fbq('track', 'ViewContent');
Connect with us

Um die Welt

Das war das 19. Weltfest der Jugend und Studenten in Sotschi

Was war eigentlich in Sotschi so los?

Veröffentlicht

am

Sotschi am 16.10.2017, 2 Uhr morgens: Ich komme mit dem Flieger aus Moskau gemeinsam mit einer albanischen Studentin mache ich erste Erinnerungsphotos. Wir sind alle müde von der Parade entlang der Moskwa, die uns stundenlang durch die Straßen der russischen Hauptstadt zu den Klängen russischer Volkslieder geführt hat. Doch voller Vorfreude erwarten wir den eigentlichen Beginn jener Großveranstaltung, die noch am selben Tag beginnen wird:

Das 19. Weltfest der Jugend- und Studenten in Sotschi, Südrussland.

Was 1947 in Prag als klar kommunistisch konnotiertes Jugendfest begann, findet 2017 in Russland statt. Auf dem Olympischen Gelände angekommen, sticht einem zuerst die gute Organisation ins Auge: Mehr als 30.000 Teilnehmer drängen sich auf dem Gelände. Angesichts der Auftritte führender russischer Politiker und für die Sicherheit der Teilnehmer, finden strenge Sicherheitskontrollen am Eingang statt. Doch das kurze Warten lohnt sich: Schon in seiner Eröffnungsrede macht Wladimir Putin klar, dass es an der Jugend der Welt liegt, diese zu verändern. Dies solle durch den Dialog der Völker miteinander möglich werden, im konsequenten Antiimperialismus gegen das amerikanische Empire. Um genau diesen Dialog anzustoßen und Menschen aus aller Welt miteinander bekannt zu machen, hat sich die russische Regierung alle Mühe gegeben: Neben politischen Vorträgen sind zahlreiche Sportbereiche zugänglich, wo zum Teil von Profisportlern MMA, Boxen, aber auch Skateboarden angeboten wird. Musik, Kino und Theaterdarbietungen sorgen für ein Rahmenprogramm auf höchstem Niveau – das Essen wird selbstverständlich gemeinsam in der Kantine eingenommen. Das Herzstück bilden dabei die politischen Vorträge, welche von geopolitischen Experten aus aller Welt, aber auch Politikern wie dem russischen Außenminister Sergej Lawrow gehalten werden. Der Gemeinschaftsgeist im Einsatz für eine multipolare Welt der freien Völker dominiert, ethnische Konflikte bleiben aus. Egal ob Identitäre, Eurasier oder (nichtwestliche) Kommunisten: Gemeinsam ist man im Kampf gegen den westlichen Universalismus vereint. Nach einer Woche und zahlreichen guten Diskussionen, neu geknüpften Freundschaften und großartigen Erlebnissen fällt der Abschied von Sotschi schwer.

 

Weitere Infos findet Ihr beim Suworowinstitut in Wien hier.

Zum Blog von Alexander Markovics geht es hier entlang.

Um die Welt

Zu Besuch im Herzen Deutschlands: Eisenach

Eisenach lohnt sich! Kultur und Sehenswürdigkeiten für den erholsamen Urlaub.

Veröffentlicht

am

von

Ein Beispiel, warum sich Reisen in seinem Heimatland lohnt, da es zu einem spannenden und abwechslungsreichen Erlebnis werden kann, ist die Stadt Eisenach. Ich kann es nur empfehlen, hier her zu kommen, um malerische Naturpanorama zu genießen, regionale Köstlichkeiten zu probieren, Errungenschaften deutscher Kultur zu entdecken und entscheidende geschichtlicher Ereignisse näher zu ergründen.

Das sich in Thüringen befindende Eisenach ist von der geographischen Lage als auch der kulturellen Bedeutung her einer der zentralsten Orte Deutschlands. Die Stadt selbst empfängt den Besucher mit einer kleinen, aber feinen Altstadt, die von Fachwerkhäusern, kleinen Villen, malerischen Plätzen und altehrwürdige Kirchen gekennzeichnet ist. Das Innere der Stadt ist nicht zu überfüllt mit Besuchern  und hat sich daher den Charme einer gemütlichen Kleinstadt bewahrt, in der man angenehm in den Straßen flanieren und typische Thüringer Spezialitäten von den berühmten Rostbratwürsten bis zu süßen Kuchen und Torten entdecken kann.  Doch neben der Gelegenheit zum Verweilen gibt es noch viel in der Stadt zu entdecken, da sie in ihrer Geschichte auch ein Ort war, an dem weltberühmte deutsche Persönlichkeiten der Musik, Religion und Literatur Spuren ihres Wirkens hinterlassen haben.

