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Unterhaltung

Es: Clownterror und Kleinstadtidyll – Klassiker gegen Neuauflage

Welche Version gefällt Euch mehr?

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Alle 27 Jahre sucht der Horror-Clown Pennywise das beschauliche Derry im US-Bundesstaat Maine heim und genau 27 Jahre ist es her, dass die erste Visualisierung des erfolgreichen Stephen King Romans uns das Fürchten lehrte.

Mittlerweile ist das Horror-Genre überschwemmt mit Clowns, doch vor einigen Jahrzehnten standen die bunten Spießgesellen mit roter Nase noch für Spaß, Scherz und Schelmerei

Stephen King änderte das mit seinem 1986 erschienen „It“ schlagartig. Als vier Jahre später eine zweiteilige Miniserie erschien, die die Grauen um das Monster aus der Kanalisation ins Fernsehen brachte, war der gute Ruf aller geschminkten Spaßvögel dahin. „Coulrophobie“, die Angst vor Clowns, bis dahin nicht existent, und wenn nur als seltenes Phänomen, wurde plötzlich ein Begriff und bis heute grinsen zahllose albtraumhaft bemalte Gesichter fies von allen Seiten herab, wenn man durch die Ab-18-Abteilung einer Videothek wandelt.

Die Faszination ist so einfach wie brillant: Stephen King zieht für seine Schriftstücke Alltägliches und Vertrautes heran und verleiht ihnen ungewohnten Schrecken: so auch Haustieren, Spaziergängen, Gemüse und eben Clowns.

Der Meister der Horrorliteratur nimmt als zweite Zutat eine Handvoll seiner „Stand-by-me“-Stereotypen, gehandicapte Kinder aus schwierigen Haushalten, welche von anderen Gleichaltrigen ausgegrenzt und gemobbt werden, sich aber zusammenschließen und eine enge Bindung zueinander entwickeln. Terrorisiert werden sie im Klassiker von den West-Side-Story-Klischeerowdys der 60’er und 70’er: Lederjackentragenden Rockerkids mit Pomadefrisur und Klappmesser.

Der „Club der Verlierer“, wie sich die sieben Außenseiter nennen, stellt bald fest, dass sich in einem Abstand von 27 Jahren fürchterliche Dinge in Derry ereignen und immer wieder Kinder auf mysteriöse Weise verschwinden. Schnell finden sie heraus, dass das Monster Pennywise hinter dem Kleinstadt-Terror steckt, eine Kreatur, mit der Fähigkeit sich in die schlimmsten Ängste eines Menschen zu verwandeln. Zum Zweck Kindern leichter Vertrauen zu entlocken, nimmt es aber am häufigsten die Gestalt eines bunten und freundlichen Witzboldes an.

Um zu erfahren, ob und wie es den Kindern gelingt das formlose Grauen zu besiegen, wird sich jeder selbst dem Schrecken des Kultromans oder einer seiner Verfilmungen aussetzen müssen. Gesagt sei aber: King-typisch werden die Hintergründe gar nicht oder nur kaum erläutert. Seinen Grusel zieht der König der Horror-Literatur nicht zuletzt aus kryptischen Enden und einem gewollten Mangel an „logischen“ Erklärungen.

 

