sicherlich auch der Kafka eigenen Erzählweise geschuldet ist und den Leser in eine unwirkliche Welt entführt. Trotzdem ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich auch im Jahr 2018 Parallelen zum Zeitgeschehen ziehen lassen. Fragwürdige Behördenentscheidungen, politisch motivierte Gesetze, Gerichtsurteile und -prozesse, die erst nach Jahren abgeschlossen werden, werfen auch heute drohende Schatten voraus. Manch junger Aktivist wird sich in den Worten widerfinden, mit denen sich auch der Protagonist K. belehren lassen muss: „Es ist hier von zwei verschiedenen Dingen die Rede, von dem, was im Gesetz steht, und von dem, was ich persönlich erfahren habe, das dürfen Sie nicht verwechseln.“

Kafka lesen!

Was seine Kritik an Unrechtsstaat, Nutzung des Rechtssystems zur Verfolgung Unschuldiger und der Ausweglosigkeit desjenigen, der versucht, dagegen anzukämpfen betrifft, bleibt Kafka zeitlos. Den „Prozess“ noch einmal in die Hand zu nehmen lohnt sich also auch für jene, die ihn als aufoktroyierte Schullektüre verschmäht haben.

Zu finden ist der Roman auf den allermeisten Flohmärkten für wenig Kleingeld.

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