fbq('track', 'ViewContent');
Verbinde dich mit uns

Theater

Große Freiheit Nr.7 – Wo Freiheit zeitlos ist

Wir haben uns das Theaterstück zum Kultfilm angesehen.

Veröffentlicht

am

Copyright: Oliver Fantitisch

„Die Große Freiheit, die hat mich fix und fertig gemacht. Ich bin ein Wrack, bin eine stinkige Landratte geworden.“

Traurig steht Jonny Kröger, der singende Seemann, in seinem Matrosenanzug da. Der alte Admiral kommt hinzu und will ihn beschwichtigen. Dann gehen die Scheinwerfer aus. Aus dem Lokal wird eine altmodische Wohnung.

Was viele wohl aus dem Kultfilm „Große Freiheit Nr. 7“ kennen, ist nun in Form eines Theaterstücks von Ulrich Waller auf die Bühne im St. Pauli Theater in Hamburg gebracht worden.

Der Protagonist, Jonny Kröger, im Film verkörpert von Hans Albers, tritt in einem Lokal auf der Reeperbahn, dem Hippodrom, als der Singende Seemann auf. 17 Jahre lang ist er zur See gefahren und mischt nun das Hamburger Nachtleben auf. Die zwei Matrosen Jens und Fiete kommen ihn wie immer besuchen, wenn sie mit der Padua, auch Krögers altes Segelschiff, im Hamburger Hafen anlegen. Denn ein jeder Seemann weiß, nirgendwo sonst gibt es so viele reizvolle Damen und Amüsements für eine Nacht. Als Jonnys Bruder stirbt, hinterlässt er ihm ein Mädchen, Gisa. Jonny nimmt sie zu sich und schon bald öffnet sich sein Herz dem unschuldigen Mädchen. Wäre da nur nicht der junge, hochmütige Hafenarbeiter, der trotz Gisas anfangs abweisender Haltung, einfach nicht locker lässt.

Mit viel Flair und Hamburg-Charme taucht der Zuschauer in eine heile Welt, in der sich alles um die Hamburger Heimat, Freiheit, Unabhängigkeit und das kleine Glück dreht. Kein Wunder also, dass schon bei der Filmpremiere Ende des Jahres 1945, im Waterloo-Kino in Hamburg die Zuschauer in langen Schlange standen. Die Kinokarten wurden auf dem Schwarzmarkt gegen Naturalien und Luxuswaren getauscht.

Es war das Filmereignis des Jahres und trotz, oder gerade wegen des beschwerlichen rationierten Lebens im durch den Krieg äußerst gezeichneten Hamburg,  ließ es sich niemand nehmen, Hans Albers in seiner Paraderolle zu bewundern. Man wollte den Alltag vergessen und sich, zumindest für diesen kurzen Moment, an seine schöne Heimat erinnern. Und sich an schönere Zeiten zurückerinnern, als diese Großstadt als Deutschlands Tor zur Welt war.

 

Die Dreharbeiten für den Film begannen schon 1943 mit einem für damalige Verhältnisse reichhaltigen Budget von 1,5 Millionen Reichsmark. Es sollte ein Unterhaltungsfilm werden, der durch die beschwerlichen Zeiten des Krieges half, ähnlich wie zuvor schon der Film Münchhausen, ebenfalls mit Hans Albers.

Viele wichtige Szenen des Films wurden in der Hansestadt selber gedreht und das obwohl die Dreharbeiten in die Zeit der schwersten Bombardements viel, die Hamburg während des ganzen Krieges treffen sollten. Mehrere Male musste das gesamte Filmteam, inklusive der Schauspieler, die Dreharbeiten unterbrechen um in den, heute immer noch im Stadtbereich St. Pauli stehenden Bunkern, Schutz zu suchen. Die Innenszenen wurden schließlich in den Babelsberg- Studios gedreht. Fertiggestellt wurde der Film letztendlich in Prag. Doch trotzdem gelang es dem Regisseur dem Film nichts von seiner Entstehungsgeschichte anmerken zu lassen. Peinlich genau wurde darauf geachtet, keine Spuren des Krieges auftauchen zu lassen. Kein einziges zerstörtes Haus erscheinen im Bild  und die während der Außenszenen im Hintergrund stehenden Kriegsschiffe wurden mit Tarnnetzen abgehängt. Lediglich die Uniformen, der kurz im Film auftauchenden Polizisten zeugen davon, dass der Film im dritten Reich spielt.