Bei einem Rundgang durch die Altstadt fällt dem Besucher auch recht schnell einer der Magneten insbesondere für internationale Musikliebhaber auf: das Bach-Haus.  Dieses Gebäude gehörte einst Mitgliedern einer Familie, deren bekanntester Sprössling Johann-Sebastian Bach war. Heute dient es als Museum für eine umfangreiche Dokumentation des Lebens des berühmten Komponisten und der seiner weiteren musikalischen Verwandten. Durch für die damalige Zeit typische Möblierung schreitend werden biographische Details und Hörproben vieler  Kompositionen Bachs präsentiert, außerdem wird sein geistiges Innenleben im Rahmen eines interaktiven Rundblicks durch seine Büchersammlung dokumentiert. Es ist wirklich empfehlenswert auch das Angebot zu einer der stündlichen Konzertaufführungen im Museum zu nutzen, bei welcher einige von seinen Stücken auf zeitgenössischen Instrumenten vorgeführt werden.

Sowohl im Bach-Haus, da seine Texte Bach zu vielen Vertonungen anregten, als auch auf Spruchplakaten anlässlich des Reformationsjubiläumsjahres begegnet der Besucher Eisenachs auf Schritt und Tritt einem weiteren außergewöhnlich berühmten Deutschen: Martin Luther. Um dazu mehr zu erfahren, empfiehlt es sich, der über der Stadt Eisenach thronenden Wartburg einen Besuch abzustatten. Für Wander-und Naturbegeisterte ist eine Besteigung des Weges zur Burg bei schönen Wetter sehr lohnenswert. Am Hang ist auch noch ein Besuch der Reuter-Villa  möglich, in der ein Reuter-Wagner Museum untergebracht ist, welches zeitgenössische Einrichtung bürgerlicher Wohnkultur des 19. Jahrhunderts vermittelt und über eine bedeutende Sammlung zu Leben und Werk des Komponisten Richard Wagner verfügt. Bei Ankunft oben auf der Burg angekommen, informiert die diesjährigen Sonderausstellung „Luther und die Deutschen“ nicht nur darüber wie Martin Luther seiner Zeit auf der Wartburg mit der Bibelübersetzung verbracht und seine religiösen Überzeugungen hinausgetragen hat, sondern auch wie dies die deutsche Sprache und Geschichte beeinflusste und in verschiedenen späteren Epochen rezipiert wurde. Wer danach noch mehr über Martin Luther erfahren möchte, kann auch noch das seit 2017 komplett neu sanierte Luther-Haus in der Innenstadt von Eisenach besuchen.

In einer Führung durch die Wartburg selbst können Besucher außerdem in verschiedenen im 19. Jahrhundert künstlerisch aufwendig gestalteten Sälen erkunden, welche weiteren berühmten Ereignisse und Akteure die Geschichte der Wartburg prägten. Darunter sind zum einen der Sängerkrieg, ein am Hofe des Landgrafen Hermann von Thüringen und seiner Gemahlin Sophie  1207 auf der Wartburg veranstalteter poetischer Wettstreit  zwischen den bedeutendsten Minnesängern jener Zeit, dessen Motiv u.a. Vorbild für Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ war, sowie das Wirken der katholischen Heiligen Elisabeth, deren aufopfernde Dienste an Hilfsbedürftigen hier ihren Anfang nahmen.

