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Bücher

„Kämpfen ersetzt alles, selbst den Orgasmus“

Rezension zu Richard Millet: Töten. Ein Bericht

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Richard Millet ist den Kennern als französischer Schriftsteller bekannt. In seinem neuesten von Antaios verlegtem Essay geht es jedoch vordergründig um ein anderes Handwerk: Töten.

Millet wuchs im Libanon auf und erlebte so schon während der Kindheit ein fragmentiertes Land mit seinen verschiedenen Volksgruppen und Glaubensrichtungen. Nach einer in Frankreich verbrachten Jugend kehrte er in den Libanon zurück, um auf Seiten der christlichen Phalangisten im nun wütenden Bürgerkrieg zu kämpfen.

„Das Schicksal der Christen des Orients bleibt der Kampf Davids gegen die Philister, nur ist sein Ausgang zweifelhaft“

Wer vom nüchternen Untertitel Ein Bericht auf eine trockene Nacherzählung des Geschehenen schließt, irrt. Als begnadetet Essayist gelingt es dem Autor, einen gewissen Nimbus um seine Beteiligung am Krieg aufzubauen. Hat er wirklich getötet? Millet nähert sich der Antwort nur, um im nächsten Absatz wieder von ihr abzustreifen. Nahaufnahmen des Kriegsgeschehens wechseln sich ab mit breiteren Perspektiven, die den Konflikt und den Krieg an sich beleuchten.

Das beigegebene Vorwort von Benedikt Kaiser hilft dabei, sich im unübersichtlichen Getümmel des Krieges zurechtzufinden, indem ein historischer Abriss und Überblick über die beteiligten Milizen und Armeen gegeben wird. So können wir den Schilderungen Millets folgen, ohne dass der Lesefluss groß gestört wird. Des Weiteren wurde die deutsche Ausgabe eigens mit einem umfangreichen Fußnotenapparat versehen, der dem Leser literarische Querverweise oder Spitzfindigkeiten der französischen Sprache verständlich macht. Außerdem im Buch enthalten sind zwei lesenswerte Essays über das Zusammenspiel zwischen Islamismus und Kapitalismus, über das Christentum im Orient, sowie ein kurzes Interview mit dem Autor.

„Der Krieg hat immer etwas unglaublich Belebendes“

Töten ist kein einfaches Kriegstagebuch, sondern ein brillanter Essay. Nach dem Skandalon um den „Literarische[n] Gesang auf Anders Breivik“ der Millet in Frankreich zum Außenseiter machte, nähert er sich einem ebenso skandalträchtigen Thema mit aus der Zeit gefallenen Ansichten. Bei all den Schrecken und der makabren Profanität, die Millet beschreibt, ringt er dem Krieg trotzdem eine ästhetische Dimension ab. Ganz in der Tradition von Jünger und anderen gilt ihm der Krieg nicht nur als Vernichtung von Leben, sondern als dessen Steigerung. Mehr noch: Der Krieg machte Richard Millet erst zu dem Menschen und Schriftsteller, der er heute ist. Man fühlt sich an das alte Wort des Heraklit erinnert: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“.

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