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Politik

Linke Rückzugsgefechte – Rechte auf dem Vormarsch?

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Eine gute Woche ist es jetzt her, dass die Frankfurter Buchmesse ihre Tore geschlossen hat. Und man kann mit Gewissheit sagen: diese Buchmesse ist nicht wie alle anderen gewesen. Dieses Mal wurde der Öffentlichkeit wieder schmerzlich vor Augen geführt, dass auch in Deutschland eine zunehmende Infragestellung linker Deutungshegemonie von Rechts betrieben wird. An was lag es? Daran, dass rechte Verlage überhaupt auftraten? Eher nicht. So ist die Junge Freiheit schon seit Jahrzehnten auf der Buchmesse anwesend, auch der nun viel zitierte Antaios-Verlag – der im Zentrum der Eruptionen stand – hat nicht das erste Mal einen Stand in Frankfurt aufbauen dürfen. Oder lag es an der zunehmend penetranten Anti-rechts Haltung der Veranstalter, die sich mithin der Lächerlichkeit preisgaben, schon nicht mehr ernst genommen werden konnten? Oder lag es einfach an der allgemeinen Stimmung des Umbruchs in diesem Land? Lag es an den dadurch bedingten blank liegenden Nerven der linken Bessermenschen und ihrer Lakaien?

Man wird wohl keine singuläre Antwort darauf finden können, vielmehr wird es eine Kombination vieler verschiedener Momente sein. Was auf jeden Fall nicht wegzuleugnen ist: Seither sind die Zeitungen voll von Lagenanalysen, Aufrufen zum Umdenken und weinerlichen Nachrufen an die gute alte Zeit, in der der Rechte noch in seinem inneren Exil verharrte und nicht einmal im Tram daran dachte, eigene politische Standpunkte zu artikulieren, öffentlichkeitswirksam zu vertreten. Natürlich sind auch die Foren der sogenannten „Neuen Rechten“ voll von literarischen Schulterklopfen und „der-Wind-dreht-sich“ Texten. So spekulierte Martin Sellner darüber, dass die Frankfurter Buchmesse 2017 in Zukunft als möglicher „metapolitischer“ Wendepunkt im Kampf um die Deutungshoheit in Deutschland betrachtet werden könnte.

Dass im linken Lager zunehmend Ratlosigkeit, Verunsicherung und Desillusionierung herrscht, macht eine besonders stupide Kolumne auf Spiegel Online vom 21.10.2017 deutlich. Überschrift: „Mit Rechten reden. Unendlich öde.“ Dieser Text liest sich wie eine Kampfschrift, verfasst von einer 15-jährigen Schülerin, die zu viel „Kommunistisches Manifest“ gelesen, es nicht hat, aber dennoch damit prahlt, überzeugte Sozialistin zu sein. Quintessenz: „Während die Linken über gelungene Gesprächsführung mit Schlägern, Brüllern und Menschenhassern nachdenken, formiert sich in aller Ruhe eine faschistische Bewegung. Die Zeit des Redens ist vorbei.“ Richtig! Wir leben in einem Land voller Menschenhasser – ein sehr schönes Wort. Schopenhauer, wo man auch hinsieht: Schopenhauer. Er ist überall – und Schlägern. Kann ich nur bestätigen. Traue mich selbst kaum noch raus auf die Straße, weil an jeder Ecke ein Vollblutneonazi mit Springerstiefeln und Baseballschläger darauf brennt, mir den Schädel einzuschlagen. Plakativ! Plakativ! Plakativ!