Von der Wartburg aus sollte man die zu den verschiedenen Seiten hin sich bietende umfassende Aussicht in die bergige, grüne Landschaft der Umgebung genießen. Bei einem Blick nach Nordosten ist das Burschenschaftsdenkmal zu erkennen, welches ein Nationaldenkmal für die deutschen Burschenschaften darstellt, verbunden mit einer Gedenkstätte für die in den Weltkriegen gefallenen Burschenschafter. Burschenschaften sind politische Studentenverbindungen, welche im Rahmen der Befreiungskriege gegen Napoleon entstanden. Sie forderten als eine der ersten gesellschaftlichen Kräfte beim Wartburgfest 1817 freiheitliche und demokratische Mitbestimmung in einer konstitutionellen staatlichen Ordnung. Über die Mitwirkung von 150 Burschenschaftern an der Frankfurter Nationalversammlung und der dortigen Erklärung der Grundrechte der Deutschen sind die burschenschaftlichen Ziele und Werte von 1815 und 1817 über die Weimarer Reichsverfassung bis hin zum heutigen Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland nachhaltig von Bedeutung geblieben. Noch heute verstehen sich die Burschenschaften als lebenslange Bünde zwischen Studenten und ehemaligen Studierenden, den Alten Herren, die ein konservativ-patriotisches Gegengewicht zum Zeitgeist bilden wollen und für den Erhalt der Heimat, für eine freiheitliche und selbstbestimmte deutsche Nation und für ein Europa der Vaterländer eintreten.

Während meiner Anwesenheit in Eisenach fand auch der einmal im Jahr stattfindende Burschentag statt, der ein Treffen des Gesamtverbandes darstellt. Aufgrund von Differenzen mit der im Freistaat Thüringen und der Stadt Eisenach bestimmenden Politik bleiben jedoch die Tore der Wartburg für die Burschenschaften geschlossen. Dafür bot das Burschenschaftsdenkmal und eine Festhalle einer Eisenacher Nachbargemeinde ein fast ebenso malerisches wie feierliches Ambiente. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden Verhandlungen bzw. Abstimmungen auf der Verbandsmitgliederversammlung zur Organisation des Verbandes geführt, mit einem Fackelzug und einer Totenrede den Gefallenen gedacht, bei einem Festkommers traditionelle Lieder gesungen und zur politischen Diskussion anregende Reden und Vorträge gehalten sowie natürlich auch jede Menge Bier getrunken.

Fazit: Wer inmitten einer schönen Altstadt und Naturlandschaft kulturelle Errungenschaften genießen und für Deutschland prägende Geschichte entdecken möchte, sollte sich für eine Reise nach Eisenach entscheiden.

Continue Reading

Um die Welt

Die Ostsee entlang von Danzig bis nach Tallinn – ein Urlaubsbericht

Anja hat eine Reise an der Ostsee unternommen. Hier sind ihre Eindrücke:

Veröffentlicht

am

von

Einen Urlaub an der Ostsee in Deutschland zu verbringen ist hierzulande weit verbreitet. Doch wie sehen Landschaft und Städte an der Küste dieses Meeres aus, wenn man weiter in den Osten reist? Wir haben uns auf eine Rundreise begeben um die Ostseeküste von Polen bis nach Estland zu entdecken.

Danzig (Gdansk) und Marienburg, umfangreicher Wiederaufbau und gelungene Restauration

Neptunbrunnen in Danzig

Neptunbrunnen in Danzig

Den Beginn der Reise bildete die über 1000-jährige Hansestadt Danzig, deren einst durch Handel im Mittelalter und in der frühen Neuzeit entstandener Wohlstand für die Errichtung prunkvoller Kirchen und Burghäuser gesorgt hatte. Nach der Zerstörung der einstigen Hansestadt Danzig im 2. Weltkrieg können heute nach umfangreichem Wiederaufbau Sehenswürdigkeiten wie die zahlreichen Kirchen, die Langgasse mit ihren prachtvollen Häuserfronten und kleinen Straßenterrassen, das Rathaus und der Neptunbrunnen auf dem Markt sowie reich verzierte Torbögen entdeckt werden, wobei die Stadt angesichts der Touristenmassen definitiv kein Geheimtipp mehr ist.

