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Meinung

Liebet eure Gutmenschen!

… denn ihr werdet sie noch brauchen

Quelle: pexels

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Meiner Meinung nach ist einer der entscheidenden Unterschiede zwischen der politischen Landschaft in der Weimarer Republik und der heutigen der, dass damals die Schulen, Universitäten und andere Institutionen noch von Personal aus der Kaiserzeit besetzt waren. Das waren im überwiegenden Maße Rechte bzw. Konservative. Das hatte den Effekt, dass der Ottonormalbürger, der das damalige Bildungssystem durchlief, von Haus aus rechts geprägt war. Wer damals knallharte linke Ansichten zur Schau trug, stellte sich gegen den Common sense, machte sich den deutschen Durchschnittsspießer zum Feind, wurde ausgegrenzt und konnte sich wohl zurecht als Rebell bezeichnen.

 

Heute ist es exakt andersherum: der Kulturmarxismus war am Werke, die 68er haben den Marsch durch die Institutionen hinter sich gebracht und jene Institutionen mit linkem Personal besetzt. Mit dem Ergebnis, dass der Ottonormalbürger, der das heutige Bildungssystem durchläuft, links geprägt wird. Im heutigen Deutschland ein linker Rebell zu sein, funktioniert nicht mehr. Als solcher rennt man ja überall nur offene Türen ein. Man wird sogar öffentlich gefördert und unterstützt. Aber ist eine gesellschaftlich und staatlich tolerierte und geförderte Rebellion eigentlich das: eine … Rebellion?

 

Natürlich nicht. Wer heute zum Pariah und Rebell werden will und sich so richtig mit dem Spießertum anlegen möchte, muss wohl oder übel rechts werden. Als Rechter kann man heute richtig Ärger bekommen, ähnlich wie man ihn als Linker, sagen wir, vor dem Jahre 1968 bekommen konnte. Aber, so frage ich mich, wieso ist das eigentlich so, dass ein politsches Lager, egal ob links oder rechts, immer geächtet und ausgegrenzt wird? Warum gibt es immer die Rebellen und die Spießer? Warum können nicht beide Weltbilder gleichwertig nebeneinanderstehen und fair diskutiert werden, wie es die Dialektik verlangt?

 

Antwort: Das funktioniert nicht, denn so sind Menschen nicht gestrickt. Die meisten Menschen sind nicht fähig oder willens, dialektisch zu denken und also für sich selber herauszufinden, was wirklich korrekt ist. Dieser Prozess des eigenständigen Abwägens, der dafür nötig wäre, ist kompliziert und zeitaufwändig. Außerdem hat das Selberdenken den Nachteil, dass auf diese Art jeder zu einem anderen Ergebnis kommt. Und viele individuelle Meinungen sind keine Basis für gemeinschaftliches Handeln.

 

Was viel besser funktioniert als das ständige individuelle Abwägen von Pro und Kontra ist: die Politische Korrektheit. Ist man politisch korrekt, übernimmt man einfach ein vorgegebenes Wertesystem. Man muss sich nicht die Mühe machen, es kritisch zu hinterfragen, da man einfach davon ausgeht, dies habe schon eine höhere Instanz für einen erledigt. Das zeitraubende ständige Hinterfragen der eigenen Grundwerte entfällt. Leute, die der politischen Korrektheit widersprechen, werden praktischerweise ignoriert oder ausgegrenzt. Mit dem politisch korrekten Wertesystem eckt man nirgendwo an und man findet überall Gleichgesinnte. Es ist eine wunderbare Grundlage für eine funktionierende Gemeinschaft.

 

Nur hat Politische Korrektheit auch einen gewaltigen Nachteil. Sie kann absolut krank und irre sein. Und leider werden sich die Leute auch nach einer absolut irren und kranken Politischen Korrektheit richten, als sei es das Normalste von der Welt.

 

Die Deutschen sind meiner Meinung nach das politisch korrekteste Volk auf Erden. Nicht umsonst spottete schon Napoleon, dass keine Lüge groß genug sein könne – Deutsche würden sie glauben. Deutsche lieben es einfach nicht, sich kontroverse Gedanken zu machen – das sorgt nur für Zwist und Disharmonie – sondern überlassen das lieber ihren Herrschenden. Und wenn ich als Individualist und Selberdenker dieses unsouveräne Verhalten im Grunde tief verabscheue, muss ich zugeben: Es hat enorme Vorteile: Deutsche schaffen es leichter als andere, ein Kollektiv zu bilden. Wir vertrauen einander und sind in der Lage, gut funktionierende Gesellschaften zu bauen. Die politische Korrektheit ist, auch wenn ich sie nicht mag, eine unserer Stärken.