Wenn man den Text weiterliest, kann man nur den Kopf schütteln. Rechte haben gegen alle etwas, die nicht „biodeutsch“ und „männlich“ sind. Und Andersdenkende werden selbstverständlich immer körperlich angegriffen und ausgebuht. Da die meisten Linken aber vergessen hätten, was es heißt, gegen rechts, also das ultimativ böse zu sein, muss nun der Aufschwung konservativer Kräfte dazu genutzt werden, sich auf den guten alten Antifaschismus zu besinnen und diesen wiederzubeleben. Denn er sei noch nie so wichtig gewesen seit 1945, wie heute. „Vielleicht ist der schwarze Block, die jungen Menschen der Antifa, die Faschisten mit dem einzigen Argument begegnen, das Rechte verstehen, die einzige Bewegung (…), die eine Wirkung hat.“

Ganz nebenbei, es ist bezeichnend, in welcher dreisten Selbstverständlichkeit „die Rechten“ mit „den Faschisten“ gleichgesetzt werden. Es sei dieser Dame dringend empfohlen, bei nächster Gelegenheit ein Geschichtsbuch aufzuschlagen und mal nachzulesen, was eigentlich die politische Rechte ist. Dann wird sie schnell herausfinden, dass hier keine Singularität besteht, sondern die politische Rechte sich aus vielen Strömungen zusammensetzt. Der Faschismus steht hierbei – um auch einmal davon reden zu können – „am rechten Rand“ dieses politischen Feldes und zeichnet sich dadurch aus, Gewalt als legitimes Mittel der Exekutive zu betrachten. In diesem Sinne hat Frau Kolumnistin dann doch wieder recht mit der angenommenen Kongruenz von Rechts und Faschismus.

Rechts ist auf dem Vormarsch und steht kurz davor, Deutschland wieder einmal in „Hass“ und Unmenschlichkeit zu stürzen. Draußen wird schon das „gute alte Liedgut“ gespielt, erste „Schaufenster beschmiert und Fahnen gehisst.“ Starke Assoziationen mit dem dritten Reich oder anders gesagt: hat die Dame Kolumnistin den Knall nicht mehr gehört?

Nichtsdestotrotz gilt es sich jetzt zu entscheiden. Will man in einer rechten Gesellschaft leben, die nur einfache Lösungen parat hat, eine „Diktatur der Lautesten“ ist und wo es nichts außer Verachtung, Herabsetzung und Asozialität gäbe oder in einer linken Gesellschaft, in der die Menschen miteinander auskommen und versuchen, „die schwächeren Mitglieder der Gesellschaft“ zu beschützen. Damit kann ja wohl nur die Minderheit, der Ausländer, der Nicht-Deutsche gemeint sein. Es wundert ohnehin, dass sie bei der Beschreibung der rechten Gesellschaft nicht auch noch hinzugefügt hatte, dass alsbald von jedem Laternenpfahl Moslems und Juden baumeln würden.

Auch ist es ein Paradebeispiel linken Denkens, wenn hier als Nachteil einer rechten Gesellschaft aufgeführt wird, dass hier nur einfache Lösungen angeboten werden. Wieso um alles in der Welt kann denn die einfache Lösung nicht auch die richtige sein? Linke denken aber immer von der Utopie her. Und da diese der Realität permanent widerspricht, muss der Linke sich immer komplexere Erklärungen für die Wirklichkeit ausdenken, damit die Utopie mit der Realität zusammenpasst. Kein Wunder also, dass Linke eine so starke Abneigung gegen „einfache Lösungen“ und Antworten haben. Nach ihrem Welt(un)verständnis geht das einfach nicht zusammen. Ein Rechter hingegen sieht die Welt, wie sie ist und versucht daraus das Beste zu machen.

Politisch rechts zu sein war lange Zeit in Deutschland undenkbar. Linke Denkmuster haben die Politik dieses Landes in den letzten Jahrzehnten geprägt. Linke Strategien wurden auf die Probleme der Zeit angewandt. Und linke Lösungen sind den Menschen in den letzten Jahren immer wieder um die Ohren geflogen ganz einfach, weil sie nicht funktionierten. Denn die Linke ist unfähig Probleme zu lösen. Dieser Unfähigkeit sind sich auch die meisten Linken bewusst. Und das macht sie so schrecklich sauer, wie man an jenem Text auf Spiegel Online, aber auch in jeder Äußerung deutscher Politiker herausliest. Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn man den politischen Konkurrenten, dessen Lösungsansätze womöglich tatsächlich funktionieren könnten, diskreditiert, dämonisiert und terrorisiert. Letztendlich sind das alles aber nur Rückzugsgefechte.

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