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Finis Germania: Der Bestseller, der keiner sein darf

Ein kleiner, unscheinbarer Hundertseiter mit kurzen Aufsätzen steht auf einer Sachbuch-Bestenliste und bei Amazon auf Platz eins und macht Skandal. Es raschelt empört quer durch den Blätterwald. Verursacher ist Rolf Peter Sieferle (1949 – 2016), ein mit hoher Reputation versehener Geisteswissenschaftler, der in „Finis Germania“ unter anderem über Auschwitz und dessen Wirkung auf die aktuelle Gesellschaft nachzudenken wagt.

Die Meinungen sind eindeutig geteilt: Für einige wenige ist es ein philosophisches Meisterwerk, für die anderen ein „völkisch-antisemitisches Machwerk“. Nach der Frankfurter Allgemeinen ist das „späte Denken dieses alten, kranken Mannes durch und durch antifreiheitlich und ressentimenterfüllt“.Eine große Rolle spielt dabei, dass das Buch im Antaios-Verlag erschienen ist, „in den Händen rechtsradikaler Büchsenspanner“ (Die Zeit). Die TAZ findet, es sei nun Zeit, über die Entgrenzung nach rechts im Feuilleton zu reden. Das Sag- und Wählbare habe sich in der Bundesrepublik nach weit rechts verschobenen.

Um das Buch hatte es schon im Juni einigen Wirbel gegeben, nachdem der „Spiegel“-Redakteur Johannes Saltzwedel, Mitglied in der unabhängigen Jury „Sachbücher des Monats“, Sieferles Werk dafür empfohlen hatte; ein fast schon revolutionärer Akt. Nach heftiger Kritik war Saltzwedel als Jurymitglied zurückgetreten. Nun flog „Finis Germania“ von Platz 6 der aktuellen Sachbuch-Bestsellerliste des Spiegels. Begründung: Die Chefredaktion hält es für klar antisemitisch und will dessen Verbreitung nicht unterstützen. Säuberung beendet und das ganz ohne Bücherverbrennung! Kann jemand denen mal bitte den Streisand-Effekt erklären? Finis Spiegel.

Der eigentliche Skandal an diesem Buch ist die Ansicht einiger Medien, das Denken für die Öffentlichkeit übernehmen zu dürfen. Grüße an Orwell. Meinetwegen kann man sich wie Kesselflicker um den Inhalt von „Finis Germania“ streiten, sich aber nicht von selbsternannten Moralaposteln vorschreiben lassen, was man lesen darf und was nicht.

Foto: Finis Germania / 10. Mai 1933, Bücherverbrennung durch die Deutsche Studentenschaft am Opernplatz in Berlin. Bundesarchiv Bild 102-14597, Berlin, Opernplatz, Bücherverbrennung (CC BY-SA 3.0 de)

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