 

Gleichzeitig ist sie aber auch unsere größte Schwäche. Sie lässt uns immer wieder ins Verderben rennen. Und zwar hocheffektiv, hochorganisiert und blind gegen jede Kritik.

 

Das Ereignis, das mich das erste Mal mit den toxischen Auswirkungen von Politischer Korrektheit direkt konfrontierte, war der Kosovokrieg 1999. Dieser Krieg war völkerrechtswidrig, verletzte mehrere internationale Verträge und wurde mit Lügen begründet (Hufeisenplan). Aber in Deutschland hat das (bis auf die Partei PDS) niemanden gekratzt! Die lächerliche Aussage, man wolle ein neues Auschwitz verhindern, hatte völlig ausgereicht, um die Deutschen für diesen illegalen Krieg einzunorden. Kritik, die man am Kosovoeinsatz versuchte zu äußern, prallte an den meisten vollkommen ab. Und in diesem Augenblick wurde mir klar, warum sowas Wahnsinniges wie der Nationalsozialismus in Deutschland eigentlich möglich war. Die Deutschen sind ein Volk, dass sich durch politische Korrektheit einfach wunderbar gleichschalten lässt. Nicht Nationalismus war das größte Problem. Man kann nationalistisch, sozialistisch und sogar rassistisch sein, ohne einen Berg an Leichen anzuhäufen. Aber das Ausmaß des Schadens, die Dauer des Krieges und der Grad der Erbarmungslosigkeit der Deutschen während der Naziherrschaft … das alles hängt absolut mit unserem Volkscharakter der Autoritätshörigkeit und des Mitläufertums zusammen. Das kombiniert mit einer gefährlichen Ideologie und exzentrischen Anführern ergibt eine lethale Mischung.

 

Ich will jetzt auch nicht zu sehr auf uns rumhacken. Denn dieselbe Folgsamkeit und Autoritätshörigkeit haben es den Deutschen nach dem Krieg auch ermöglicht, den neuen Souverän, die Besatzer, sofort anzuerkennen, den Krieg sofort einzustellen, keinen Guerillakrieg à la „Wehrwölfe“ anzufangen, Antisemitismus und Rassedenken weitestgehend ad acta zu legen und zu einer florierenden, friedlichen, gut funktionierenden demokratischen Nation von Fahrradhelmträgern zu werden.

 

Die Deutschen haben in unter hundert Jahren die Staatsformen der feudalen Kleinstaaterei, des Monarchismus, der liberalen Demokratie, des Nationalsozialismus und des real existierenden Sozialismus durchgemacht. Jedes Mal waren es relativ gut organisierte Staatswesen, jedes Mal gab es auch die Politische Korrektheit, Mitläufer und Denunzianten. Abweichler werden in Deutschland seit jeher ausgegrenzt.

 

Auch wenn mir persönlich die Politische Korrektheit sehr zuwider ist, muss ich zugeben, dass sie wahrscheinlich immanent zu den Deutschen dazugehört und erheblich zum guten Funktionieren deutscher Staatswesen beitrug und beiträgt.

 

Ich glaube nicht, dass wir die Politische Korrektheit loswerden können. Das anzunehmen hieße, denselben Fehler wie Marx zu machen, der glaubte, dass Aufklärung die Menschen befreien und eine superhumanistische Gesellschaft bauen ließe. Nein, nicht jeder kann sich einen eigenen Standpunkt bilden. Das klingt traurig, aber es ist eben so: die meisten Menschen sind und bleiben Mitläufer.

 

Dennoch müssen wir eines dringend tun, nämlich: uns über Schaden und Nutzen unseres speziellen Volkscharakters vollumfänglich klar werden. Deutsche machen alles mit, was die Autoritäten verlangen. Wir können bestialische Vernichtungskriege führen oder das Paradies auf Erden errichten, wenn es unsere Herrschenden nur von uns fordern. Wegen dieses Potenzials müssen wir aber auch extrem aufpassen, wer unsere Herrschenden sind, und ob sie auch wirklich unser bestes Interesse im Sinn haben. Mein Wunsch ist, dass wir souveräner und weniger naiv werden und ein besseres Grundgespür dafür entwickeln, was gut ist und was nicht. Und wir sollten möglichst viele Mechanismen in unsere Gesellschaft einbauen, die uns dazu zwingen, unsere Politische Korrektheit ständig zu überprüfen. Und auch Mechanismen, die es verhindern, dass wir totalitär werden und irre Ideologen uns in den Abgrund stürzen. Einführung von direkter Demokratie und Aufösung des viel zu mächtigen GEZ-Medienkartells wären sicher wichtige erste Schritte.

 

 

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