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Börse & Wirtschaft

Der BVB Anschlag – wieso wir Zweifel haben

Dr. Heese nähert sich dem Thema über die Seite der Spekulation an der Börse.

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Der BVB Anschlag. Als offizielles Motiv haben wir gehört, hätte der Attentäter auf den Fall der BVB Aktie gewettet. Doch wie funktioniert das und warum haben wir Zweifel an dieser Version?

 

Im Kontext des BVB-Anschlags zeigt das untere Beispiel eines Put-Optionsscheins, wie Derivate funktionieren und wie mit ihnen Millionen verdient oder Totalverluste gemacht werden könnten.

 

BVB-Put von DZ Bank (DG7MN4) – wie aus 78.000 € schnell 1.170.000 € werden könnten?

Anders als mit dem Papier von Manchster United hätte der Anleger der BVB-Aktie in den letzten 16 Jahren seit Emission Verluste von 50% gemacht. Der Titel ist am deutschen Aktienmarkt völlig unbedeutend und wird im Geregelten Markt („3. Börsenliga“) mit einem Tagesumsatz von zuletzt 100.000 Stück gehandelt. Zum Vergleich: bei Spitzenreitern im DAX wechseln öfter einige Millionen Aktien den Besitzer. Auch gutes Abschneiden der Dortmunder Spieler wird am Status ihrer Aktie nichts ändern.

 

Bei der Definition eines Derivates (Optionsscheine + Zertifikate) ist jedes Wort wichtig. Bei einem Put oder Call erwirbt sein Käufer vom Emmittenten bei Fälligkeit das Recht auf Auszahlung der positiven (Call) oder negativen (Put) Differenz zwischen dem Kurs des Basiswertes und dem Basiskurs (auch Ausübungskurs genannt). Der Put oder Call ist immer an einen Basiswert (z.B. Deutsche Bank Aktie oder der DAX) gekoppelt und bewegt sich mit diesem in die gleiche (Call) oder die umgekehrte Richtung (Put). Den Basiskurs und/oder Laufzeit des Puts oder Calls kann der Emittent beliebig festlegen. Wenn wir steigende Preise unserer Basiswert erwarten, kaufen wir Calls, wenn fallende, Puts.

 

Heute werden in Deutschland fast 1 Mio. verschiedener Derivate-Titel gehandelt, bei 150 Aktien-Titeln im DAX, MDAX, SDAX und TechDAX. Bei dieser Fülle sind die meisten von ihnen „börsianische Karteileichen“ mit wenig Handelsumsatz, kurzen Laufzeiten und dem Anlagepublikum völlig unbekannt. Allein für die unbedeutende BVB-Aktie gibt es 102 Optionsscheine (davon 23 Puts).

 

Im konkreten Fall des Puts auf die BVB-Aktie, die zum Anschlagszeitpunkt bei etwa 5,40 € notierte, würde ein Inhaber des Puts DG7MN4 erst bei einem Fall der Aktie unter 3,60 € in die Gewinnzone kommen. So wäre bei einem Kurs von 3,00 € der Put rechnerisch 0,60 € wert (Basiswert 3,60 € – Kurs BVB-Aktie 3,00 €), bei 2,70 € schon 0,90 € usw. Sein Gesamtgewinn wird von der Anzahl der Puts, ihrem Kaufpreis und dem Kurs der gefallenen BVB-Aktie abhängen. Hier eine überschlägige Rechnung bei einem Eigenkapital von 78.000 € und unterstelltem Kursrückschlag der BVB-Aktie auf 2,70 € ):

 

  • für 78.000 € kauft der Spekulant 1,3 Mill. Puts die „nur“ 6 Ct. kosteten (Geldkurs, Graphik) weil ein so massiver Kursverfall der Aktie um 1/3 bis zum 16.Juni 2017 unwahrscheinlich erschien. Wenn die Aktie am 17.Juni aber bei 3,61 notiert erleidet der Put – Inhaber einen Totalverlust.
  • nachdem die Aktie auf 2,70 € einbricht, verkauft er die Puts zu 90 Ct. und erzielt 1,17 Mio. € Gewinn oder das 15fache des Einsatzes. Dieses Mehrfache wird in der Börsensprache Hebel genannt. Je höher der Hebel desto höher die Gewinnchancen und das Verlustrisiko.ii

Warum ein Börsenprofis an der offiziellen Anschlagversion Zweifel haben muss?

Ein Börsianer wird an der Version des Mainstreams von dem  BVB-Attentat aus dreierlei Gründen zweifeln. Erstens: keine Bank gibt jemanden Verbraucherkredite ohne Verwendungsnachweise und ohne Sicherheiten, schon gar nicht zum Zocker. Zweites: 1,3 Mio. Puts in einem illiquiden Markt in einem oder drei Titeln zu kaufen, ist sehr unwahrscheinlich. Drittens: es wäre möglich, dass ein Börsenprofi, der ohne Täter zu sein im Hotel nah am Anschlagsort gastierte, direkt davon erfuhr und agierte. Wenn ich als Ortinsider als erster etwas vom Attentat auf Trump erfahre, kaufe ich ebenfalls Puts. Um glaubwürdig zu sein, sollte unsere Bundesanwaltschaft die Wertpapierabrechnungen (geschwärzt) veröffentlichen. Da sie es nicht tut, ist mein Tipp: die Sache wird unter den Teppich gekehrt.

 

 

Dr. Viktor Heese ist Dozent und Fachbuchautor. Spezialisiert hat er sich auf dem Gebiet der Börsen und Banken. Für Börsenanfänger hat er das Buch "Fundamental- versus Charttheorie. Methoden der Aktienbewertung im Vergleich" (Springer 2015) verfasst. Seit 2017 ist er Wirtschafts- und Börsenexperte für das Arcadi Magazin.

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