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Leben

Die Schönheit des Inneren

Kommst du mit deinem Inneren klar? Bist du mit dir im Reinen? Oder haben wir doch alle damit zu kämpfen, wer wir sind, was wir sein wollen und was wir sein könnten?

Quelle: Pixabay

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Die schönste Kunst, egal in welcher Form, sei es musikalisch oder visuell erfahre ich nie bei der ersten Begegnung. Im Gegenteil, Menschen, die mir auf den ersten Blick hübsch erscheinen verlieren manchmal schon beim dritten Mal Hingucken ihren Reiz.

 

Die wahre Schönheit findet wie guter Wein erst nach einiger Zeit die ästhetische Reife, die mich ein Leben lang begleiten könnte. Vielleicht liegt das aber auch am Kennenlernen des Charakters der dahinter steckt. Wenn der so einseitig ist, wie nicht selten am Aussehen erkenntlich oder wenn er gar eine der Schubladenüberzeugungen und Ideale adoptierte, ist meine Zeit hier falsch investiert.

 

Möchte nicht behaupten, dass man Vielschichtigkeit im Gesicht tragen kann oder das „heart on the sleeve“, doch strahlen von Grund auf zufriedene Menschen, die diesen Status durch Selbstreflexion und der einhergehenden Steigerung des Selbstwertgefühls erreicht haben, eine innere Ruhe und Zufriedenheit aus, die sich gut und gerne auch optisch in ansprechender Weise bemerkbar machen.

 

Die Optik mag eine eigene Sprache haben wie jedes andere Sinnesorgan eine hat, dessen Vokabular sich im Laufe des Lebens erweitert und an persönlicher Note durch Dialekt Individualität verspricht. Was ist dann mit den vielen Models, welche die Gesellschaft scheinbar einstimmig für hübsch befindet? Ist es vielleicht erst die Gesellschaft und deren Propaganda in Fernsehen und Internet, die uns erzieht hübsch zu finden, was uns da präsentiert wird? Ist es wie der Radio“hit“, der sich stündlich in der Playlist eines Senders wieder findet?

 

Ich hab‘ gehört, die Chancen stehen gut, dass sich ein Paar schon irgendwann verlieben wird, wenn man es nur lange genug einsperrt und evtl. isoliert von äußeren Einflüssen. So entstehen zweckmäßige Gemeinschaften, ist das das Ergebnis einer Alternativlosigkeit? Das Stockholm-Syndrom ist nichts anderes. Man muss scheinbar einem Menschen nur die Fluchtmöglichkeit nehmen, schon versucht er sich in seine Umgebung zu adaptieren und passt sich und seine Erwartungen den Umständen an. Ist das nicht letztendlich nur ein Instinkt, der Wille zu überleben?

 

Warum sind die „hässlichen“ Kinder ab einem bestimmten Alter Einzelgänger und mögliche Mobbing-Opfer in der Schule? Sind sie tatsächlich mit minderwertiger Ästhetik geboren oder war da zuerst der zurück gezogene, einsame und traurige Charakter der sie in diesem „hässlichen“ Licht scheinen lässt? Wenn Schönheit von innen strahlt ist es mit Hässlichkeit nicht anders.

 

Wenn nun diese Menschen nicht mit einem Selbstverständnis von Selbsthass aufwachsen (und üblicherweise eine Tendenz zu politisch links-gerichteten Motiven entwickeln) und lernen sich zu akzeptieren, sich vor allem zu vergeben, dann gehen diese Menschen ihren Weg mit zurück genommenen Schultern, einem nach vorne gerichteten Blick, kurz gesagt einer anmutenden Schönheit weiter, die seines gleichen sucht. Und die schlägt ihre Wurzeln dort wo auch Charakter gedeiht.

 

Werden einige Menschen, die übermäßig Alkohol oder Drogen konsumieren, schneller „alt“ und unansprechender weil sich nicht etwa, die dem Körper eingeflößten Chemikalien bemerkbar machen, sondern weil diese Menschen mit sich unzufrieden sind, vielleicht trinken um sich davon abzulenken, und mit diesen Zweifeln unbewusst die Fassade ihres Gefäßes streichen? So wie eine positive oder negative Einstellung das Ergebnis einer Krebsdiagnose, Krankheiten vermeiden oder hervorrufen oder einfach nur den Alltagsverlauf beeinflussen kann, so beeinflusst es auch das was wir nach außen tragen. Und das ist unser schönstes und dennoch leider auch zu oft bestgehütetes Geheimnis, das was uns erst menschlich macht.