Eingang zur Marienburg

Eingang zur Marienburg

Diese größte Backsteinburg der Welt wurde einst vom Deutschen Orden nach der Verlegung seiner Residenz von Venedig nach Königsberg im Jahr 1309 neu erbaut. Die Deutschritter waren einer der größten geistlichen Ritterorden des Mittelalters und ursprünglich von Kreuzfahrern im Heiligen Land gegründet worden. Sie widmeten sich seit dem 13. Jh. der Heidenbekehrung, Christianisierung und Staatsgründung in den slawischen Gebieten östlich des Deutschen Reiches. Heute kann man im Rahmen einer Besichtigung der umfangreich restaurierten Anlage das damalige Burgleben kennenlernen, die wechselvolle Geschichte seiner Bewohner erfahren oder einfach nur das Panorama der Burganlage genießen.

Königsberg (Kaliningrad) – auf den Spuren einer verlorenen Zeit

Dom in Koenigsberg

Dom in Koenigsberg

Nach der Einreise in die russische Exklave „Kaliningrad Oblast“ die Reise in die Stadt Königsberg (Kaliningrad), die frühere Hauptstadt der Provinz Ostpreußen, welche nach 1945 an die Sowjetunion fiel und nach dessen ehemaligen Staatsoberhaupt Michail Iwanowitsch Kalinin benannt wurde. Durch Bombardierung und Vertreibung bzw. Neubesiedlung hat sich die Stadt stark verändert, so dass sie noch heute nach einem eigenen Selbstverständnis sucht und viele historische Bauwerke verloren sind. Es überwiegen Bauten mit Sowjetcharme, doch man kann auch einige Spuren der ehemaligen deutschen Bewohner entdecken, darunter die Hönigbrücke über den Fluss Pregel, den Königsberger Dom, der bis in die 1990er Jahre noch eine Ruine war, sowie das Grab von Immanuel Kant am Dom. Berühmt ist aufgrund ihrer Größe auch die Orgel der Kathedrale. Die dortigen Konzerte sind sehr empfehlenswert. Langsam entdecken die Bewohner wieder die Geschichte des Gebietes, bauen insbesondere in den Küstenorten Häuser im Stil der typisch deutschen Villenarchitektur des 19. und 20. Jahrhunderts oder spielen mit deutsch klingenden Namen für Restaurants oder Hotels.

 

Kurische Nehrung – Sahara des Nordens

Duenenlandschaft in der kurischen Nehrung

Duenenlandschaft in der kurischen Nehrung

Anschließend erfolgte der Besuch der Kurischen Nehrung, einer nur wenige Kilometer breiten, ca. 98 km langen Landzunge aus Sand an der baltischen Küste, welche sich zwischen dem Kurischen Haff und der Ostsee befindet und von welcher 46 km zu Russland und 52 km zu Litauen gehören. Hier trifft man auf verträumte Orte mit bunten Fischerhäuschen, weite Strände mit feinem Sand, aber auch auf schattige Kiefernwälder. Insbesondere die herrliche Dünenlandschaft zum Verweilen ein. Hier kann man Wanderungen unternehmen und hervorragende Postkartenmotive finden, die den Betrachter im Glauben wiegen können einen Gruß aus einer Sandwüste zu erhalten.

Simondach Brunnen im Memel

Simon Dach Brunnen im Memel

Nördlich der kurischen Nehrung befindet sich die Stadt Memel (Klaipeda), wo man auf dem Theaterplatz einen Denkmalbrunnen zur Erinnerung an den in dieser Stadt geborenen Dichter Simon Dach findet, welcher u.a. das berühmte deutsche Volkslied  „Ännchen von Tharau“ geschrieben hat.

Baltische Hauptstädte- wo das Herz der jungen Republiken schlägt

Das Baltikum ist ein herausragendes Beispiel für die Verschiedenheit der Völker und Kulturen in Europa. Estland ist kulturell und landschaftlich eher Skandinavien näher, Lettland ist durch reiche eigene volkstümliche Traditionen und Überlieferungen eines umfangreichen Liederschatzes gekennzeichnet und das katholische Litauen verbindet seine Geschichte, Kultur und Religiosität eher mit Polen, da die Länder über Jahrhunderte in einer Union vereint gewesen waren. Auch alle drei Landessprachen des Baltikums unterscheiden sich in Aussprache und Grammatik stark voneinander – wie im Übrigen auch vom Russischen- und wurden über die Zugehörigkeit zur Sowjetunion hinaus bewahrt. Über Jahrhunderte waren die Gebiete auch z.T. von deutschen Siedlern bewohnt, welche Einflüsse auf die Kultur und den Städtebau in der Region hatten. Insbesondere prägten deutsche Rittergeschlechter und deutsches Bürgertum in den Städten bis in das 20. Jahrhundert hinein die gesellschaftliche Führungsschicht.

