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Leben

Die Sache mit der Selbstbestimmung

Quelle: Pixabay

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Was ist Selbstbestimmung? Es scheint zumindest eine große Nummer zu sein, denn schließlich wird sie in Artikel 2 des Grundgesetzes als ein unveräußerliches Grundrecht für alle Menschen deklariert. Damit ist die Selbstbestimmung nach der Würde des Menschen die zentrale Kategorie, die einen Menschen von allen anderen Lebewesen abhebt, soweit der Rechtstext. Und in der Tat. Die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, also Entscheidungen seines Lebens in eigener Verantwortung zu treffen ist hierzulande ein wichtiger Faktor in der Beurteilung menschlichen Lebens.

Die Möglichkeit, Selbstbestimmt zu handeln ist etwas Grundlegendes. Dabei spielt primär die Verfügungsgewalt über den eigenen Willen und das eigene Selbst eine Rolle. Die Verfügungsgewalt über Leib und Leben, wie es so schön heißt, kann die Selbstbestimmung nur bedingt treffen. Natürlich will man, wenn möglich vorher selbst entscheiden, bevor eine Veränderung des materiellen Zustandes meiner selbst sich vollzieht. So zum Beispiel bei einer Schwangerschaft. Eine Frau hat schließlich auch das Recht zu sagen, sie wolle nun gerade nicht schwanger werden. Sich vom Sofa ans Klavier zu begeben, um eine Beethoven-Sonate zu spielen, will man auch selbst entscheiden. Wenn jedoch eine schwere Krankheit oder ein Unfall an die Tür klopfen sollte, hat der Mensch in der Regel herzlich wenig dabei mitzureden, ob er nun krank werden möchte oder nicht.

Selbstbestimmung tangiert nur die Sphäre des eigenen Willens und Handelns und daher auch nur Situationen, in der der Mensch als handelndes Wesen in Erscheinung tritt (Schwanger werden zum Beispiel, oder Klavier spielen). Nicht jedoch, wenn der Mensch als leidendes Wesen eine Zustandsveränderung hinnehmen muss (Krank werden). Selbstbestimmung ist eng mit der Freiheit des Menschen verbunden und bezieht sich auch nur auf die Aspekte des menschlichen Lebens, die menschlicher Freiheit unterworfen sind.

Selbstbestimmung hat also Grenzen. In aller Ausführlichkeit hat schon Immanuel Kant diese Begrenzung der Freiheit in seiner Kritik der praktischen Vernunft durchexerziert. Hier in aller Kürze: Freiheit ist nur innerhalb der intelligiblen Welt des Willens zu denken. In einer materiellen Welt gibt es keine Freiheit, nur Kausalität. Was für die Natur die Kausalität ist, ist für den Willen das Sittengesetz. Der Wille kann somit nur unter dem Diktum des Sittengesetzes gedacht werden. Freiheit ist immer eine Freiheit für etwas, nämlich das Gute zu tun. Dieser positive Freiheitsbegriff ist ein moralischer. Freiheit bedeutet nicht dasjenige zu tun, was man will, sondern was man soll.

Nur eine moralische Freiheit ist überhaupt denkbar. Denn wenn man keinen Fixpunkt hat, kein Ideal, für das man sich entscheiden kann, oder eben nicht, würde der Begriff der Freiheit streng genommen keinen Sinn ergeben. Von was wäre man denn frei? Denn die Kausalität der natürlichen Welt kann es ja nicht sein (Stichwort: krank werden!). Wenn man nicht entscheiden kann, ob man sich für oder gegen ein Gesetz entscheidet, entscheidet man überhaupt nicht. Diese Ansichten vertraten auch die Parlamentarier der Paulskirche von 1848, als sie ihre Verfassung konzipierten. Unter ihnen waren nicht wenige Schüler Kants und solche, die seine Kritiken gelesen hatten. An dieser Verfassung von 1848 und den Ideen, die damit verbunden waren, orientierten sich wiederum die Väter des Grundgesetzes, als sie es nach einem verlorenen Krieg, in einem Land voll von Trümmern und Bauschutt den Grundstein für eine neue Demokratie legten. „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“ (Art. 2, Abs. 1, GG).

Diese Sichtweise auf Recht und Ordnung scheint im politischen Berlin heute kaum jemand mehr zu teilen. Ja in der ganzen Gesellschaft hat sich ein utilitaristisches Denken breit gemacht. Die Krankheit einer Massendemokratie, wie wir sie heute erleben ist, dass dasjenige als moralisch gut bewertet wird, was von der Mehrheit scheinbar gewollt wird. Das diese Denke einen Geburtsfehler hat, erschließt sich dem aufmerksamen Leser wohl sofort. Man kann eben auch etwas Schlechtes wollen, denn wir sind keine willenlosen Geschöpfe – wie beispielsweise Martin Luther behauptet – ohne Freiheit. Und es wird etwas moralisch Verwerfliches nicht deshalb besser, weil es von vielen befürwortet wird. Genau das hatten wohl die Väter des Grundgesetzes im Sinn, als sie so explizit auf den Zusammenhang zwischen Selbstbestimmung und Sittengesetz hinwiesen.