 

Und so leben Menschen wie Aliens in ihrem Körper, versuchen ihn zu schützen vor Verfall und übermalen ihre Seele statt sich stolz zu zeigen von ihrer besten Seite. Ein Theaterstück der Menschen, die sich schämen für ihr Innerstes, die sich selber lieber fremdgehen statt Zeit zu verbringen mit dem höchsten Gut. Unter der Oberfläche erwartet dich kein Feind, sondern dein bester Freund, mit dem du dein ganzes Leben verbringst. Also lieb‘ ihn nicht aus Zweckmäßigkeit sondern weil du geehrt bist ihn dein eigen zu nennen.

Leben

Was wir von Behinderten lernen können

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In meiner Heimatstadt gab es eine große Behindertenwerkstatt, die nahe meiner Schule lag. Die Behinderten fuhren im selben Bus morgens zur Arbeit, mit welchem ich zur Schule fuhr. Daher hatte ich täglich mit ihnen zu tun. Dies waren keine körperlich, oder richtig stark geistig Behinderten, sondern jene, deren IQ so zwischen 50 und 70 liegt. Also solche, die normal rumlaufen und sich ganz gut artikulieren können, bloß ein wenig plemplem sind und eigentümliche Ticks haben.

Und, ich muss sagen: Ich liebe diese Typen inniglich. Ich will Euch mal ein paar von ihnen vorstellen.

Da war zum einen der „Chef der Autokraft“ (Autokraft hieß das Busunternehmen unserer Stadt). Ein kleiner, schwarzhaariger Mann mit gepflegtem Bart und fingerdicken Brillengläsern, der sich seinen Spitznamen dadurch erwarb, dass er im Schulbus immer vorne neben dem Busfahrer stand und dabei außerordentlich wichtig aussah. Zu seinem würdevollen Auftreten gehörte auch, dass er jedes Mal einen Nadelstreifenanzug trug und eine Melone auf dem Kopf hatte. Sah man ihn außerhalb eines Busses, rauchte er stets kurze Zigarren. Der optische Vergleich mit einem Mafioso der 20er Jahre ist nicht unangebracht. Als Kinder dachten wir wirklich, er sei der leibhaftige Chef des Busunternehmens, der einfach morgens mitfährt, um die Arbeit des Busfahrers zu überprüfen. Als mir irgendwann klar wurde, dass er einfach nur in die Behindertenwerkstatt fuhr, konnte ich nie wieder anders als breit zu grinsen, wann immer ich den wichtigtuerischen Zwerg mit seinem Hut, seinem distinguierten Auftreten und seiner ernsten Miene vorne beim Busfahrer stehen sah.

Ein anderer Behinderter aus dem Schulbus war „Prince Charles“, mit dem ich jeden Tag morgens gemeinsam auf den Bus wartete. Er sah wirklich exakt aus wie der britische Kronprinz, nur dass er anscheinend permanent erkältet war. Jedenfalls hing ihm immer der obligatorische Tropfen an der roten Nase. Außerdem trug er stets Sandalen und Socken. Aber davon abgesehen, wirkte er tatsächlich sehr aristokratisch. Stoisch, die Nase hoch in die Luft gereckt und mit blasiertem Gesichtsausdruck stand er dort und wartete majestätisch auf den Bus. Selbstverständlich war er auch jeden Tag der erste, der an der Haltestelle stand. Ganz gemäß dem Motto „Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige“.

Dann gab es den „Fotografen“. Keine Ahnung, warum der so hieß. Dies war ein älterer Mann, den man fast zu jeder Uhr- und Jahreszeit unsere Straße fegen sah. Seine Markenzeichen: Graue XXL-Koteletten, Pennermatte, Schiffermütze, gute Laune und stets ein zahnloses Lächeln auf dem Gesicht. Eine Besonderheit war seine Hose, die ich zehn Jahre lang für eine Lederhose gehalten hatte, bis mir auffiel, dass es einfach nur eine extrem speckig glänzende, unzählige Male geflickte Cordhose war.