Was die 90’er Jahre Version besser macht

Die Neuauflage hat im Gegensatz zum „Original“ zwei eklatante Schwächen. Andrés Muschietti hat zwar einen düsteren und stimmungsvollen Film an die Leinwand gezaubert, der zwei Stunden durchgehend fesselt und den Kinobesucher immer und immer wieder in einem Feuerwerk aus (leider viel zu vorhersehbaren) Jump-Scares zusammenzucken lässt, erreicht die dichte Atmosphäre der Version aus dem letzten Jahrhundert aber leider nicht. Was den Zuschauer damals so verstört hat, war der brutale Kontrast einer hellen Vorstadt und dem eigentlich nicht gefährlich aussehenden Clown, der sich aber als grauenerregendes Monster offenbart, wenn es seine Opfer in der Falle wähnt. Man kaufte Timm Curry den schrulligen Clown ab, der auf Kindergeburtstagen Luftballons knotet und Zirkusmanegen zum Johlen bringt. Dann ist da aber eben auch die andere Seite des Ungeheuers; das fürchterliche Ungetüm, das entstellt aus der Kanalisation steigt um Kinder zu fressen und tief unter die Erde zu entführen. Dieser Aspekt geht Hand in Hand mit dem zweiten Problem der Neuerscheinung: Pennywise – ist – einfach – nicht – gruselig! Seine Äußeres schreit von der ersten Erscheinung an heraus, dass er nichts gutes im Schilde führt. Er ist finster geschminkt, feine rote Linien ziehen sich von den Mundwinkeln aus wie Kriegsbemalung durch das Gesicht, ein verschlagenes Grinsen und böse funkelnde Augen würden selbst einem Zuschauer, der nicht wüsste worum es geht, keine Sekunde vor machen, Pennywise sei ein nur ein schräger Clown. Aber genau das machte den Film von 1990 so verstörend. Der Bösewicht der 2017’er Version verformt und verrenkt sich grotesk, bewegt sich wie eine Puppe und gackert verstörend, aber das haben wir leider schon in zahllosen Horrorfilmen zuvor gesehen. Ich erkenne den psychedelischen Effekt, den Muschietti mit einem sich marionettenartig bewegenden Pennywise erzeugen will, aber es reicht leider nicht um den facettenreichen Clown von vor fast drei Dekaden zu erreichen.

 

Was die 2017’er Version besser macht

„Es“ von 2017 hat in den vereinigten Staaten Kinogeschichte geschrieben. Mit 117 Millionen Dollar, allein am ersten Wochenende, stößt Muschietti den bisherigen Horrorfilm-Spitzenreiter „Paranormal-Activity 3“ vom Thron, der in den ersten Tagen nicht Mal die Hälfte einspielte. Und das zurecht. „Es“ jagt den Zuschauer mit Salven grauenerregender Bilder durch den Film und lässt ihm selbst zwischen den Auftritten von Pennywise keinen Moment der Entspannung.

Ich wage es kaum zu sagen, aber einer der Gründe, die die Story so mitreißend machen, sind die sympathischen Protagonisten. Viel zu oft liefern Kinderdarsteller hölzerne Vorstellungen oder überzeichnete Charaktere ab, in der Neuauflage hingegen erleben wir eine Bande glaubwürdiger und schräger Vögel, die sich die meiste Zeit wie Jungs ihres Alters verhalten; überzogen maskulines Gebärden, inflationärer Gebrauch von Kraftausdrücken und das reißen von Sexwitzen in den unpassendsten Momenten, von deren Pointen sie die Hälfte selber nicht verstehen. Sie streiten sich, vertragen sich und nehmen sich pausenlos gegenseitig auf das Korn, wie 13-Jährige es untereinander eben tun. Nicht nur die Inszenierung der Kinder ist gelungen, auch, dass der Fokus auf ihrer Jugend liegt, ist ein Pluspunkt. Die Miniserie verwirrte seinerzeit mit Sprüngen zwischen der Geschichte der erwachsenen gewordenen Mitglieder des „Clubs der Verlierer“ und Flashbacks aus ihrer Schulzeit. Das bleibt uns 2017 erspart und wir verfolgen zwei Stunden lang den Kampf gegen fiese Eltern, brutale Mitschüler und persönliche Ängste. Ein Verzicht, der die Neuauflage ebenfalls aufwertet, ist das Fehlen von Pennywise’s „wahrer Gestalt“. In den 90er Jahren bestaunten wir romangetreu eine alberne Stop-Motion-Spinne als unverbildeten Körper des Ungeheuers.

 

Was bleibt, ist die Tatsache, dass der Zweiteiler von vor fast 30 Jahren schlecht gealtert ist. Muschietti gelingt es zwar nicht seinem Vorgänger nur den Staub abzuklopfen und einen ebenso verstörenden Horrorfilm zu erschaffen, trifft aber mit liebenswerten Protagonisten, einer spannend erzählten Geschichte und Jump-Scares, die einem den Schauer den Rücken herunter jagen, trotzdem den richtigen Nerv. Wer einen erstklassigen Schocker sehen möchte, der einen 120 Minuten aufrecht im Kinosessel sitzen, kaum zu Atem kommen lässt und das Potenzial zum Klassiker hat, wird sich um eine Vorstellung von Pennywise dem tanzenden Clown nicht drücken können.