Auch hinter den Kulissen wurde dem Regisseur Helmut Käutner große Freiheiten gelassen, nur der Name des Protagonisten wurde von Jonny zu Hannes geändert.

 

Zentraler Aspekt ist und bleibt jedoch die Zeitlosigkeit der Geschichte. Die Liebe zur Heimat sowie die unglückliche Liebe zu einem anderen Menschen beschäftigt die Menschheit, jedenfalls im tiefsten Inneren, schon durch ihre Bestehens Zeit hindurch. Umso schöner, dass das St. Pauli Theater nun fast ohne erhobenen Zeigefinger und den hochmütigen Abstand zur eigenen Geschichte, dieses Stück aufführt. Mit neuer und alter Musik fühlt man sich als säße man selber im Hippodrom bei den lasziven Auftritten längst vergessener Sängerinnen. Dazu trägt natürlich auch der Charme des kleinen gemütlichen St. Pauli- Theaters bei, das, übrigens auch auf der Reeperbahn gelegen, zu den ältesten Theatern in ganz Deutschland zählt.

Das ganze Stück hält sich nah an die Filmvorlage, teilweise sind sogar ganze Dialoge übernommen. An Heimatcharakter fehlt es so bei weitem nicht. Das Bühnenbild ist schlicht gehalten, es wird auf moderne Fantastereien verzichtet. Dafür müssen die Schauspieler umso mehr auftrumpfen. Und das gelingt den allermeisten der neun Schauspieler, jedenfalls zum Ende hin. Vor allem Anne Weber mit ihrer Darstellung der Bardame Anita Schröder überzeugt. Ihr kauft man das Leben in einem Nachtlokal auf der Reeperbahn am meisten ab. Für den Hans Albers- Kenner ein wenig enttäuschend ist die Darstellung des Johnny Kröger durch Volker Lechtenbrink. Wer auf den urigen Schnack und den selbstbewusst melancholischen Charakter gehofft hat, hat weit gefehlt. Kröger wird unsicher und tatterig dargestellt. Einen alten Greis, nicht den alten Seebären sieht man. Ob das so gewollt ist, weil man Hans Albers ohnehin nicht imitieren kann oder man sich dann doch vom strahlenden, kernigen Mann, der so im Dritten Reich gelobt wurde, distanzieren will, bleibt fraglich.

Sicher ist jedoch: So wie schon zu Kriegsende die Leute in den Film strömten, um sich einer schöneren Zeit zu erinnern, ist das Theaterstück die Möglichkeit sich an den urigen Charme einer Seefahrerstadt zu erinnern, die zwar genauso verrucht war wie heute, jedoch schon lange an Stil und Charakter verloren hat. Verlässt man das Theater und wandelt durch die kleinen Gässchen St. Paulis sieht man jedenfalls für eine kurze Zeit Hamburg mit ganz anderen Augen.

Werbung
1 Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "Große Freiheit Nr.7 – Wo Freiheit zeitlos ist"

Benachrichtige mich zu:
avatar
2500
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
Cube
Gast

Also im Film heißt der Charakter Hannes Kröger … hat man dies im Theaterstück wirklich auf Jonny geändert?

Werbung

Beliebte Beiträge

Unterstützt Arcadi!

Wenn dir unsere Arbeit gefällt, folge uns oder spende einen Beitrag!