Wenn in der Presse von Selbstbestimmung geredet wird, ist zumeist die Selbstbestimmung der Frau gemeint, genauer: die Verfügungsgewalt über ihren Körper. Warum das so ist, ist eine andere Frage und hat damit zu tun, dass der Mann als prinzipieller Täter a priori und die Frau als sein Opfer in den Köpfen etabliert ist. Eine Folgeerscheinung der gesellschaftlichen Vergiftung durch den Feminismus. Begonnen hat das mit einer Dame namens Margaret Sanger (1873-1966), die den Satz prägte, dass die Frau „the absolute mistress of her own body“ sei. Das sei der Kern weiblicher Identität und könne ihr vom bösen, bösen Mann auch nicht abgerungen werden. Etwas platter: „Mein Bauch gehört mir!“ Interessant, dass der Feminismus die Frau als zutiefst leibliches Wesen betrachtet, deren Identität nur eine sexuelle ist. Die Frau beschränkt sich selbst auf ihre Funktion des Kinder-Bekommens. Wie nett von ihr!

Daher hat die Frau zunächst in sexueller und reproduktiver Hinsicht Freiheiten und Rechte. Ist das jetzt wirklich Selbstbestimmung? Oder wird der Frau hier nicht ein Stempel aufgedrückt? Fremdbestimmung? Wie dem auch sei, der Autor will mit Sicherheit diese Aussage nicht bestreiten, dass eine Frau grundsätzlich das Recht hat, zu bestimmen, wann und ob die schwanger werden will. Die Frage ist nun aber, ob dieser Recht auch noch gilt, wenn sie bereits schwanger ist. Nach heutiger Meinung scheinbar schon. Denn warum gibt es schließlich die Möglichkeit, die Schwangerschaft abzubrechen, wenn es der Wille der Frau ist.

Was ist aber mit der Selbstbestimmung des Ungeborenen? Zunächst einmal eine kurze Klärung der Frage, ob es sich überhaupt um einen Menschen handelt. Ich orientiere mich dabei an den sogenannten SKIP-Kriterien, die eine naturwissenschaftliche Antwort darauf geben. Diese Abkürzung steht für Spezies, Kontinuität, Identität und Potenzialität. Ein teilungsfähiger Einzeller lässt sich nach Verschmelzung der Chromosomensätze einer bestimmten Spezies zuordnen. Das Fortbestehen, die Kontinuität dieses neuen Lebewesens ist gegeben. Auch ist mit dem vollständigen Chromosomensatz die genetische Identität des neuen Individuums bestimmt. So liegt jetzt schon fest, welche Haarfarbe oder Augenfarbe der Mensch später einmal haben wird. Auch die Grundzüge des Charakters sind schon angelegt, ebenso das Geschlecht (entgegen der unsinnigen Meinung so mancher Gender-Fanatiker). Des Weiteren weist der Embryo die Potenz auf, sich zu einem eigenständigen Individuum zu entwickeln. Damit ist der Beginn des menschlichen Lebens aus naturwissenschaftlicher Sicht weder unklar, noch fließend, sondern genau bestimmbar.

Da das nun geklärt wäre, ist es wohl offensichtlich, dass dieses menschlichen Leben schützenswert ist nach Art. 1 GG. Damit hätte aber eine Frau nicht das Recht, dieses Lebens zu beenden, weil es schlichtweg nicht von Art. 2 GG gedeckt ist. Zumal die Selbstbestimmung des Ungeborenen auch noch im Raume steht. Dass das jedoch von einem großen Teil der deutschen Gesellschaft als gerechtfertigt angesehen wird, zeigt, dass dieses Land an seiner Sittenlosigkeit zerbricht. So viel zum Schutz der Grundrechte durch das Grundgesetz.

Moralität ist das einzige, was eine Gesellschaft vor dem Abstieg in die Bedeutungslosigkeit bewahrt. Der Begriff „spätrömische Dekadenz“ bezieht sich gerade eben auf den moralischen Verfall eines Landes, der dem materiellen Untergang nur vorausgeht. Eigentlich auch logisch. Wenn eine Gesellschaft ihr moralisches Gerüst verliert und sich in eine allumfassende Beliebigkeit begibt, ist der Abstieg vorprogrammiert. Auf dieser Welt gilt für die Beziehung zwischen Staaten und Völkern nach wie vor das Recht des Stärkeren. Und ein Volk, das den Weg des Nihilismus wählt, zählt mit Sicherheit nicht mehr zu den Starken. Denn was soll man denn verteidigen nach außen hin, wenn innen gähnende Leere herrscht? Sexuelle Selbstbestimmung etwa?

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