Den Behinderten Kuno lernte ich als Zivi in einem Jugendzentrum kennen. Ein junger Mann mit treuem Blick, Lispelstimme und Segelohren, der gerne Umarmungen verteilte. Seine Lieblingsbeschäftigung war, den Terroranschlag aufs World Trade Center mit Buntstiften künstlerisch zu verarbeiten. Eine seiner Zeichnungen habe ich aufbewahrt, und wann immer ich sie mal wieder in die Hände bekomme, muss ich sehr schmunzeln. Erst einmal hat er natürlich die Zwillingstürme zu Papier gebracht, wobei er jedes Fenster einzeln zeichnete, teilweise mit Blumentöpfen und hübschen Gardinen (er brauchte dafür Stunden). Als nächstes malte er jede Menge Flugzeuge, die brennend auf die Wolkenkratzer zurasten. Und dann die Opfer: Männer, Frauen, Hunde, Katzen, Schlangen und andere Tiere, welche sich in Not aus den Fenstern der Hochhäuser stürzen. Allesamt weinend. Auch die Schlangen.

Als wären die Kamikaze-Flugzeuge nicht schon furchtbar genug, malte Kuno auch noch einen Schauer brennender Meteoriten, der zeitgleich mit den Flugzeugen auf die unglücklichen Gebäude niederprasselte. Zum Schluss, und nun kommt der Höhepunkt und der satirische Bruch, schrieb er noch hundertfach, auf jede freie Stelle des DIN-A2-Blattes, zwischen all die Flugzeuge, Meteoriten und die sich in den Tod stürzenden, weinenden Haustiere, die Worte „DJ Bobo“ und „Scooter“. Überschrieben hatte er seine Schöpfung mit „Amageddon“.

So grausam diese in Buntstift gefasste Szenerie war, so sehr musste ich doch lachen, als er mir freudestrahlend sein Kunstwerk präsentierte. Auch jetzt muss ich schon wieder kichern, während ich daran zurückdenke.

Zu guter Letzt möchte ich Euch noch Hannes vorstellen, den ich ebenfalls während meiner Zivizeit kennenlernte. Ein stadtbekannter Behinderter, der seine Narrenfreiheit aufs Köstlichste ausreizte. Wenn ich je einen Anarchisten gekannt habe, der auf Regeln einen Dreck gibt, dann ihn. Sich zwar langsam, schlurfend und gebeugt fortbewegend, wirkte er trotzdem stets unbekümmert, und so benahm er sich auch. Beispielsweise hielt er, wenn er müde war, gerne mal mitten auf dem Bürgersteig ein Mittagsschläfchen. Da lag er dann zusammengerollt auf dem Gehweg, poofte vor sich hin und sah dabei so sorglos und zufrieden aus wie ein Baby. Wenn auch wie ein Baby um die Fünfzig. Hin und wieder holte er auch mal seinen Schniedel raus, und schien sich dann sagenhaft über diesen zu freuen – so, als sei dessen Existenz eine vollkommene Überraschung für ihn. Gott sei Dank packte er ihn auch wieder ein, wenn man fragte.

Eine große Sorge hatte Hannes jedoch – nämlich, dass er nicht genug Kaffee bekam. Zwar erhielt er seinen Kaffee bei uns stets kostenlos und so viel er wollte, bestand aber trotzdem darauf, dass ich seinen Becher jedes Mal ganz bis zum Rand füllte. Vergaß ich das, legte sich sein Gesicht sogleich in tiefe Sorgenfalten, und er sah mich so wehmütig und mitleiderregend an, dass ich sofort ein schlechtes Gewissen bekam und ihm schleunigst nachschenkte. Danach folgte das immer gleiche Ritual: Erst schlürfte er den ersten Zentimeter ab, dann holte er aus der Innentasche seiner speckigen Jacke eine Packung gemahlenen Bohnenkaffees und füllte den Becher damit wieder auf. Diesen Kaffee mit Fruchtfleisch nuckelte und mampfte er dann still und zufrieden weg und wirkte dabei beneidenswert glücklich.

