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Um die Welt

Auf zwei Rädern durch Frankreich

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Es ist bei uns gute Tradition einmal im Jahr, an Vatertag, eine Motorrad-Tour zu machen.

Dabei ist die Reisegruppe meist in zwei Fraktionen gespalten. Der einen geht es vor allem um den Weg, der anderen geht es um das Ziel. Meist wird dabei ein schöner Kompromiss gefunden, der darin liegt, dass durchaus ein Umweg in Kauf genommen wird, um eine kurvenreiche, malerische Strecke zu fahren, an der am Ende aber ein sehenswertes Ziel steht. Und natürlich sollte am Abend der gemütliche Teil nicht zu kurz kommen, denn nicht nur die Motorräder brauchen ihren Kraftstoff…

Dieses Mal hieß das Ziel Frankreich, genauer gesagt das französische Departement Alsace-Champagne-Ardenne-Lorraine. Diese geschichtsträchtige Region im Nordosten Frankreichs bietet für den geneigten Fahrensmann alles was das Herz begehrt; kurvenreiche, bergige Strecken, kulinarische Höhepunkt und malerische, kleine Städte, deren Namen jedem geschichtskundigem Reisenden im Gedächtnis bleiben.

So ging es also los bei angenehmem Wetter vom heimischen Herd los Richtung Süden. Die ersten Kilometer bis hinter Köln werden meist auf der Autobahn runter geritten, um dann durch die Eifel und Luxemburg nach Frankreich zu schwenken.

Erster Halt: Verdun

Erster Halt war Verdun, die Blutmühle. Der Name allein war schon Ehrfurcht-gebietend. Und je näher man der Stadt und dem Schlachtfeld kam, umso beeindruckender wurde es. Bei bestem Sommerwetter konnte man rechts und links der Straße die von Granaten zerfurchten, ehemaligen Totenacker sehen, die heute zwar von sattem, grünen Gras bedeckt sind, aber von der Oberfläche her eher an einen Golfball erinnern . Hier und da ein erhaltener Grabenabschnitt mit Stützpfeilern und die allgegenwärtigen Schilder, die vor Verlassen der Wege warnen.

Das Beinhaus von Douaumont kommt in Sicht.  Ein beeindruckendes, düsteres Gebäude. Über 130.000 Tote liegen allein innerhalb dieser Mauern begraben, der Friedhof dahinter erstreckt sich in der weiten Ebene. Der Rundgang durch Museum und Ossuarium wird zur schweigenden Andacht.

Abends bei der Einkehr im Hotel im Zentrum von Verdun kann sich die Stimmung wieder lockern. So weit wie wir war damals kein Deutscher gekommen. Doch der Wirt ist freundlich und erfreut uns mit ausgezeichnetem Filet Mignon und gibt den Boches sogar eine Runde Schnaps aus.

Am nächsten Morgen geht es nach einem, für deutsche Verhältnisse, mageren Frühstück (außer Baguette und Croissant scheint keine französische Bäckerei etwas zu produzieren) weiter in Richtung des nächsten Ziels, das da war; das ehemals deutsche Elsaß.

Das Bollwerk: Die Maginot-Linie

Vorbei geht es an der Maginot-Linie. Natürlich lassen wir uns eine Besichtigung zumindest einer Anlage nicht nehmen. Gut erhalten (bis auf das Eingangsportal) sind wir fasziniert von der damals modernen Technik und der beeindruckenden Ausstattung. Ein freundlicher, deutsch-sprechender Franzose macht mit uns gefährlich aussehenden Motorrad-Fahrern eine Führung. Wir sind genug Mann, um einen der Geschütztürme zu aktivieren. Es geht durch unendlich lange Gänge zu kleinen Ausguckposten von denen wir zwar keine feindliche Infanterie erspähen, dafür aber verdächtig aussehende Kühe.

Bei einem MG-Nest fragen wir blauäugig unseren Fremdenführer, warum für zwei Schießscharten nur ein Maschinengewehr vorhanden ist. Der Franzose fühlt sich sichtlich ertappt, zuckt mit den Achseln und sagt mit charmantem Akzent: „ Ihr Deutschen hattet schon damals einen Blick für die Schwächen der Maginot-Linie.“

Ein Abstecher nach Metz

Weiter geht es über die Schlachtfelder 1870/71, wie Metz, um schließlich die alte Festungsstadt Bitsch als letzte Etappe anzusteuern.

Schon die Architektur unterscheidet sich deutlich von der Vorherigen. Fachwerk und Klinker dominiert und wir kommen durch kurvige Straßen in die alte Festungsstadt, über der auf einem Hügel die Zitadelle thront, die auch nach der Reichsgründung noch zwei Monate lang nicht dem deutschen Heer vor seinen Toren kapitulierte.

Deutlich ist das 19. Jahrhundert zu spüren, da die Stadt in den folgenden Kriegen nur geringeren Schaden nahm und sich so ihren Charme erhalten konnte. Ein interessanter und moderner Rundgang durch das alte Gemäuer liefert kurzweilige Unterhaltung, bevor es zur letzten Nacht der Tour ins Bett geht, um am folgenden Morgen die Heimreise anzutreten. Da Baden-Württemberg nicht weit ist fahren wir rüber nach Deutschland und folgen dem Verlauf von Vater Rhein in den Norden über altbekannte Routen, um schließlich von den Orten der vergangenen, deutsch-französischen Erbfeindschaft wieder zurück an den Niederrhein zu gelangen, wo das holländische Nachbarland zwar noch Erbfeind ist, aber dies auf einem anderen Feld der Ehre; dem Fußballplatz.

 

Vorschaubild: Christian Beuschel / pixelio

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