Die drei Hauptstädte des Baltikums sind die bevölkerungsreichsten Städte des jeweiligen Landes, kulturell sowie wirtschaftlich von zentraler Bedeutung für den jeweiligen Staat und bilden einen starken Gegensatz zu den ländlichen Gebieten.

Strassen von Vilnius

Strassen von Vilnius

In Vilnius, Litauens Hauptstadt, kann man das Aufeinandertreffen von so ziemlich allen europäischen Baustilen – Gotik, Renaissance, Klassizismus, vor allem auch Barock- in der verwinkelten Altstadt, zwischen alten Klöstern, dutzenden Kirchen, Kaufmannshäusern und dem prächtigen Universitätskomplex erleben.

Jugendstil in Riga

Jugendstil in Riga

Lettlands Hauptstadt Riga vereint hanseatische Backsteingotik mit mehr als 800 üppig verzierten Jugendstilhäusern in den wohl prachtvollsten erhaltenen Wohnquartieren des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts und lädt zwischen dem Dom-, Rathaus-und Livenplatz mit dutzenden kleine Straßencafes und Burghäusern aus quasi allen Epochen zum Verweilen ein.

Stadtmauer in Tallinn

Stadtmauer in Tallinn

Die estnische Hauptstadt Tallinn zeichnet sich durch ihren mittelalterlichen Charme aus. Hier kann man zwischen dem höher gelegenen Domberg, einst Wohnstätte des Adels und des Klerus, und der Altstadt, ursprünglich durch Handel-und Handwerk geprägt, mit Kopfstein belegte Gassen, alten Kirchen und dem Rathausplatz mit den mittelalterlichen Kaufmanns-und Gildenhäusern vielerlei Schönes entdecken. Umrahmt von der gut erhaltenen Stadtmauer mit ihren Wehrtürmen, welche verschiedenen Museen beherbergen sowie modernen Grünanlagen, bietet das einstige Reval Erholung und städtisches Flair in fast vollkommener Harmonie.

Fazit: Wer sich für einen Urlaub mit abwechslungsreicher, malerischen Naturlandschaft, den unterschiedlichen Facetten europäischer Kulturen und deutscher Geschichte der vergangenen Jahrhunderte interessiert, ist an der Ostseeküste zwischen Danzig und Tallinn genau richtig.

Continue Reading

Um die Welt

Meine Reise nach Wien

Was gibt es spannendes in Wien?

Veröffentlicht

am

Wien im Frühjahr, was kann es für ein schöneres Urlaubsziel geben? Imperiale Prachtbauten, pittoreske Gässchen und der charmante Singsang der Österreicher waren, was ich mir von meinem Wien-Urlaub samt weiblicher Begleitung vorgestellt habe und auch bekam.

Das erste touristische Ziel war die Rüstkammer in der Wiener Hofburg, wo es eine unglaubliche Menge an alten Rüstungen und Waffen zu sehen gab, die verständlich und ansprechend angeordnet die Entwicklung des Plattner-Handwerks durch die Jahrhunderte zeigt. Und man wundert sich doch, wie es eine Ritterrüstung schafft durch ein eingearbeitetes, amüsantes Gesicht und hervorstechenden Schutz des männlichen Kleinods zwischen den Beinen für ein Schmunzeln zu sorgen. In einem anderen Flügel der Hofburg ist die kaiserliche Schatzkammer untergebracht, die in mir, so viel Nationalromantik muss gestattet sein, echte Ehrfurcht erweckte.

Neben, von  in Gold und Silber eingefassten Reliquien überquellenden Regalen waren hier die alten Reichskleinodien ausgestellt, also das Schwert und der Reichsapfel, sowie die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches. Meine Begleitung konnte ich humoristisch darauf hinweisen, dass der Film ,,Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ allein deshalb unlogisch war, weil sich die Heilige Lanze mit dem Nagel vom Kreuze Christi, welche Otto der Große bei der Schlacht auf dem Lechfeld führte, ja die ganze Zeit wohlverwahrt in Wien lag.