Mein lustigstes Erlebnis mit Hannes war folgendes: Kuno hatte seit einigen Tagen die Idee, dass er kein Behinderter im klassischen Sinne, sondern Autist sei. Autisten, so Kuno, seien zwar auch Behinderte, aber ausgestattet mit einer geheimen Superkraft. Fröhlich tat er diese These im ganzen Jugendzentrum kund und fragte schließlich den kaffeesatzkauenden Hannes: „Hannes, bist du auch Autist?“

Woraufhin dieser von seinem versifften Kaffeebecher aufblickte und äußerst trocken und lässig antwortete:

„Nein, ich bin Deutscher.“

Das war so extrem komisch, dass ich damals laut aufkreischte vor Lachen. Bis heute erzähle ich diese Anekdote gerne im Familienkreis, inklusive Stimmenimitation, und ernte noch immer großes Gelächter dafür.

Dies waren nur einige der vielen skurrilen Behinderten, die mir bis jetzt so über den Weg liefen, und der Leser fragt sich bestimmt schon, warum ich ihm diese Geschichten von den gehandikapten Originalen aus meiner Heimatstadt überhaupt auf die Nase binde, und was das mit unserem Thema, der konservativen Revolution, zu tun hat.

Nun. Ich hatte schon immer eine Antipathie gegen Gutmenschen. Aber im gleichen Maße hatte ich auch schon immer Sympathie für Behinderte – weil sie, aus meiner Sicht, so etwas wie Anti-Gutmenschen sind. Diese ganzen furchtbaren Unarten der Gutmenschen, allem voran das Virtue signalling, also das Abgeben von Statements für den alleinigen Zweck, als guter, moralischer Mensch dazustehen, sind Behinderten völlig fremd.

Zugegeben, der Grund dafür, dass viele Behinderte keine Gutmenschen sind, ist natürlich, dass ihren Hirnen schlicht etwas fehlt, ihr Verhalten ständig auf politische Korrektheit zu prüfen. Aber wie dem auch sei: Fakt ist, dass Behinderte vor allem mit ihren eigenen Problemen und Bedürfnissen beschäftigt sind und nicht, wie unsere Gutmenschen, mit Bullshitproblemen, wie ob die Lieferung oller Klamotten nach Afrika deren Wirtschaft kaputt mache und die Afrikaner deshalb nichts gebacken bekämen, oder ob Mikroplastik in der Zahnpasta ist, ob Kinderkriegen gut fürs Klima ist oder ob die Eier auch wirklich Bio sind.

Behinderte sind authentisch. Taktieren, Zynismus und Ironie sind ihnen unbekannt. Wenn sie ein Bedürfnis äußern, kann man ziemlich sicher sein, dass sie dieses auch wirklich haben, und nicht nur so tun als ob, um ihren menschlichen Wert unter Beweis zu stellen. Diese Ehrlichkeit und Unverstelltheit empfinde ich als äußerst sympathisch, erfrischend und häufig auch als extrem lustig.

Nehmen wir nur mal Kunos totale Begeisterung für den Künstler DJ Bobo. In meinem damaligen linken Umfeld, und damit meine ich auch die Pädagogen des Jugendzentrums und die häufig sich dort tummelnden Antifas, wurde ausschließlich depressive Gitarrenschrammelmusik wertgeschätzt und konsumiert. Offen zur Schau gestellte Begeisterung für einen so profanen und mainstreamigen Musiker wie DJ Bobo galt als übler Fauxpas. Aber Kuno war das vollkommen wurscht. Er garnierte auch weiterhin jedes Stück Papier, das er in die Hände bekam, mit DJ Bobos Namen. Und seine offene Begeisterung für den King of Dance hatte auch einen angenehmen Nebeneffekt: Kuno versetzte mich damit in die glückliche Lage, unter Hinweis auf seinen ausdrücklichen Wunsch öfters mal DJ Bobo aufzulegen. Natürlich zum Unbehagen der anwesenden Antifaschisten, die sich dagegen aber nicht wehren konnten, da Kuno mit seiner Behinderung und seinem damit einhergehenden Opferstatus natürlich den moralischen High ground für sich beanspruchen konnte.