Fotos: Warner Bros.

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Bücher

Wie verändert sich das Leben durch ein Baby?

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Quelle: Verlag

Was sind das denn für putzige Abbildungen? Den Französinnen Shiva Shaffii und Elisa Bastet gelingt mit ihrem Buch über das Elterndasein ganz großes Kino. Die beiden sind Mütter und haben nicht nur die Schattenseiten ihrer Elternzeit auf Papier gebracht, sondern vor allem auch die Neuerungen durch das neue Familienmitglied. Dies geschieht stets augenzwinkernd und mit einer großen Prise Humor. Jede Doppelseite wartet mit lustigen und skurrilen Abbildungen auf. Aus Rotwein wird Muttermilch, aus Ordnung Chaos und aus Tequila Tee.

 

Im Grunde genommen ist das Buch einfach nur ehrlich. Eine ehrliche Abrechnung damit, was man im Leben noch machen kann und was vielleicht doch weggefallen ist durch ein Kind. Kinobesuche oder mal alleine ins Theater? Das geht alles nicht mehr. Trotzdem macht das Werk großen Mut. Die 192 Seiten zeigen auf, dass es kein Unglück ist, wenn man Papa oder Mama wird. Ein Kind bedeutet vielleicht Einschränkung in gewissen Bereichen, aber die Freude über die neu geöffneten Türen ist um ein vielfaches größer. Wer ist also hier angesprochen mit dem Buch? Junge Eltern, Paare, die es noch werden wollen oder werdende Eltern. Sie alle werden mit diesem süßen Büchlein ihre Freude haben und sich wahrscheinlich auch schon wiedererkennen. Und das ist auch gut so.

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Bücher

Unsere Gelesen-Reihe bei YouTube – Die Leuchtkugeln

Spannend bis zur letzten Seite: Die Leuchtkugeln von Horst Lange.

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Kunst

Die Kunststätte Bossard – Nordische Mythen und Tempel der Kunst

Was sich dahinter verbirgt und warum sich ein Besuch lohnt, erfahrt ihr hier.

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„Auf einem Gelände, in der Nähe des Naturschutzparkes in der Lüneburger Heide, soll ein Kunsttempel erstehen. Den Heidewanderern, den sehnsüchtigen jungen Menschen der Großstadt soll zum Naturgenuss der weiten Ebene und des hohen Himmels des niederdeutschen Landes, der Atem Gottes, wie er am reinsten und doch menschennahesten aus dem großen, einheitlichen Kunstwerk quillt, eine schönheitliche Quelle, eine Stätte innerer Einkehr errichtet werden.“

Mit diesen Worten wandte sich das Künstler-Ehepaar Johann und Jutta Bossard im Jahr 1925 an Freunde und Verwandte mit der Bitte um eine Geldspende zur Finanzierung eines „Tempels der Kunst“. Johann Michael Bossard, 1874 in der Schweiz geboren, begann seine Lehrtätigkeit als Professor in Hamburg im Jahre 1907, bei welcher er seiner zukünftigen Ehefrau Jutta Krull begegnete, die als Schülerin unter ihm lernte. Zu dieser Zeit war Bossard bereits von Motiven der nordischen Mythologie fasziniert, die damals im Zuge der Nordischen Renaissance zahlreiche Künster inspirierte (Hugo Höppener alias Fidus, Hermann Hendrich), da die Sagas einerseits nicht so verbraucht waren, wie jene der griechischen Antike, und da sie zudem als Teil der verlorenen Identität der Deutschen betrachtet wurden. Bossard hatte zudem eine persönliche Verbindung zur germanischen Götterwelt: Durch eine Scharlachinfektion erblindete er bereits als Kind auf einem Auge, was in ihm eine Verbundenheit zum einäugigen Magier- und Totengott Odin nährte, mit dem er sich Zeit seines Lebens identifizierte und den er vielfach in Plastik und Bild erschuf.