Auch die Krone des  1804 errichteten Kaisertums Österreich fand sich hinter dickem Glas sicher aufbewahrt, genauso wie andere Herrschaftsinsignien der deutschen und österreichischen Geschichte. Durch das gedimmte, schummrige Licht, welches die kostbaren und Jahrhunderte alten Fahnen und Gewänder vor dem Verblassen schützen sollte entstand diese pathetische Stimmung, die den Menschen ergreift, wenn er der Vergangenheit direkt gegenübersteht.

Ein ähnlicher Schauer lief mir beim Besuch der Kapuzinergruft über den Rücken, in der man an Zink-Särgen vorbei gehend die Jahrhunderte abschreitet. Die Angehörigen des Hauses Habsburg werden hier seit 1633 bestattet und auch nach so langer Zeit liegen zu Füßen der Särge immer wieder frische Blumen oder sonstige Zeichen der Anteilnahme. In Anbetracht der Zuneigung der Österreicher zu ihren verblichen Monarchen und dem vergangen Ruhm Österreichs habe auch ich meine preußische Knausrigkeit abgestreift und einen kleinen Betrag zur Erhaltung dieser historischen Stätte gespendet.

Nach so viel Pathos tat ein entspannender Besuch auf dem Prater sichtlich zum Runterkommen bei, auch wenn der berühmte Platz mit dem Riesenrad angesichts schlechteren Wetters nahezu leer war. Dennoch wurde im englischen Reiter ein vorzügliches Wiener Schnitzel gegessen und auch der ein oder andere Nussler trug seinen Teil zur Entspannung bei, denn am nächsten Tag war, zum Entsetzen meiner, wie sicherlich der meisten, weiblichen Begleitung der Besuch im Heeresgeschichtlichen Museum geplant.

Im ehemaligen kuk Arsenal wird hier ausführlich die Geschichte des österreichischen Heeres von den Bauernkriegen des 16. Jahrhunderts bis heute nachgezeichnet, wobei deutlich die ursprüngliche Intention  den Nimbus und die Ehre der Armee zu verherrlichen, in welcher der echte alte kaiserliche Geist fortlebt, welche allezeit den Reichsstandpunkt hochgehalten hat und das Symbol der Zusammengehörigkeit aller Länder bildet erkennbar ist.

Neben der Fülle an Material und einer kurzweiligen Audio-Guide Tour ist vor allem interessant, dass der Erste Weltkrieg, wohl wegen der besonderen Bedeutung für Österreich, hier deutlich den Kern der Ausstellung bildet und nicht, wie in deutschen Museen hinter dem Zweiten Weltkrieg verschwindet.

Die nächsten Ziele waren dann so sehr auf Tourismus getrimmt, dass mir persönlich der Besuch nicht ganz so viel Freude bereiten konnte, wie die zuvor gesehenen Wahrzeichen. Lange Schlangen und dichtes Gedränge im Schloß Schönbrunn und preislich, wie von der Länge her abgestufte Besichtigungen laufen im Akkord und die unvermeidlichen, mit Fotoapparaten ausgerüsteten Chinesen haben mir etwas die Freude an der Sommerresidenz der Habsburger verdorben. Auch eine künstlerisch angehauchte Installation zur Kaiserin Elisabeth, bei uns Piefkes vor allem aus den Romy Schneider-Filmen als Sissy bekannt, fand ich zu viel des Guten. Man sollte Schönbrunn am besten mit einem Touristenführer besichtigen, die in immer fröhlichem Dialekt lustige Anekdoten aus der alten Kaiserzeit zum Besten geben. Der Schönbrunner Tierpark hingegen bot eine nette Abwechslung zu den ,,alten Steinen“, wie meine Begleiterin halb humorvoll-halb despektierlich sagte.

War mir Schönbrunn schon zu Touri-lastig, so ist mir im Stephansdom der Kragen geplatzt. Ich war nie ein Freund davon Kirchen als touristisches Highlight zu nutzen und ging eher widerwillig hinein, weil man in Wien den Stephansdom ja gesehen haben muss.