Meiner Meinung nach können wir uns eine dicke Scheibe von solchen Behinderten abschneiden. Natürlich nicht von ihrer geistigen Retardiertheit. Aber von ihrer Offenheit, ihrem Mangel an Falsch, ihrer Besinnung auf ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse und ihrem absoluten Desinteresse an politischer Korrektheit. Wenn wir DJ Bobo und Scooter lobpreisen wollen, sollten wir das verdammt noch mal tun. Freiheraus, offensiv und ohne Schamgefühl. Und wenn uns unser eigenes Land wichtiger ist als das verflixte Afrika und uns die Moslems alle mal kreuzweise können, dann sind das unsere ureigenen Empfindungen und wir haben das verfluchte Recht, diese ebenfalls freiheraus, offensiv und ohne Schamgefühl zu artikulieren.

Lasst uns ehrlich zu unseren Ansichten stehen und auf die Gutmenschen mit ihrer armseligen politischen Korrektheit pfeifen. Wenn Kuno das kann, können wir das auch.

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Leben

Wir haben ein Problem mit unserem Frauenbild

Warum wir ein falsches Frauenbild pflegen und damit Konflikte produzieren.

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„Wo ist denn die nächste Tankstelle?“ Meine Mutter sitzt hinter dem Steuer ihres Wagens. „In den Kreisel, dritte Ausfahrt. Dann kommt gleich eine.“ Ich, leicht genervt, weil das Tankstellenzeichen groß und deutlich auf dem Navi zu sehen ist. Angehalten, getankt und dann noch schnell einen Kaffee – zweimal Milch und ein halbes Päckchen Zucker – man will ja schließlich nicht am Steuer einschlafen. Dann, beim rausgehen bleibt mein Blick an der Zeitschriftauslage kleben. Seltsam, denn eigentlich interessieren mich Klatschblätter nicht. Jedoch heute: mir fällt eine BILD der Frau ins Auge. Ich muss lachen.

Es vergeht doch kaum eine Woche, in der nicht ein neuer „Sexismus-Skandal“ die Öffentlichkeit erschüttert. Googelt man „Sexismus“ oder „Sexismus im Alltag“, wird man schnell fündig. Allein dieses Jahr gab es haufenweise Artikel, Kolumnen und Kommentare zu dem Gespenst, das umgeht. O-Ton: Mann sagt irgendetwas zu einer Frau. Diese reagiert pikiert, weil sexistisch. So ein Artikel auf Spiegel Online vom 04.11.2017. Die Autorin war im Zuge ihrer Arbeit mit einem Mann im Gespräch. Dieser sagte zu ihr: „Sie sollten mehr lächeln. Dann sehen Sie viel hübscher aus.“ Zack! Der männliche Sexist hat mal wieder zugeschlagen. Was fällt diesem Lustmolch auch ein, dieser armen Frau ein Kompliment zu machen?

Frau Komplimente machen ist für Mann heute eine gefährliche Sache. Das geht so weit, dass man wütend angefahren wird, wenn man einer Mitstudentin die Tür aufhält. Damit würde man ihr nämlich signalisieren wollen, sie würde das nicht allein hinbekommen. Auch sollte Mann Themen, wie kochen, Haushalt oder Kinder tunlichst aussparen, wenn man mit Frau redet. Es sei denn, man hat Todessehnsucht.

All das geht mir durch den Kopf, während ich vor dem Zeitschriftenregal in der Tankstelle im bayerischen Oberland stehe und das Cover der BILD der Frau mustere. Zu sehen ist eine attraktive blonde Dame, schätzungsweise in den Vierzigern. Sie lacht. Den Inhalt könnte man wie folgt zusammenfassen: Diäten, Rezepte, Beauty-Tipps und Ratgeber für die Balance von Körper und Seele von Europas größter Frauenzeitschrift.

Verrückte Gesellschaft. Auf der einen Seite haben wir die Vollblutemanzen, die in jedem Mann ein Täter sehen und in Fragen, wie „Willst du keine Kinder?“ oder Aussagen, wie „wenn sie lächeln, sind sie hübscher“ einen Angriff auf ihre Selbstbestimmung sehen und in jedem Herd ein Symbol der Unterdrückung der Frau per se. Auch finden diese Damen es überhaupt nicht toll, wenn man ihnen Komplimente macht. Schließlich würde sie das nur auf ihr Äußeres reduzieren. Auf der anderen Seite jedoch steht dieses Frauenmagazin, das offenbar so beliebt ist, dass es an jeder Tankstelle und jedem Zeitschriftenladen zum Verkauf angeboten wird. Wie passt das zusammen? Denn streng genommen wäre dieses Blatt doch Sexismus pur. Hier werden Kochrezepte vorgestellt, Tipps gegeben, wie man sich gegen Fältchen schützt und mit welcher Gemüsemaske. Also all das, was Frau angeblich doch nicht hören wollen und verabscheuen.

