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Stil & Mode

Dolce & Gabbana: Kampf gegen die Homosexuellen?

Dolce & Gabbana verstehen sich als Bewahrer der traditionellen Familie. Ist da was dran? Wir haben für Euch die Fakten zusammengestellt!

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Ein Interview des Designerduos Domenico Dolce und Stefano Gabbana in der italienischen Zeitung Panorama löste einen Sturm der Entrüstung aus. Heute, etwas über ein Jahr später, lässt ein Blick zurück auf die Reaktionen zahlreicher Stars und Sternchen auf die Aussagen der schwulen Modemacher interessante Schlüsse ziehen über den Zustand der Modewelt und das Ausmaß der auch dort verbreiteten „Political Correctness“.

Dolce und Gabbana als Opfer?

 

Dolce und Gabbana, Inhaber des milliardenschweren Modeunternehmens Dolce&Gabbana mit Sitz in Mailand, äußerten sich in diesem Interview sehr kritisch über alternative Familienmodelle. Children of chemistry, synthetic children. Uteruses for rent, semen chosen from a catalogue. We oppose gay adoptions. The only family is the traditional one. No chemical offsprings and rented uterus: life has a natural flow, there are things that should not be changed.Dolce fügt hinzu I am gay, I cannot have a child. I guess you cannot have everything in life. Life has a natural course, some things can not be changed. One of them is family.“

Prompt hagelte es von allen Seiten der Schickeria Boykott-Aufrufe und reflexartige Empörungsbekundungen, allen voran der britische Sänger Elton John. Auf Twitter bezeichnete er ihre Aussagen als „archaisches Gedankengut“, das „nicht mehr zeitgemäß sei, genauso wie ihre Mode“ und kreierte dazu den Hashtag #BoycottDolceGabbana.

MrRPMurphy

Foto: Screenshot Twitter Ryan Murphy

Boykott von Mode

Eine Zeit lang taten sich viele Celebrities mit dem Tragen von Kleidung aus dem Hause D&G sehr schwer, Stylisten waren verunsichert, PR-Berater rieten davon ab, und um weiteren Schaden von ihrer Marke abzuwenden, sah sich das Designerduo dazu genötigt, in einem Interview bei CNN zurückzurudern. Sie hätten nur von ihrer Privatmeinung gesprochen und würden keineswegs gegenteilige Entscheidungen anderer schwuler Paare verurteilen. Schließlich seien sie selbst schwul – aber eben in sehr konservativen, traditionellen Großfamilien aufgewachsen. Einen Seitenhieb konnten sie sich dennoch nicht verkneifen: Elton Johns Boykottaufruf sei ebenfalls nicht mehr zeitgemäß, sondern „mittelalterlich“.

Politische Mode

Soweit, so gut. Interessant ist an diesem Fall, dass die Welt der Mode eine bis vor wenigen Jahren von der Außenwelt abgeschnittener gesellschaftlicher „Abzweig“ war, der sich aus politischen Fragestellungen zwar nie komplett heraushalten konnte, dennoch aber nie direkt von aktuellen Debatten betroffen war. Dies hat sich geändert; bei Chanel defilieren die Models mit „Make love, not war“ Plakaten und solidarisieren sich mit dem Feminismus (eine interessante Synthese, schließen sich Mode und Feminismus eigentlich gegenseitig aus), Stella McCartney produziert ausschließlich vegan und nun wird der traditionellen Familie ewige Gestrigkeit und archaisches Gedankengut vorgeworfen.

D&G bleiben hart

Dass Designern aufgrund der neuen Möglichkeiten dank sozialer Netzwerke dieser neue Meinungsmainstream geradezu aufgezwungen wird, da sonst durch Boykott enormer wirtschaftlicher Schaden entstehen kann, ist neu und brisant. Mechanismen, die in Politik und im Alltag von der Modewelt weitab lebender Bürger allerdings schon seit längerem greifen. Trotz dieser Vorfälle bleibt D&G hartnäckig. Mit der zeitgleich zu dem „Skandal“ um ihre Aussagen präsentierten Kollektion für den Herbst/Winter 2015 zelebrierten und propagierten die Designer regelrecht die traditionelle Familie und huldigten vor allem die italienische Mutterfigur unter dem Titel „Viva la mamma“. Kunstvoll auf ihre Kreationen gestickt stehen „ti amo mamma“, „sei la mamma piu bella del monde“ sowie aufgedruckte Kinderzeichnungen. Models mit Babys auf dem Arm und Kleinkindern an der Hand schritten den Laufsteg entlang, auch das zu dem Zeitpunkt hochschwangere italienische Topmodel Bianca Balti nahm teil. Auch die Männer kamen nicht zu kurz; bereits einige Monate zuvor präsentierten die Models während der Männermodewoche in Mailand Sweater mit aufgedruckten Familienbildern. Auch diese Kollektion wurde zur Zielscheibe zahlreicher Kritiken aus feministischem Spektrum an dieser angeblich einseitigen und verstaubten Rolle der Frau, obwohl gerade Feministinnen unrealistische und zum Teil tatsächlich ungesunde Frauenbilder anprangern, die die Modewelt propagiert. Doch wenn eine schwangere Frau ebenfalls nichts mit einer „realen“ Frau gemein hat, was sonst?

Modern und konservativ

Mit ausgefallenen Details und farbenfroher Kreativität hält das Label bei seinen Kreationen an klassischen Schnitten fest und beweist einmal mehr, dass sich Innovation, Moderne und Konservatismus nicht gegenseitig ausschließen. Denn dieser so wesentliche Aspekt der Weiblichkeit, die Mutterschaft, ist in der Modewelt bislang relativ konsequent ignoriert worden. Dolce&Gabbana greift dieses konservativ angehauchte Thema auf und macht es zur Innovation.

 

Dolce&Gabbana Winter 2016 Women’s Fashion Show finale. #dgmamma #dgfamily #dgfw16 #mfw

Ein von Dolce & Gabbana (@dolcegabbana) gepostetes Video am

Die perfekte Familie

Die Kampagne zeigt perfekt inszenierte Bilder eines chaotischen, aber glücklichen Familienlebens in klassischer Konstellation. Eltern und Kinder sehen in den Kreationen attraktiv aus, ohne unauthentisch zu wirken. In anderen Kollektionen sind auch opulent geschmückte und strahlende Großmütter zu sehen. Für einen Außenstehenden wirkt dieses Lebensmodell plötzlich erstrebenswert, was diese D&G Kampagne für den konservativen Kreis in Politik und Gesellschaft zur Inspirationsquelle und Bezugspunkt für eigene Versuche dienen sollte, die traditionelle Familie wieder salonfähig zu machen.

Treue ist alles

Und auch heute, nachdem sich die Wogen der Entrüstung wieder einigermaßen geglättet haben, bleiben sich Dolce und Gabbana treu; ihre aktuelle Kollektion „#DGfamily – Family is everything“ besteht aus Kleidern, T-Shirts und Taschen, die Zeichnungen mit kinderreichen Familien zeigen, Ehepaare und Mütter mit Babys auf dem Arm – und das Designerduo selbst, umringt von ihren Hunden und Katzen, getreu ihrer Aussage von damals, als sie noch ein Paar waren: „Wir sind auch ohne Kinder eine Familie“.

 

 

Vorschaubild: Dolce e Gabbana, Renan Katayama, CC-by-sa-2.0, commons.wikimedia.org

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