Der Tempel wurde in einem Waldstück bei Jesteburg tatsächlich erbaut – und er steht noch heute und bildet das Herz der „Kunststätte Museum“ Bossard, die auf großflächiger Anlage noch einen Edda-Saal, Atelier und Wohnhaus, Grabstättte der Künstler, einen Selbstversorger-Garten, eine Skulpturenreihe und nach spirituellen Aspekten gepflanzte Baumreihen umfasst. Die Gesamtanlage verdeutlicht die Nähe der Bossards zur Lebensreformbewegung, die das Religiöse nicht als singulären Akt beim sonntäglichen Kirchgang auffasste, sondern die das gesamte Leben und den Alltag in einen spirituellen Kontext stellen wollte. Die Kunst sollte, ja musste spiritueller Natur sein, sollte eingebunden sein in gemeinschaftliche Arbeit, in gemeinsame Rituale. In seiner Werbeschrift, die auch sozialutopische Ideale der Lebensreform beinhaltete, empfahl er Jugendlichen in seiner Kunststätte ein „Tempeljahr“ abzuhalten, welches der künstlerischen und geistigen Entwicklung dienen sollte. Bossard war sowohl bei der Nähe zur Lebensreform als auch bei dem Wunsch, dieser neuen Religion eigene Tempel zu bauen, geistig nah an dem Diefenbach-Schüler Fidus (Hugo Höppener), der sein Ideal ebenfalls im Tempelbau und in der Schaffung eines Gesamtkunstwerks sah, daß vom „germanischen Geist“ erfüllt sein sollte. Während Fidus jedoch Baupläne zeichnete und das Gesamtkunstwerk schriftlich ausformulierte, hatten die Bossards den ihren längst erbaut und gingen noch weit darüber hinaus.

Odin & Freya

Schreitet man durch das Tempelportal, braucht es eine gewisse Zeit, bis man sich der Überwältigung entledigt, die einen in Anbetracht der erhabenen Bilderflut und der eindringlichen Stimmung erfasst. In schier fassungsloser Farbenpracht sehen wir universell-mythologische Motive, die gemäß der Einladung Bossards und der Lebensreform, den „Atem Gottes hauchen“. Unter dem Tempeldach thront ein gigantisches Holzgebälk, das bis in den kleinsten Winkel bemalt ist. Die hohen Fenster werfen je nach Wetterlage ein anderes Licht, welches den Tempel entweder gleißend illuminiert oder in schattenhafte Dämmerung setzt. Jeder Wechsel des Lichtes ist ein anderes Erleben im Inneren. Was die Bossards hier geschaffen haben, ist das direkte Spürbarmachen des Göttlichen. Für den Tempel schuf Bossard drei Bilderzyklen, die wechselnd aufgehängt werden sollten, die Oliver Fok in seiner Einführung in das Leben und Werk Bossards folgendermaßen zusammenfasst: „Während der erste Zyklus Krieg, Religionen und Untergang thematisiert, wird im zweiten Zyklus der Aufbau dargestellt. Der dritte Bilderzyklus heißt „Das goldene Zeitalter, da Götter und Menschen in Eintracht gewandelt“. Entstanden ist er in den Jahren 1942 und 1943.“ Werktitel wie „Rune des Geistes“ oder „Der gefesselte Prometheus“ sprechen eine klare Sprache.

 

Neben dem Tempel schufen sie den Edda-Saal, der sich ganz konkret den Nordischen Mythen widmete. Die Eingangstür ziert Motive der Wieland-Sage, der Innenraum ist von den Wänden mitsamt der Decke mit Motiven aus der Edda und den nordischen Sagas versehen: wir sehen Thor in seinem Wagen, Heimdall und Freya, Göttervater Odin auf seinem Thron, den fatalen Schuss auf Balder durch die List des Loki und vieles mehr. Dazu sehen wir die Plastiken des einäugigen Odin, die Bossard in empfundener Verbundenheit erschuf.  Durch das Krimhild-Tor geht es in einen dunklen Vorraum, der weiterer in nordischen Motiven schwelgt, auch wenn diese leider bei der herkömmlichen Beleuchtung nur vage zu erkennen sind. Hier ist auch der Aufgang in die obere Etage, die Wohnraum und Atelier verband. Diese Räumlichkeiten sind heute nur in Verbindung mit einer Führung zu betreten. Diese lohnt allemal, denn die Schlaf- und Lebensräume verdeutlichen den kompromisslosen Ansatz der Bossards, der keine Trennlinie zieht zwischen dem Alltag und dem schöpferischen Akt: der Schlafraum folgt stilistisch dem Edda-Saal, gelebt wird inmitten eines Kunstwerks.