Wieso darf ein Frauenmagazin das sagen, was uns Männern verboten ist? Wenn Mann sagt, er finde ihr Lächeln hübsch, dann ist das Sexismus. Aber wenn der Frauenratgeber Tipps für ein ansprechendes Äußeres gibt, geht das in Ordnung? Auf Anhieb fallen mir da nur zwei Erklärungen ein. Entweder ist diese ganze Sexismus-Debatte zum Großteil auf Heuchelei und Schizophrenie aufgebaut oder irgendjemand in den Schreibstuben dieser Nation hat ganz entschieden was gegen Männer.

Zu ersterem: Es kann doch nicht sein, dass sich die jungen Damen heutzutage im Sommer kaum mehr als Unterwäsche anziehen und Männer damit geradezu auffordern, überall hinzuschauen, bloß nicht in ihr Gesicht und gleichzeitig soll man als Mann Frauen nicht sagen dürfen, dass sie attraktiv aussehen? Man soll sie nur nach ihren „inneren Werten“ beurteilen? Warum ziehen sich Frauen dann so an? Wieso kann dann der Ausschnitt bei diesen jungen Dingern nicht tief und der Rock nicht kurz genug sein? Wenn doch nur Intelligenz, Beruf und Charakter zählen? Will man etwa behaupten, Frauen und Mädchen ziehen sich nur so an, weil es ihnen gefällt? Ohne Hintergedanken? Kann es nicht sein, dass der Rock immer kürzer und der Ausschnitt immer tiefer wird, ihre Ursachen darin haben, Aufmerksamkeit von Männern zu bekommen?

Wie kann eine Frau, die in solch einem Aufzug mit einem Mann redet, von diesem erwarten, dass er ihre geistreichen Bemerkungen wertschätzt, wenn er doch vollauf damit beschäftigt ist, in ihren Ausschnitt zu starren oder krampfhaft versucht, es eben nicht zu tun? Ist es so verwunderlich, wenn Frauen heute oft das Gefühl haben, sie werden angestarrt und sich dadurch belästigt fühlen? Da muss ich fast schon zwangsläufig an das Buch „Dann mach doch die Bluse zu“ von Birgit Kelle denken. Der Titel sagt schon alles.

An was liegt es also, wenn es einerseits total in Ordnung scheint, dass vor allem junge Frauen sich entsprechend anziehen und der Rock jedes Jahr noch ein bisschen kürzer sein muss, gleichzeitig aber der Ton in der Sexismusdebatte immer schriller wird? Frauen kommen anscheinend nicht darauf klar, dass die Frau als Sinnbild der Erotik in dieser Gesellschaft immer omnipräsenter werden. An jeder Bushaltestelle hängen Bilder von weiblichen Unterwäschemodels, die mit lasziven Blicken von ihren Plakaten aus nur so um sich werfen. Die Klatschpresse ist voll von Sex-Skandalen und Bildern halbnackter oder nackter Promis und der Weg zum nächsten Porno ist nur ein paar Mausklicks entfernt. Das wohl unbewusste Unwohlsein über diese Entwicklung bricht sich nun eben Bahn in einer Generalanschuldigung an die Adresse des Mannes und dem überall beschriebenen „Sexismus“.

Zweitens: Feministen hassen den Mann. Das ganze Geschrei von einer patriarchalen Gesellschaft und der Unterdrückung der Frau durch den Mann. Egal, welche Absonderung des Feminismus man anschaut: immer ist der Mann schuld. Stellvertretend sei hier Simone de Beauvoir genannt, die Urmutter des heutigen Feminismus. Sie prägte den Satz, nachdem Frauen nicht als solche geboren werden, sondern von der Gesellschaft (also den Männern) dazu gemacht wird. Eine Frau könne daher nur glücklich und selbstbestimmt leben, wenn sie zuvor das „Männerproblem“ löst. In die gleiche Sparte ist auch das ganze Geschwätz der Gender Studies zu rechnen. „Anatomie ist ein Konstrukt“ (Judith Butler). Auch das ein Versuch, sich von den Fesseln der gesellschaftlichen Unterdrückung zu befreien. Irgendwie traurig, dass diese Damen den einzigen Weg zu ihrer „Befreiung“ darin sehen, sich selbst kurzerhand abzuschaffen. Denn offensichtlich sind die Geschlechter nur ein soziales Konstrukt, zumindest das weibliche. Der Umstand, dass eigentlich nur unter Linken und Grünen Feministen zu finden sind und deutsche Journalisten mehrheitlich links, beziehungsweise grün wählen, scheint ein Teil des Rätsels Lösung zu sein.