Drinnen bot sich das erwartete Bild von lärmenden, chinesischen Touristen im Blitzlichtgewitter und osteuropäischen Touristinnen in viel zu kurzen Röcken. Aus Rücksicht auf die Dame und den Ort beließ ich es bei einigen bösen Blicken.

Als guter Katholik zündete ich also eine Kerze für die Verstorbenen an und sprach in einer Bank ein stilles Vaterunser. Als mich beim Hinausgehen am Weihwasserbecken jedoch ein deutscher Tourist mit Sonnenbrille und Kappe anpfiff, weil ich offensichtlich sein Foto des Beckens störte konnte ich mir die scharfe Erwiderung, dass dies ein Gotteshaus sei und er erst einmal die Kappe abnehmen soll nicht verkneifen.

Am selben Tag wurde noch das Sissi-Museum inklusive Silberkammer in den ehemaligen Kaiser-Appartements besichtigt, doch nach dem 453. Silberbesteck und Geschirr  ist man nicht mehr sonderlich aufnahmefähig und braucht im Cafe in den Hofburg einen G´Spritzen mit Grünem Veltliner. (oder auch zwei)

Um die Müden Glieder und von so vielen Eindrücken müden Geist zu entspannen gingen wir ins Cafe Frauenhuber, das älteste durchgehend betriebene Wiener Kaffeehaus.

Und auch, wenn die meisten Kaffeehäuser Wiens sehr Touristen-lastig sind war die Wiener Melange und die Sacher Torte vorzüglich. Das Ambiente mit roten, samtbezogenen Sesseln, Holz-getäfelten Wänden und Kellner in Fliege und Anzug, die im unverwechselbaren Dialekt fragten: ,,Ham´s die Herrschaften schon g´wählt ?“ ließen einen glauben gleich trete ein kuk Hofrat durch die Tür.

Der letzte Tag in Wien bot nur Zeit für eine kleine Besichtigung, da es Nachmittags zurück in die Heimat gehen sollte.

Zum Glück war mir beim Bummeln durch den historischen Stadtkern am Vortag das Deutschordenshaus mit seiner Schatzkammer aufgefallen. Ich möchte es nicht Geheimtipp nennen, aber die kurzen Öffnungszeiten an wenigen Tagen in der Woche deuten an, dass dies abseits des großen Touristenrummels ein lohnenswertes Ziel ist.

Da die Geschichte des Deutschen Ordens den meisten aus dem Geschichtsunterricht bekannt sein dürfte spare ich mir diesen Teil und berichte, was es in der kleinen, liebevollen Ausstellung zu besichtigen gab.

Natürlich diverse sakrale Gegenstände, denn schließlich ist der „Orden der Brüder vom Deutschen Hospital Sankt Mariens in Jerusalem“, so der vollständige Name,  eine katholische Ordensgemeinschaft. Aber auch die verschiedenen Gewänder und Schwerter des Ordens sind interessant anzuschauen. Besonders interessant war die Belehnungsurkunde mit der Kaiser Karl I. dem Orden bei Regierungsantritt 1916 seine Rechte bestätigte, und zwar in der wortgleichen Form, wie schon 600 Jahre zuvor, wie sich aus den originalen, aber auch transkribierten Urkunden ersehen ließ.

Auf dem Weg zum Flughafen bot sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln das Bild, welches auch aus jeder kultur-bereicherten, deutschen Großstadt bekannt ist, nur dass in Wien die Bahnen pünktlich und in hoher Taktzahl fahren(Felix Austria), während am Fenster die bekannten Wiener Vororte mit ihren großen Gemeinde-Wohnungen und der Zentralfriedhof vorbeirauschen.

In der Heimat angekommen denkt man zwar wehmütig an die vergangene habsburgische Größe zurück, doch das A.E.I.O.U.  des Kaisers Friedrich III. lässt uns wissen:

Austria erit in orbe ultima.

 

 

 

(Für die Nicht-Latriner: Österreich wird bestehen bis ans Ende der Welt)

Continue Reading
Advertisement

Beliebte Beiträge

Unterstützt Arcadi!

Wenn dir unsere Arbeit gefällt, folge uns oder spende einen Beitrag!