 

Das Leben der Bossards wirkt wie ein Gegenentwurf zur Moderne. Sie widmeten ihr gesamtes Leben ihrer Kunst, ihr Leben war ihre Kunst. Beide schöpferisch tätig bis zum Tod; beide taten sie bis zuletzt alles, um das Gesamtkunstwerk zu erweitern und für kommende Tage zu sichern. Eine ähnliche Verpflichtung an das Werk kennen wir in dieser äußersten Form nur von Wagner. Die Bossards lebten zwar das Ideal der Kommune, doch was jenseits der heimischen Wälder an gesellschaftlichem Leben sich vollzog, war nicht in ihrem Sinne. Bossard war stets der Meinung, daß die Kunst vom Suchenenden gefunden werden und der Künstler sich nicht als Hausierer betätigen müsse, der sich selbst herabsetzt, indem er um Käufer und Bewunderer bettelt. Im Leben und in der Haltung die Antithese zu unserer Social-Media-Zeit, die den Bruch zur Tugend erhebt und die sinnenlehrte Vernetzung um ihrer Selbst willen propagiert. Bossards Wahlspruch, der auch im Einführungsvideo des Museums zitiert wird: „Die meinen werden mich schon finden.“. So berichten berufliche Weggefährten von einer „freundlichen Distanz“, die er stets zu Kollegen und Schülern wahrte und die ihn jede gesellschaftliche Verpflichtung meiden ließ. Diese Haltung spiegelt sich auch in seiner Lehrmethode wider, die darauf abzielte, die eigene Kreativität im Schüler freizusetzen und nicht diese zur Nachahmung des Stils und der Methode des Lehrmeisters zu motivieren.

 

Johann Michel Bossard verstarb 1950 im Alter von 74 Jahren. Seine Frau führte die Kunststätte weiter und sicherte den Fortbestand dieser dadurch, daß sie die Stätte in eine Stiftung überführte. Jutta Bossard verstarb im Jahr 1996 im Alter von 93 Jahren. Nach ihrem Tod wurde die Kunsttätte in ein Museum umgewandelt und organisiert für Besucher zugänglich gemacht.

 

Gegenüber dem dem neuen Atelier und dem Holzschuppen, den Bossard für die Lagerung des für Tempelholzes erbaute, liegt die Monolithenallee: ein von Findlingen gerahmter Weg in einen kleinen Hain. Dieser führt zu einem großen Stein, unter dem die Asche von Johann und Jutta Bossard sowie Juttas Schwester, Wilma Krull, ruht, die als gute Seele der Kunststätte das Lebenswerk der Bossards begleitete.

 

Geradezu ironisch mutet es an, wenn man die Umhegung und Finanzierung der Kunsttätte heute betrachtet: Regionalpolitik, Kulturverein und Sparkassenstiftung geben sich hier die Klinke in die Hand und betreiben die Erinnerung an einen Künstler, der, würde er heute mit gleichen Ideen und gleicher Kunst als Professor an einer deutschen Universität wirken, mit Berufsverbot und einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz rechnen müsste. Doch da die Kunststätte etabliert, der Tempel gebaut ist und Besucher schart, geht man in den Bund mit einer Kunst, die man eigentlich ablehnt und versucht, die Themen neu zu besetzen und die impulsgebenden Motive für die Kunst der Bossards in der Außendarstellung möglichst klein zu halten. Die Bossards haben die Zusammenarbeit mit den Nazis stets abgelehnt. Die Unterstützung durch die heutigen Machthaber dürften ihnen ebenso suspekt sein.

 

www.bossard.de

 

Stiftung Kunststätte Johann und Jutta Bossard
Bossardweg 95
21266 Jesteburg

ÖFFNUNGSZEITEN

1.11. bis 28.2.
So 11–16 Uhr

1.3. bis 31.10.
Mi–So 11–18 Uhr

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