Ungeachtet dessen, besteht immer noch das Problem, dass Zeitschriften, wie die BILD der Frau offensichtlich gekauft und gelesen werden. Von Frauen. Man kann wohl daher davon ausgehen, dass es auch in Deutschland viele Frauen gibt, die es nicht ganz so eng sehen mit der scheinbaren Unterdrückung der Frau durch die Gesellschaft. Denn schließlich interessieren sie sich nach wie vor für dasjenige, was doch eigentlich erst zu ihrer Unterdrückung geführt habe: Mode, Kochen, und Gurkenmasken. Sind Frauen etwa masochistisch veranlagt? Oder einfach nur Frauen? Dieser Gedanke kommt mir, als die Tankstelle schon hinter mir liegt.

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Um die Welt

Das war das 19. Weltfest der Jugend und Studenten in Sotschi

Was war eigentlich in Sotschi so los?

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Sotschi am 16.10.2017, 2 Uhr morgens: Ich komme mit dem Flieger aus Moskau gemeinsam mit einer albanischen Studentin mache ich erste Erinnerungsphotos. Wir sind alle müde von der Parade entlang der Moskwa, die uns stundenlang durch die Straßen der russischen Hauptstadt zu den Klängen russischer Volkslieder geführt hat. Doch voller Vorfreude erwarten wir den eigentlichen Beginn jener Großveranstaltung, die noch am selben Tag beginnen wird:

Das 19. Weltfest der Jugend- und Studenten in Sotschi, Südrussland.

Was 1947 in Prag als klar kommunistisch konnotiertes Jugendfest begann, findet 2017 in Russland statt. Auf dem Olympischen Gelände angekommen, sticht einem zuerst die gute Organisation ins Auge: Mehr als 30.000 Teilnehmer drängen sich auf dem Gelände. Angesichts der Auftritte führender russischer Politiker und für die Sicherheit der Teilnehmer, finden strenge Sicherheitskontrollen am Eingang statt. Doch das kurze Warten lohnt sich: Schon in seiner Eröffnungsrede macht Wladimir Putin klar, dass es an der Jugend der Welt liegt, diese zu verändern. Dies solle durch den Dialog der Völker miteinander möglich werden, im konsequenten Antiimperialismus gegen das amerikanische Empire. Um genau diesen Dialog anzustoßen und Menschen aus aller Welt miteinander bekannt zu machen, hat sich die russische Regierung alle Mühe gegeben: Neben politischen Vorträgen sind zahlreiche Sportbereiche zugänglich, wo zum Teil von Profisportlern MMA, Boxen, aber auch Skateboarden angeboten wird. Musik, Kino und Theaterdarbietungen sorgen für ein Rahmenprogramm auf höchstem Niveau – das Essen wird selbstverständlich gemeinsam in der Kantine eingenommen. Das Herzstück bilden dabei die politischen Vorträge, welche von geopolitischen Experten aus aller Welt, aber auch Politikern wie dem russischen Außenminister Sergej Lawrow gehalten werden. Der Gemeinschaftsgeist im Einsatz für eine multipolare Welt der freien Völker dominiert, ethnische Konflikte bleiben aus. Egal ob Identitäre, Eurasier oder (nichtwestliche) Kommunisten: Gemeinsam ist man im Kampf gegen den westlichen Universalismus vereint. Nach einer Woche und zahlreichen guten Diskussionen, neu geknüpften Freundschaften und großartigen Erlebnissen fällt der Abschied von Sotschi schwer.

 

Weitere Infos findet Ihr beim Suworowinstitut in Wien hier.

Zum Blog von Alexander Markovics geht es hier entlang.

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